03/02/2026
🗞️ „Wir finanzieren auch Freizeitkonsum.“
Das behauptet der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) im Interview mit der Neue Osnabrücker Zeitung.
Seine These: Durch medizinische Cannabisrezepte würden Krankenkassen faktisch Freizeitkonsum bezahlen.
Seit der Teilentkriminalisierung habe sich die Menge an Medizinalcannabis stark erhöht. Verantwortlich dafür seien Telemedizin, Online-Portale und sogenannte „Klick-Rezepte“.
Sein Fazit: Das Solidarsystem werde missbraucht.
Das könne nicht Sinn der Sache sein.
Soweit die Aussage.
Jetzt der Faktencheck.
Ein entscheidender Punkt wird im Interview komplett verdreht ⚠️
Viele sogenannte „Klick-Rezepte“ entlasten die Krankenkassen, statt sie zu belasten.
In der Praxis handelt es sich häufig um reale Patienten mit tatsächlichen Beschwerden, die medizinisch sehr wohl eine Chance auf eine Kassenverordnung hätten. #
Sie zahlen aber privat, weil sie keinen Kassenarzt finden,
der bereit ist, Cannabis zu verschreiben.
Der Grund dafür ist bekannt 💡
Eine Verordnung auf Kassenkosten ist für Ärzte mit erheblichem Risiko verbunden.
Regressforderungen drohen, wenn Krankenkassen die Therapie später als nicht wirtschaftlich oder nicht verhältnismäßig bewerten.
Genau deshalb verweigern viele Ärzte Cannabisrezepte auf Kasse grundsätzlich.
Nicht aus medizinischen Gründen,
sondern aus Angst vor finanziellen Konsequenzen.
Die Realität sieht deshalb so aus 📉
Patienten weichen auf Telemedizin und Privatrezepte aus,
obwohl sie eigentlich in die Regelversorgung gehören würden. Diese Rezepte laufen nicht über die gesetzliche Krankenversicherung.
Arztkontakt, Rezept und Medikament werden selbst bezahlt.
Das bedeutet konkret: Diese Patienten entlasten die Solidargemeinschaft, statt sie zu belasten.
Was im Interview komplett fehlt ❗
Für die Aussage „Wir finanzieren Freizeitkonsum“
werden keine Abrechnungsdaten, keine Kassenstatistiken und keine belastbaren Zahlen geliefert.
Es wird nicht zwischen GKV-Rezepten und Privatversorgung unterschieden.
Telemedizin, Missbrauch und Kassenleistung werden pauschal in einen Topf geworfen.
Unterm Strich bleibt 📌
Nicht Telemedizin ist das Problem.
Nicht medizinisches Cannabis ist das Problem.
Das Problem ist ein System, das Cannabis medizinisch erlaubt, Ärzte aber faktisch dafür bestraft, es auf Kasse zu verordnen.
Solange sich daran nichts ändert, werden Privatrezepte nicht Missbrauch sein, sondern ein Ventil für reale Patienten in einem dysfunktionalen Versorgungssystem.
Quelle: Interview mit Andreas Philippi (SPD),
Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)