25/03/2026
Ich frage mich oft, wie viele Menschen wirklich an die Wirkung der TCM glauben – und wie tief dieses Verständnis geht.
Ich selbst habe fünf Jahre (10 Semester) TCM studiert und arbeite seit über 15 Jahren in diesem Bereich. Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt über die Wirkung der TCM.
Die TCM kann bei sehr vielen Krankheiten und Beschwerden helfen – mit Ausnahme von akuten Infektionskrankheiten oder Situationen, in denen schnell operiert werden muss. In meiner Praxis machen etwa 70–80 % der Behandlungen orthopädische Beschwerden aus, wie Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen. Doch TCM kann weit mehr: Sie unterstützt auch bei vielen inneren, funktionellen Beschwerden.
In Asien ist es oft so, dass Menschen zuerst TCM ausprobieren, um ihre Beschwerden zu verbessern. Erst wenn das nicht hilft, wenden sie sich an die Schulmedizin. Ich persönlich finde: Am besten ist es, sich zuerst gut untersuchen zu lassen und dann – je nach Situation – Schulmedizin und TCM sinnvoll zu kombinieren.
Ich habe viele Patientinnen und Patienten erlebt, die bereits zahlreiche schulmedizinische Behandlungen hinter sich hatten, teilweise sogar Operationen – jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Erst danach denken sie: „Vielleicht versuche ich es jetzt mit TCM.“ Zu diesem Zeitpunkt bestehen die Beschwerden oft schon sehr lange, und die Behandlung dauert entsprechend länger, als wenn man früher begonnen hätte.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin nicht gegen die Schulmedizin und ich sage auch nicht, dass TCM „die beste“ Methode ist. Alles hat zwei Seiten – und beide Ansätze haben ihren Wert.
Ein persönliches Beispiel: Mein Nachbar hatte einen Schlaganfall. Dank Reha und Medikamenten hat er sich langsam verbessert – er konnte wieder laufen und sogar Fahrrad fahren, wenn auch nicht ganz wie früher. Ich habe ihm damals eine Weihnachtskarte geschrieben und vorsichtig erwähnt, dass TCM ihn zusätzlich unterstützen könnte – ganz unabhängig davon, ob bei mir oder anderswo. Einige Tage später hat er sich bedankt und meinte, es gehe ihm relativ gut und er bewege sich regelmässig.
Drei Monate später musste er notfallmässig ins Spital. Kurz darauf sah ich ihn wieder – diesmal brauchte er beim Gehen einen Rollator, den er vorher nicht benötigt hatte. In diesem Moment dachte ich: Vielleicht hätte eine Kombination aus Schulmedizin und TCM helfen können. Das hat mich sehr berührt.
Ein weiteres Beispiel aus meiner Zeit in einer TCM-Klinik in Deutschland (mit 80 Betten): Eine Ärztin litt an Colitis ulcerosa und wollte kein Cortison mehr einnehmen, da sie die Nebenwirkungen gut kannte. Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt konnte sie ihre Cortison-Dosis deutlich reduzieren.
Ich möchte damit sagen: TCM hilft nicht nur bei „mechanischen“ (körperlichen) Beschwerden, sondern auch bei vielen „organischen“ bzw. funktionellen Problemen.
Mehr Informationen zu den möglichen Anwendungsgebieten finden Sie auf meiner Website: www.tcm-jeon.ch