02/02/2026
"Über viele Jahre galten Kampf und Flucht als die primären Reaktionen, wenn sich ein Tier in Angst oder Stress, dem Zustand des sympathischen Nervensystems befindet.
Doch in der Tellington-TTouch®-Methode wissen wir, dass Tiere mehr Möglichkeiten haben – zuerst 5, inzwischen 6 – mit Situationen umzugehen, in denen sie sich unsicher oder überfordert fühlen oder nicht verarbeiten können, was gerade geschieht.
In letzter Zeit ist es ermutigend zu sehen, dass immer mehr Trainer*innen das "Freeze" (Erstarren) als eine sehr häufige Stressreaktion sowohl bei Pferden erkennen und nicht mehr für Sturheit halten.
Das ist ein wichtiger Fortschritt.
Freeze ist subtil, leicht zu übersehen und wird oft missverstanden – und wir sprechen in der Tellington Methode bereits seit über 30 Jahren darüber.
Es gibt noch eine weitere Reaktion, von denen wir uns wünschen würden, das sie neu verstanden werden.
Sie sind möglicherweise sogar die häufigsten Strategien bei Tieren, die folgendermaßen beschrieben werden:
• gutmütig
• ruhig
• leise
• „bombensicher“
• „glücklich“
• verspielt
Eine Reaktion ist „Fool Around“ (Quatsch machen, Rumzappeln oder Herumfummeln.
Das sind die Pferde, die scharren, Maulaktiv sind oder aufdringlich werden.
Da diese Tiere weder aggressiv noch explosiv sind, wird ihr Verhalten oft als Langeweile, Verspieltheit oder mangelnde Erziehung interpretiert – statt als das, was es tatsächlich ist: ein Nervensystem, das nach Regulation sucht.
Wenn wir genervt reagieren – unsere Stimme erheben, korrigieren, schimpfen oder mehr Kraft einsetzen – sehen wir häufig, dass das Verhalten zunimmt.
Aus TTouch-Sicht ergibt das Sinn.
Die Bewältigungsstrategie des Tieres wurde nicht erkannt, und der zusätzliche Druck erhöht lediglich sein Stress- bzw. Besorgnislevel.
Bei einem Kurs erzählte mir eine Teilnehmerin, ihr junger Wallach würde beim Putzen und Satteln scharren, weil ihm „langweilig“ sei und er Geduld lernen müsse.
Ich stellte eine einzige Frage:
„Hört er auf zu scharren, wenn du mit dem Putzen oder Satteln aufhörst?“
Das tat er.
Als ich mich ihm mit einer flächigen TTouch-Körpererkundung vorstellte, begann er genau in dem Moment zu scharren, als meine Hand sich seinem Gurtbereich näherte.
Als ich zurückwich, hörte das Scharren auf.
Das war keine Langeweile, das war klare, höfliche Kommunikation.
Wenn ein Verhalten aufhört, sobald ein bestimmter Auslöser wegfällt, ist das ein ziemlich deutlicher Hinweis auf einen Zusammenhang.
Im TTouch achten wir sehr genau auf diese kleinen Veränderungen in Haltung, Bewegung, Atmung und Verhalten – denn sie geben uns wertvolle Informationen darüber, wie ein Tier den jeweiligen Moment erlebt.
Tiere, die „mitmachen, um keinen Ärger zu machen“, werden in ihrer Kommunikation oft übersehen, weil sie nicht gefährlich oder störend ist. Und doch sind es häufig genau diese Tiere, die gelernt haben, Stress still intern zu reduzieren – mit Bewältigungsstrategien wie Rumhampeln, statt Widerstand.
Wenn dein Tier das nächste Mal etwas „Nerviges“ tut, halte inne.
Werde langsamer.
Beobachte, ohne zu urteilen.
Frage dich, ob deine Interpretation auf Annahmen beruht oder auf Informationen.
Dein Tier ist vielleicht einfach nur aufgeregt – doch um das beurteilen zu können, braucht es Beobachtung, Kontext und weitere Hinweise. Nichts ist in Stein gemeißelt, aber offen dafür zu bleiben, Verhalten als Mitteilung zu sehen, kann deine Wahrnehmung grundlegend verändern.
Frage dich:
Was versucht mir das Nervensystem meines Tieres gerade mitzuteilen?
Manchmal ist es ganz einfach, eine andere Reaktion zu unterstützen, zum Beispiel durch:
• langsamer werden
• unsere Intention weicher machen und den Impuls zu reagieren bewusst unterbrechen
• eine Pause anbieten
• hörbar ausatmen
• oder einen Moment TTouch einbauen, um das Tier wieder ins Gleichgewicht zu bringen
In anderen Fällen ist dieses „Herumalbern“ ein Türöffner zu einem tieferliegenden körperlichen oder emotionalen Thema – und das Tier hat so höflich kommuniziert, wie es nur konnte.
Wenn wir den Fokus von Verhaltenskontrolle hin zum Zuhören über den Körper verlagern, verändert sich alles."
Mandy Pretty
Mehr dazu gibt es heute Abend im Zoom Meeting mit Linda Tellington-Jones & Robyn Hood. Den Link zum Meeting findest du in der Gruppe Triff Linda Tellington Jones online
Foto: chat gpd