09/04/2025
Sicher anweiden – wann ist das Gras wirklich gefährlich?
Viele denken: Erst auf die Wiese, wenn das Gras hoch genug ist. Doch das ist ein Irrtum!
Nicht die Länge entscheidet – sondern der Zuckergehalt.
Gerade feines, sattgrünes Frühjahrsgras kann gefährlich sein – selbst wenn es noch kurz ist.
Damit du sicher durch die Anweidezeit kommst, haben wir dir eine Liste erstellt:
-Welche Wiesen sind riskant?
-Wann ist das Gras besonders zuckerreich?
-Und ab wann ist welche Fläche sicher nutzbar?
Unser Tipp: Langsam anweiden, das Wetter im Blick behalten – und besser einmal mehr „Nein“ sagen als eine Rehe riskieren.
1. Wiesenarten – Was ist eher gefährlich, was eher sicher?
Feines, sattgrünes, junges Gras: Schnell wachsend, meist viel Stickstoff, sehr saftig: Risiko: Hoch – gefährlich!
Frisch nachgewachsene Flächen (z. B. nach Mahd oder Koppelwechsel): Wenig Struktur, hoher Zuckergehalt. Risiko: Hoch
Alte, artenreiche Weide mit Kräutern und Horstgräsern Strukturreicher, langsamer Wuchs, viele Faserstoffe. Risiko: Niedriger – besser
Abgefressene, "abgegraste" Flächen. Mehr Stängel, weniger Blatt, oft strukturreicher. Risiko: Mittel – bedingt geeignet.
Heuweide / Extensivfläche mit wenig Düngung. Langsamer Wuchs, strukturreich, trocken. Risiko: Niedrig – sehr gut.
2. Entscheidungshilfe: Tägliche Einschätzung der Gefahr
Gefährlich ist es, wenn hoher Fruktangehalt:
Kalte Nächte (10 °C)
Später Nachmittag / früher Abend (Zucker wird bis dahin abgebaut)
Höheres, strukturreicheres Gras
Matte, „stumpfe“ Optik des Grases
3. Konkret könnte das bedeuten, wenn du derzeit lieber noch auf das Anweiden verzichtest bei fructanreichen und strukturarmen Gräsern oder wenn überhaupt nachmittags Anweidest! Feine Wiesenflächen auf jeden Fall meiden!
Wenn das Wetter stabil warm ist und das Gras höher gewachsen ist und mehr Struktur hat (Mai/Juni) (nachts über 8–10 °C), kannst du andere Fläche nach und nach einführen: Wenn der Wiesenaufwuchs reifer ist, das Gras strukturreicher, kannst du (bei gesunden Pferden) die Wiesenzeit langsam steigern – aber täglich beobachten.
Wichtig bei rehegefährdeten Pferden: Hufe auf mechanische Überlastung kontrollieren: Zu lange Zehen, Schnabel, zu hohe Trachten: Das alles sind Risiko-Faktoren! Kontaktiere den Hufbearbeiter Deines Vertrauens, um die Hufe VOR dem Anweiden in Balance zu bringen.
Immer Heu vor dem Weidegang füttern (kein leerer Magen!)
Bewegungsmanagement im Blick behalten – Weidezeit ersetzt keine Aktivität: Keine Aktivität = Ungesund für den Stoffwechsel!
Puls, Stellung, Gangbild checken
Keine Weide bei Frost-Sonne-Kombi – auch im Mai noch möglich!
Haben Dir diese Tipps geholfen? Hast Du noch mehr? Dann schreib Sie gerne in die Kommentare