27/01/2026
Als ich ca. 30 Jahre alt war, kam ich durch einen Freund zum ersten Mal in Kontakt mit den Aufzeichnungen von Joachim Ernst Behrend "Nada Brahma - Die Welt ist Klang".
Seitdem haben sie mich nicht mehr losgelassen und eingeladen in die tiefen Klänge und Urbedeutungen von Wörtern. Wörter, die unsere Gedanken prägen, Wörter, die wir sprechen und Wörter, die wir schreiben. Doch was meinen sie wirklich? Wo kommen sie her? Was klingt immer durch sie hindurch - egal wie die aktuelle Moral der amtierenden Gesellschaft sie derzeit benutzt?
Was ist die zeitlose Urbedeutung, die immer prägend mitwirkt?
Meine erste Aktion war nach dem Hören von Joachim Ernst Behrend der Kauf des etymologischen Wörterbuches von Kluge. Vor zwei Jahren habe ich es erweitert mit der Gesamtausgabe des Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Beides sind magische Quellen, die eine in eine unglaubliche geistige Tiefe einladen.
Ich möchte dir meine Betrachtung an zwei Beispielen erläutern. Dem Wort "Charakter" und dem Wort "Person":
👉 Charakter
Ist für dich ein charakterloser Mensch ein guter oder ein schlechter?
Geprägt von der gesellschaftlichen Auffassung ist es ein Mensch ohne Ethik, ohne Gutsein, ohne innere Werte. Also ein Störenfried der Gesellschaft.
Charakter wird offiziell beschrieben als die moralische Persönlichkeit.
Doch das Wort heißt im Griechischen "gravieren" oder "eingeritzter Buchstabe". Und es wurde verwendet, um Tieren und auch Sklaven Erkennungszeichen einzubrennen, einen Eigentumsstempel sozusagen, also spitzen, ritzen, eingraben und prägen.
Insofern ist der Charakter das dem Menschen Eingeritzte, Eingeprägte in seinem psychischen und geistigen Ausdruck.
Ach wie schön ist es und was für ein großartiges Ziel, endlich wieder charakterfrei zu sein, kein Sklave eines Herrn oder einer Gesellschaft mehr, niemandem zu gehören, sondern endlich wieder ein freier Mensch zu sein.
Und dann macht die Unterscheidung zwischen gutem und schlechten Charakter eben auch keinen Sinn mehr.
👉 Person
Und was ist dann die Person, Persönlichkeit? Es basiert auf dem griechischen Wort "Persona", das für die Maske des Schauspielers steht, mit der Mundöffnung zur Tonverstärkung.
Die Persönlichkeit, die Persona, ist somit die Maske, der Schauspieler. Es ist aber auch das Schauspiel und auch der Raum, in dem das Schauspiel stattfindet.
Die Gebrüder Grimm beschreiben es punktgenau, dass man eine Person spielen kann, aber nicht sein kann.
Oh, wie recht haben sie. Es tut schon weh, so oft wie wir dieses Wort täglich verwenden.
Und ist unsere Gesellschaft dann nicht fast immer ein Maskenball, weil Menschen mit Masken auf ihrem wahren Antlitz anderen Menschen mit Masken begegnen?
Und was ist dann Persönlichkeitsentwicklung? Der Beruf des Maskenbildners!
Und was machen eigentlich diese Typen im Personalbüro? Schauspieler akquirieren, die dann Rollen erfüllen sollen?
Insofern erkläre ich zu meinen Unwörtern des Jahres 2026 und aller folgenden Jahre:
Das Wort "Charakter" und das Wort „Person" („Persönlichkeit", "Persönlichkeitsbildung" und alles weitere, was daraus abgeleitet werden könnte).
Mir persönlich rutscht das Wort "Person" auch noch manchmal aus dem Mund raus, aber ich beiß mir mittlerweile fast auf die Zunge und versuche den Ekel- und Würgereflex, den es mittlerweile erzeugt, zu unterdrücken.
👉 Meine Einladung an dich
Tiefer über die Wörter nachzudenken, die wir verwenden und was sie wirklich sagen und was unabhängig von dem, was wir von den Worten halten oder wie wir sie verstehen, immer mitklingt und immer mitprägt und immer unser Leben mitbestimmt.
👉 Ein Tipp an dich
Suche nicht einfach Wörter im Internet oder bei Wikipedia (da steht auch viel oberflächliches Halbwissen), sondern schau in ethnologischen Wörterbüchern (auch online) nach, die zu den wirklichen Quellen führen, wo Worte herkommen und was sie wirklich bedeuten. Und damit, was wir eben auch sagen - oft unbewusst.
Hier ein paar Inspirationen zum Nachschauen: Pädagoge, Ego, Revolution