29/01/2026
Was Pferdeosteopathie und Pferdephysiotherapie kann und auch nicht kann…
Beide Therapieformen sind heute fester Bestandteil in der gesundheitlichen Betreuung vieler Pferde. Das ist etwas Gutes und es tut auch sehr viel Gutes. Am erfolgreichsten ist aber eine Behandlung, wenn sie integriert ist in gesunde Pferdehaltung, art- und bedarfsgerechter Fütterung und pferdegerechtem Umgang und Training. Ich komme übrigens tatsächlich noch aus einer Pferdewelt, da gab es noch Anbindehaltung in Ständern! Zum Glück hat sich hier schon vieles positiv verändert.
Mir begegnen in meiner eigenen Praxis, wenn auch mit stark abnehmender Tendenz, ab und an aber doch Pferdebesitzer mit unrealistischen Erwartungen an die Arbeit von uns Therapeuten: Blockierungen sollen irgendwie „weggezaubert“ und die vorhandene Rittigkeitsprobleme schnell gelöst werden, um dann alles andere wie vorher zu belassen. Ich möchte diesen Umstand zum Anlass nehmen, um die Möglichkeiten und Grenzen von manueller Therapie hier mal für euch grob einzuordnen. Manuell = von griechisch manus - die Hand
Ziel jeder osteopathischen und physiotherapeutischen Therapie ist es im landläufigem Verständnis, Bewegung und Funktion zu verbessern bzw. wieder herzustellen und Schmerzen zu lindern. Dies passiert übrigens in grossem Maße in der Therapie auch durch das regulieren von nervalen Kreisläufen.
Durch manuelle Techniken und gezielte therapeutische Übungen werden zum Beispiel Bewegungseinschränkungen von Gelenken verbessert und Muskel- und Faszienspannungen ausgeglichen. Besonders bei funktionellen Dysbalancen – also bevor sich strukturelle Schäden (etwas ist verletzt, kaputt...) entwickeln – kann Therapie als ein Baustein des Puzzles Pferdegesundheit einen wertvollen Beitrag leisten.
Verspannungen und leichte Einschränkungen lassen sich so häufig positiv beeinflussen. Voraussetzung dafür ist jedoch immer, dass keine strukturelle Erkrankung die Ursache der Beschwerden ist.
In der Rehabilitation spielt die Therapie auch eine besondere Rolle. Nach Verletzungen, längeren Stehzeiten oder Operationen kann sie den gezielten Wiederaufbau von Muskulatur, Koordination und Belastbarkeit begleiten. Ein individuell angepasstes Bewegungskonzept, abgestimmt auf tierärztlichem Befund, Heilungsphase und Möglichkeiten des Stalles und des Pferdebesitzers ist dabei entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg.
Bei chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Arthrosen oder Erkrankungen der Atemwege ist eine begleitende manuelle Therapie neben anderen wichtigen Maßnahmen auch sehr unterstützend und hilfreich.
Ein weiterer Aspekt ist die präventive, also vorbeugende Arbeit. Regelmäßige therapeutische Kontrollen helfen, Probleme und Kompensationen frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, die Bewegungsqualität zu erhalten und Beschwerden gar nicht erst chronisch werden zu lassen.
Was kann Osteopathie und Physiotherapie nicht?
Ganz klar: Sie kann nicht ungünstige und das Pferd stressende Haltungsformen, fehlendes oder fehlerhaftes Training, reiterliche Defizite oder unpassende Ausrüstung ausgleichen. Es ist auch recht unabhängig davon, wie gut behandelt wurde und wie gut es dem Pferd getan hat. Nachhaltige Veränderungen entstehen vor allem dann, wenn für das Herden- und Bewegungstier Pferd die äusseren Umstände seines Lebens so gut wie möglich stimmig sind, die Fütterung gesund und angepasst ist, ein pferdegerechtes Training gegeben ist und auch die benutze Ausrüstung sinnvoll ist und passt.
Pferdeosteopathie und Physiotherapie sind also zunächst erstmal für sich allein gesehen keine Wunderheilung. Aber manchmal schon: Ich denke in diesem Moment an eine ältere Lewitzerstute, die plötzlich nicht mehr mit dem Kopf zum Fressen auf den Boden kam. Bei ihr war eine akute Blockierung in der unteren Halswirbelsäule der Grund und wir alle waren soooo froh und erleichtert als die Kleine wieder normal fressen konnte...