03/01/2016
Von: Patrik Nydegger
Allgemein
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Betroffene mit einem ADS leiden unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Das bedeutet, dass sie im vergleich zu den ADHS Patienten die Hyperaktivität nicht aufweisen. Im englischen Sprachraum benutzt man ADD/ADHD (Attention Deficit (Hyperactivity) Disorder), das dem Deutschen ADHS entspricht. Eine weitere Bezeichnung ist die Hyperkinetische Störung (HKS).
ADHS/ADS/HKS/ADD/ADHD sind schon im Kindesalter auftretende Psychische Störungen (Hirnstoffwechselstörung), die sich durch verschiedene, massive Beeinträchtigungen in der Aufmerksamkeit, Konzentration, Innere und Äussere Unruhe etc. zeigen. Die Störung kann sich bis in das Erwachsenenalter hinziehen und ist nicht wie vielfach vermutet, eine reine Kinder-Störung.
Betroffene und Angehörige leiden meistens unter extremem Druck. Als betroffener erbringt man kaum mehr die Leistung die von einem verlangt wird. Sei es in der Schule, Arbeit oder auch im Familienleben. Oft ist es so dass zu den schon bestehenden Symptomen noch weiter Psychische Störungen auftreten. Die Angehörigen wie Betroffene wissen nicht mehr mit der Situation umzugehen, da das AD(H)S immer noch zu wenig Akzeptanz in der Gesellschaft erhält und die Therapieformen noch zu wenig auf die unterschiedlichen und Komplexen Störungen der Patienten eingehen.
Bei Kindern mit AD(H)S besteht die Möglichkeit mit Medikamentöser, Therapeutischer, Psychologischer Unterstützung, Strukturen in Ihr Leben zu bringen. Sie können sich dann relativ einfach in das soziale Leben eingliedern. Wichtig dabei ist, dass man das Umfeld sprich Lehrpersonen, Betreuer etc. stark mit einbezieht.
Bei Erwachsenen AD(H)S Patienten sind diese Strukturen in den meisten Fällen nicht vorhanden. Sie fühlen sich häufig minderwertig und haben Probleme sich im Sozialen Umfeld zu bewegen. Sie müssen sich ständig beweisen, und betreiben einen wesentlich grösseren Aufwand, um Aufgaben zu erledigen als Personen ohne Störung. AD(H)S führt nicht selten im Erwachsenenalter zu Depressionen. Die Patienten greifen dann in vielen Fällen zu Rauschmitteln, die dann die Symptomatik der Depression verstärkt. Diese Personen müssen Psychologisch betreut und begleitet werden.
Diagnostik
Die Diagnostik wird bei Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendarzt oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, bzw. im Erwachsenenalter durch Psychiater, Ärztliche Psychotherapeuten oder Psychologische Psychotherapeuten durchgeführt. Es muss eine fundierte und Klinische Diagnose erfolgen. Die Diagnose wir in den meisten Fällen durch Checklisten in Form von Fragebögen durgeführt. Eine Diagnose sollte sich immer aus Informationen von unterschiedlichsten Quellen zusammensetzen. Wichtig bei einer Diagnose, ist der Einbezug des Familiären Kreises sowie des Sozialen Umfeldes. Z.b. Eltern, Geschwister, Lehrpersonen, Betreuer etc.. Auch Verhaltensbeobachtung, sowie eine Neurologische Untersuchung ist notwendig. Als Voraussetzung der Diagnose AD(H)S müssen die erarbeiteten Kriterien von z.b. der (WHO) Weltgesundheitsorganisation strengstens eingehalten werden.
AD(H)S und die positiven Eigenschaften
Fröhlichkeit und Witz das umschreibt den AD(H)S’ler. Er ist extrem schlagfertig und unglaublich hilfsbereit. Die lustige und gutmütig Seite, lässt vielfach vergessen, dass er sich mit vielen problematisch Situationen auseinandersetzen muss. Mit seiner fürsorglichen und aufgeweckten Art, begeistert Er die Menschen rund um sich. Phantasievoll, kreative, flexibel und sensibel sind weitere positive Eigenschaften die man bei AD(H)S’lern findet. Das sensible, interessierte und begeisterungsfähige rundet das Profil des ADHS’lers ab.
Geschichte
ADS/ADHS ist keine neuzeitliche Erscheinung. Bereits 1845 beschrieb der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann im Struwwelpeter den Zappel-Philipp und Hans guck in die Luft, der dem Heutigen ADHS’ler sehr ähnelt. Jedoch bezeichnete Hoffmann diese Symptomatik eher als Erziehungsprobleme und nicht wie als Heute erwiesene, Psychischen Störung.
1901 Schrieb Siegmund Freud in seiner Studie (Zur Psychopathologie des Alltagslebens)
„Es gibt Menschen, die man als allgemein vergesslich bezeichnet und darum in ähnlicher Weise als entschuldigt gelten lässt wie etwa den Kurzsichtigen, wenn er auf der Strasse nicht grüßt. Diese Personen vergessen alle kleinen Versprechungen, die sie gegeben, lassen alle Aufträge unausgeführt, die sie empfangen haben, erweisen sich also in kleinen Dingen als unverlässlich und erheben dabei die Forderung, dass man ihnen diese kleineren Verstöße nicht übel nehmen, d. h. nicht durch ihren Charakter erklären, sondern auf organische Eigentümlichkeit zurückführen solle. Ich gehöre selbst nicht zu diesen Leuten und habe keine Gelegenheit gehabt, die Handlungen einer solchen Person zu analysieren, um durch die Auswahl des Vergessens die Motivierung desselben aufzudecken.“
Als eines der Grundlagenwerke für das moderne AD(H)S gilt das 1908 publizierte Werk Mental Deficiency (Amentia) von Alfred F. Tredgold.
1944 Synthetisierte Leandro Panizzon, ein Angestellter der Firma Ciba Heute (Novartis) Methylphenidat. Nach dem Selbstversuch seiner Frau Marguerite, die nach Einnahme von Methylphenidat beeindruckt über Ihre Leistungssteigerung im Tennis war, wurde das Produkt nach Ihrem Spitznahmen Rita „Ritalin“ genannt.
1954 Brachte die Firma Ciba (Novartis) das Produkt Ritalin auf den Markt.
1971 Wurde das Medikament unter das Betäubungsmittelgesetz gestellt.
1978 listete die „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD) das Krankheitsbild Hyperkinetische Störung (HKS) auf.
Methylphenidat
Methylphenidat ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Amphetamine mit stimulierender Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Methylphenidat ist in Form von Tabletten, Retardttabletten, und Retardkapseln unter folgenden Marken-Bezeichnungen (z.B. Ritalin®, Concerta®, Medikinet®, Equasym®) im Handel. Da es sich um ein Betäubungsmittel handelt, ist es extrem strengen Kontrollen unterworfen und nur auf spezielle Ärztliche Verordnung erhältlich.
mögliche Symptome bei AD(H)S
• Aufmerksamkeits- Konzentrationsschwierigkeiten (ADS/ADHS)
• Probleme mit der Auffassungsgabe (ADS/ADHS)
• Unsicherheit "Selbstwertgefühl" (ADS/ADHS)
• Inneres Zerreissen/Druck (ADS)
• Ablenkbarkeit (ADS/ADHS)
• Probleme mit den Sinnen und Reizen:
• sehen, hören, haptisch (tasten) (ADS/ADHS)
• Ziellosigkeit (ADS/ADHS)
• Depressionen/Ängste (ADS/ADHS)
• Wahrnehmungsstörungen (ADS/ADHS)
• Hyperaktivität (ADHS)
• Hypoaktivität (ADS)
• Innere Unruhe (ADS)
• Impulsivität (ADHS)
• Koordinationsprobleme (ADS/ADHS)
• Schlaflosigkeit (ADS/ADHS)
• Schulschwierigkeiten (ADS/ADHS)
• Soziale Schwierigkeiten (ADS/ADHS)