13/01/2026
Da gerade viel über Wahlärzte diskutiert wird... Hier Mal meine Gedanken
Ich bekomme als Kassen Arzt 10,34 pro Besuch. Ich KANN mir keine 25-30 min pro Patient Zeit nehmen. Bei 20,68 pro Stunde mit Miete, Angestellten, neuen Geräten und Privatleben könnte das etwas eng werden. Ich muss viele Patienten in kurzer Zeit sehen. Der Wahlarzt nimmt sich mehr Zeit, genau deshalb wird man Wahlarzt. Ich würde gerne meine Patienten genauer anschauen... Bloß wer zahlt?
Als ich 2006 fertig geworden bin, gab es kaum Ausbildungsstellen für Fachärzte... Das ist bis heute vermutlich nicht viel anders. Wenn weniger ausgebildet werden, gibt es auch wenig Nachwuchs. In Wien war damals Wartezeit auf einen Turnus Platz (Ausbildung zum praktischen Arzt) 36 Monate... Ich musste in die Steiermark gehen...
Wir leisten unsere Arbeit an der Menschheit...auf die eine oder andere Art.
Sicher ist nur, dass man jetzt das jahrelange Versagen auf politischer Ebene an uns auslassen will. Die Ärztekammern gehören entmachtet- stimmt genauso wie die Gewerkschaft der Metaller, Handel und alle anderen... Da würde sich sicher niemand empören..War Mal Kernklientel der SPÖ...
Die bösen Ärzte müssen zur Arbeit verpflichtet werden... Auch Juristen, die auf Staatskosten studiert haben? Boku Absolventen? TU Absolventen... Haben sie den Steuerzahlern auf der Tasche gelegen und so nebenbei: der hippokratische Eid wird schon lange nicht mehr abgelegt. Trotzdem war genau das der Grund, Arzt zu werden. Es war jedoch nie der Plan mich zur Arbeit zwangsverpflichten zu lassen. Dann wäre ich wohl weg und würde auf einen anderen Beruf umschulen... Politiker vielleicht... Am besten im Gesundheitressort.
Und der größte Witz: 1996 zu Studienbeginn sagte uns jeder: keinesfalls Lehramt oder Medizin studieren. Davon gibt es zu viele... Kleiner reminder: wo fehlt es derzeit an Fachkräften?
Die Herren und Damen Politiker sind gerne eingeladen, einen Tag bei mir in der Ordination zu verbringen...
Das Problem sind nicht die Wahlärzte. Das Problem sind die Rahmenbedingungen und Strukturen, die überbordende Bürokratie... Stichwort idiotische verpflichtende ICD Kodierung, immer neue Ideen der Kassen und der Begriff Vertragspartner, der so nicht stimmt, weil Partner auf Augenhöhe kommunizieren. Davon spüre ich nichts.
Briefe, das wir zu viele Menschen zu lange krank schreiben, zu viele MRTs verschreiben- gewünscht von Krankenhäusern oder Fachärzten, die es im eigenen Haus nicht ausführen bzw. nicht selbst verordnen
Ich bin jetzt 3 Jahre Vertragsarzt und das sehr gerne...
Unter den momentanen politischen Ereignissen würde ich es nicht nochmal tun.. never ever..
Ich bin stolz Arzt zu sein und Menschen zu helfen und nicht der Trottel und Buhmann für Politiker oder sonstige Funktionäre, die zum Teil von ihrem eigenen Versagen, ihrer Verantwortung oder Inkompetenz ablenken wollen.