15/12/2025
Ein Interview mit Anke Johanningmann
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Warum Seelen-Mysterium – und warum jetzt?
Anke Johanningmann:
Seelen-Mysterium entsteht nicht aus einer Idee heraus, sondern aus einer Entwicklung.
Über viele Jahre hinweg habe ich mich – aus persönlicher Notwendigkeit – intensiv mit psychologischen Zusammenhängen beschäftigt. Nicht theoretisch, sondern praktisch, existenziell, manchmal schmerzhaft.
Parallel dazu gab es immer einen Hang zu spirituellen Denkweisen. Allerdings nie im Sinne von Heilsversprechen oder schnellen Antworten, sondern als zusätzliche Perspektive auf innere Prozesse. Irgendwann haben sich diese beiden Ebenen verbunden: fundiertes psychologisches Wissen und die Frage, wie echte Weiterentwicklung nach einer Selbsterkenntnis überhaupt möglich ist.
Jetzt ist der Zeitpunkt, dieses Wissen weiterzugeben.
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Was bedeutet „das GPS für dein Seelen-Mysterium“?
Anke Johanningmann:
Viele Menschen erkennen irgendwann, dass etwas in ihrem Leben nicht stimmig ist. Manche verstehen sogar sehr genau, warum das so ist. Aber danach fehlt oft die Orientierung.
Das GPS steht für eine innere Navigation. Für Klarheit. Für einfache, nachvollziehbare Schritte, die man selbst gehen kann. Ohne sich zu verlieren. Ohne sich kaputt zu analysieren. Ohne sich in endlosen Selbstexperimenten zu erschöpfen.
Selbstentwicklung muss nicht kompliziert sein.
Man kann sich nicht „tot entwickeln“, wenn man versteht, was man tut.
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Ist Seelen-Mysterium ein berufliches Projekt?
Anke Johanningmann:
Nein.
Es wird nicht hauptberuflich sein, und es ist nicht auf Wachstum oder Gewinn ausgelegt.
Es geht mir um etwas sehr Einfaches und zugleich Seltenes: Mitmenschen. Menschlichkeit. Das Gefühl, nicht alleine zu sein.
Viele Menschen brauchen Unterstützung, ohne gleich in Therapie zu müssen. Sie fühlen sich innerlich allein mit ihren Gedanken, Mustern oder Fragen. Seelen-Mysterium soll Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich selbst helfen kann – und zwar niedrigschwellig und teilweise auch kostenlos.
Warum ich das mache?
Weil ich es kann. Und weil ich es für richtig halte.
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Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit ist Suchtpsychologie. Warum?
Anke Johanningmann:
Weil Sucht häufig falsch verstanden wird.
Ich persönlich würde mich lieber mit einem Menschen unterhalten, der praktische Erfahrungen mit dem eigenen Anliegen gemacht hat, als mit jemandem, der nur theoretisch darüber spricht. In diesem Fall geht es um Sucht in Form von Substanzen.
Auch ich rauche gelegentlich einen Joint. Nicht, um ein Trauma zu verdrängen oder Probleme wegzudrücken, sondern weil ich Spaß haben möchte. Und genau da beginnt der große Unterschied.
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Wo liegt dieser Unterschied?
Anke Johanningmann:
Substanzen an sich sind nicht das, was süchtig macht.
Das eigentliche Suchtmittel ist das Gefühl.
Spaß.
Leichtigkeit.
Lachen.
Keine Sorgen.
Keine Probleme.
Nach diesem Zustand beginnt der Kopf zu schreien.
Die Substanz ist lediglich das Mittel, um ihn zu erreichen.
Wenn Menschen das verstehen, verändert sich der Blick auf Sucht grundlegend. Dann geht es nicht mehr um Moral, Schuld oder Verbote, sondern um die Frage: Was fehlt mir eigentlich im Alltag?
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Wie arbeitet Seelen-Mysterium mit diesem Wissen?
Anke Johanningmann:
Ich betrachte Sucht nie isoliert. Sondern im Zusammenhang mit Bindung, Emotionen und Selbstregulation.
Viele Abhängigkeiten – auch nicht stoffgebundene – entstehen aus dem Wunsch nach Zuständen, die sonst nicht erreichbar scheinen: Ruhe, Nähe, Entlastung, Freude.
Wenn Menschen lernen, diese Zusammenhänge zu erkennen, verliert die Substanz an Macht. Das ist kein schneller Weg. Aber ein nachhaltiger.
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Was möchten Sie Menschen mit Seelen-Mysterium geben?
Anke Johanningmann:
Vor allem eines: das Gefühl, nicht allein zu sein.
Einsamkeit ist einer der größten Verstärker für psychische Belastungen. Viele Menschen funktionieren nach außen, während sie innerlich völlig auf sich gestellt sind. Sie schämen sich für ihre Gedanken oder glauben, sie müssten „anders“ sein.
Seelen-Mysterium soll zeigen, dass diese inneren Zustände menschlich sind. Und dass es Wege gibt, sich selbst ernst zu nehmen, ohne sich zu verlieren.
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Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Seelen-Mysterium?
Anke Johanningmann:
Dass es ein stiller Ort bleibt.
Kein Marktplatz. Kein Selbstoptimierungszirkus. Kein Heilsversprechen.
Ein Ort für Orientierung.
Für Einordnung.
Für innere Klarheit.
Das reicht mir.