04/12/2025
Wir sind die Krönung der Schöpfung, wandelnde Wunderwerke auf zwei Beinen, betrachten uns gerne als das pulsierende Zentrum des Kosmos. Ein egozentrisches Leuchtfeuer der Intelligenz, das stolz durch die Jahrtausende stolziert – stets überzeugt davon, dass sich alles, und zwar wirklich alles, gefälligst um uns zu drehen hat.
Mit majestätischer Arroganz beanspruchen wir den Titel des Weltschöpfers, obwohl wir nicht einmal einen funktionierenden Drucker wirklich in den Griff bekommen. Wir reden von Nachhaltigkeit, während wir Mikroplastik tonnenweise in die Meere kippen und Feinstaub inhalieren wie französisches Parfüm.
Dabei übersehen wir in unserer narzisstischen Arroganz einen kleinen, aber entscheidenden Fakt: Dieser Planet braucht uns nicht. Er hat uns nie gebraucht. Im Gegenteil – die Erde war vermutlich nie schöner als zu jener Zeit, als wir noch nicht auf ihr herumtrampelten und ihre äußerste Schicht in Schutt und Asche legten.
Dieser Stein – also unser Heimatplanet – empfindet nichts. Kein Bedauern, keine Entrüstung, nicht einmal etwas wie Irritation. Wenn wir ihn verpesten, verbrennen, verätzen oder mit Palmen aus Plastik dekorieren – es kratzt ihn nicht. Denn Stein ist nun mal Stein: unbeeindruckt, unbestechlich, uninteressiert. Wir leben lediglich wie Bakterien auf seiner Haut – und fühlen uns dennoch wie Götter. Glauben, dass unsere winzigen Leben irgendeine Bedeutung hätten. Würden wir heute verschwinden, gäbe es in 10.000 Jahren kaum noch etwas, das jemals an uns erinnert. Nichts mehr an das Individuum. Ein Wimpernschlag im kosmischen Spiel.
Und doch tun wir so, als müssten wir sie retten. Die Erde „beschützen“, heißt es dann in Talkshows – mit ernstem Blick. Aber in Wahrheit geht es nicht um die Erde. Es geht um uns. Um unsere fragile, empfindliche, extrem kurz haltbare Existenz auf diesem fliegenden Lavabrocken. Der Planet wird uns überleben – egal, was wir mit ihm machen. Unsere sogenannten „Errungenschaften“ – Plastikbesteck, Chatbots, SUVs und Vibratoren mit WLAN – werden es nicht.
Wenn wir also weiterhin der Meinung sind, dass wir dem Universum eine unverzichtbare Dienstleistung erbringen, dann bleibt nur zu sagen: ändern – oder verabschieden.
Gruß an meine Lesewesen.
Euer Tim.