16/10/2025
Unser Widerspruch zum Schwerbehindertenausweis ist durch und Noel hat nun die 100 % bekommen. Wieder etwas geschafft 🙂
Der letzte Ausbruch war am 24.08. und obwohl ich auf einen Ausbruch eingestellt war, hat mich die Intensität des Ausbruches überrascht. Es hört sich vielleicht komisch an, aber der Ausbruch war das Beste, was passieren konnte. Noel war so geschockt von sich selber. Er ist seitdem so reflektiert, klar, kann besser Hilfe annehmen und akzeptieren. Er ist so entspannt. Das tut richtig gut. Andere würden sagen, dass er immer noch impulsiv ist usw. Ja, ist er, die Behinderung und deren Symptome sind ja immer noch da, die gehen ja nicht weg, aber für seine Verhältnisse ist es super. Ja, ich weiß auch, dass sich das ändern kann, aber wir genießen das heute, und heute ist es super.
Seit einigen Monaten haben wir Kontakt zum Großvater väterlicherseits. Die Kontakte sind sehr gut und harmonisch, und Noel freut sich darüber. Ich halte Kontakt zur Herkunftsfamilie, solange es dem Kind guttut, für wichtig. Noel hat das Recht zu wissen, woher er kommt, wem er ähnlich sieht, wen es da alles gibt. Das Kindeswohl sollte aber immer an erster Stelle stehen!
Der Großvater hat vor 2 Wochen seine langjährige Lebensgefährtin geheiratet und im kleinen Rahmen gefeiert und uns dazu eingeladen. Wir haben uns über die Einladung gefreut, aber hatten auch Sorgen, wie Noel das verpackt. Außer dem Großvater kannten wir ja noch niemanden aus der Familie. Wie würde Noel reagieren? Ich habe viel mit Noel darüber gesprochen. Er sagte nur, er sagt nicht "Opa" oder "Onkel". Ich sagte ihm, dass er das auch nicht muss und dass wenn er gehen möchte, wir auch sofort gehen, niemand wird ihn zwingen, da zu bleiben.
Wir wurden sehr herzlich in Empfang genommen. Noel und wir haben die beiden Onkels kennengelernt. Einer ist verheiratet und hat 2 Jungs. Auf einmal stehen da 2 Männer, die die leiblichen Onkels sind, eine Tante und 2 Cousins. Das war für alle sehr emotional, besonders für Noel. Noel musste immer mal wieder raus aus der Situation und weinte. Es war ein schöner Tag mit sehr vielen Informationen zu Noels Vater und Herkunftsfamilie. Ja, Noels Vater ist gefährlich, sitzt auch (seit längerem) wieder im Gefängnis und zu ihm möchte ich (zum Schutz von Noel) keinen Kontakt haben, aber die Herkunftsfamilie kann nichts dafür.
Noel hat immer Angst, er würde so werden wie sein leiblicher Vater, weil sie ja verwandt sind. Daher tat Noel der Kontakt zum Großvater und vor allem zum älteren Onkel und dessen Kindern so gut. Denn auch die sind mit dem leiblichen Vater verwandt und sind nicht so wie er.
Der Kontakt war so schön, dass wir das Wochenende noch zusammen verbracht hatten und Noel mit seinen Cousins spielen konnte. Der jüngere Cousin (11 Jahre) sagte zu mir: "Der Noel ist ja mein Cousin, was bist du denn dann für mich?" Ich: "Das ist eine gute Frage" Zu mehr kam ich nicht, denn da sagte mein Noel dann: "Das ist deine Pflegetante" 🤣 Das war so cool, das ist mein Noel.
Der Onkel wohnt weit weg mit seiner Familie, aber er hält per Telefon und WhatsApp weiterhin Kontakt zu uns, und die Kinder untereinander auch.
Letztes Wochenende war der Onkel mit seiner Familie wieder hier und wir konnten gemeinsame Ausflüge machen, und Noel freut sich so sehr über diesen Kontakt. Auch wir wissen es sehr zu schätzen, denn es ist nicht alltäglich, dass die Herkunftsfamilie einen so herzlich aufnimmt, und auch Pflegefamilien sind oft dem Herkunftssystem ablehnend gegenüber. Solange es dem Kind guttut (!), finde ich, ist es unsere Pflicht, solche Kontakte zu unterstützen. Unsere Kinder haben das Recht darauf.
Wir sind dankbar für diese Chance für Noel, dass er sieht: Nur weil einer in der Familie kriminell geworden ist, heißt es nicht, dass alle so werden müssen. Das gibt ihm Zuversicht und Mut.
Ansonsten sind wir weiterhin auf der Suche nach einem Integrationshelfer...