05/03/2026
Hast du jemals in einer Sackgasse deines Lebens gestanden, nicht vor und nicht zurück gewusst, dringend Hilfe benötigt, aber nicht danach gefragt, weil du niemandem zur Last fallen wolltest?
Dann ist das hier für dich.
In meiner Praxis als Therapeut habe ich es viel zu oft erlebt. Und obwohl ich schon jahrzehntelang in diesem Metier tätig bin, stimmt es mich immer noch traurig. Für mich persönlich ist das zwar ein schönes Zeichen dafür, keiner beruflichen Abstumpfung zu erliegen, für die Betroffenen aber ist es tragisch und auch höchst riskant, wenn sie aus falschem Stolz, Scham oder Angst vor Ablehnung nicht um Hilfe rufen, obwohl sie bis zum Hals in der Gülle stecken.
Da wird manchmal über Jahre hinweg geschwiegen, erduldet, gelitten, bis es zum psychischen Overload kommt oder es für Unterstützung tatsächlich zu spät ist, weil irreparable Schäden im Leben des betroffenen Menschen entstanden sind.
Woher kommt es, keine Hilfe annehmen zu können, obwohl man sie dringend bräuchte? Warum geht man lieber unter, als nach der Hand seines Nächsten zu greifen?
Lass uns gemeinsam aus tiefenpsychologischer Sicht einen Blick darauf werfen.
Obwohl wir gesellschaftlich darauf getrimmt sind, immer happy, gesund, schön, leistungsstark und erfolgreich zu wirken, weinen wir nachts heimlich in unsere Kopfkissen. Manchmal ist es der Weltschmerz, oftmals aber belasten uns eine Menge individueller Probleme. Wir wissen nicht weiter, fühlen uns überlastet und alleingelassen. Statt uns in solchen Lebensphasen Hilfe zu suchen, bemühen wir uns, alles selbst wieder ins Lot zu bringen. Wir glauben, das wäre stark.
Vor allem Männer sind geneigt, im Alleingang mit dem Schmerz in der Seele zur ringen. Tiefenpsychologisch gesehen gehört das zur archetypischen Heldenreise des Mannes. Weil echte Helden nicht weinen und ihre Wunden selbst nähen. Aber es kann zu großen persönlichen Nachteilen und bei manchen Männern sogar zum sozialen Untergang führen, keine Hilfe annehmen zu können. Dieses Nichtkönnen wird in der Regel als ein Nichtwollen von Hilfe oder dem Glauben, keine Hilfe zu brauchen, maskiert.
Aber auch Frauen, die sozial zunehmend genötigt werden wie Männer zu agieren, fressen Ku**er und dazu eine Menge Schokolade in sich hinein. Letzteres führt wahrscheinlich zu Übergewicht und langfristig zu Diabetes Typ 2. Ersteres ist weit gefährlicher, weil es in seelischem Tod endet, im emotionalen Absterben der Frau, im Verwelken ihrer weiblichen Urkraft. Die größte Angst einer jeden Frau, aus Sicht der Tiefenpsychologie, ist es, allein in der Welt sein zu müssen. Diese Angst hat evolutionsbiologische Wurzeln und wird durch die Unfähigkeit, Hilfe annehmen zu können, stark befeuert.
Doch für beide Geschlechter gilt: Der Mensch ist ein zutiefst soziales Wesen. Er ist seit Urzeiten im Verband mit anderen, weil wir nur so als Spezies überleben konnten. Egal, was die moderne Gesellschaft an ungesunden Narrativen auch bildet – es gibt im Leben immer wieder Phasen, in denen wir allein versagen würden.
Lass mich dir die fünf häufigsten psychologischen Kernaspekte zum Thema nennen:
Eins: Das Ablehnen von Hilfe kann eine Form der psychischen Abwehr darstellen, um sich vor Gefühlen von Schwäche, Abhängigkeit oder Verletzlichkeit zu schützen.
Zwei: Das zwanghafte Bedürfnis, alles allein bewältigen zu müssen, oft wurzelnd in frühen Erfahrungen, z. B. Vernachlässigung, zeigt sich als pathologische Unabhängigkeit mit toxischen Zügen für den Betroffenen.
Drei: Durch Verleugnung wird die Notwendigkeit von Hilfe nicht erkannt oder bewusst verweigert, um eine unangenehme Realität, z.B. eine Erkrankung, nicht wahrhaben zu müssen.
Vier: In schwereren Fällen, der sogenannten Anosognosie, die insbesondere bei bestimmten psychischen Erkrankungen auftritt, ist dies der Beweis für das Fehlen von Krankheitseinsicht, wodurch Hilfe als unnötig abgelehnt wird.
Fünf: Es liegt ganz allgemein ein gestörtes Hilfesuchverhalten durch Ausbleiben des Rufes nach Hilfe oder der Verweigerung der Annahme von Unterstützung vor.
In allen fünf Aspekten wäre eine psychische Analyse durch geeignete Fachkräfte ein enormer Zugewinn für den Betroffenen. Denn häufig liegt die Wurzel des Problems lange zurück. In der frühen Kindheit. Damals hat man erlebt, dass Gefühle der Hilflosigkeit nicht ausreichend validiert werden, dass Hilfe nicht kommt, wenn man danach ruft oder man zwar Hilfe erfährt, dafür aber geringgeschätzt oder gar bestraft wird. Sei dies durch Liebesentzug oder andere Formen der Züchtigung.
Forschungen beweisen, bei vielen Menschen, und man möge kaum glauben, wie hoch in diesem Fall die Zahlen sind, entstand das Dilemma noch früher: im Mutterleib, also pränatal, wenn die Mutter zum Beispiel die Schwangerschaft ablehnte oder als besonders belastend empfand. Oder bei der Geburt, wenn die Mutter durch Komplikationen oder physischer Überlastung stark dissoziiert war, wodurch es zum Bindungsabbruch zwischen Mutter und Kind kam. Oder in der frühen Zeit des Säuglings, den man schreiend in seinem Bettchen zurückgelassen hat, was in dem kleinen Menschen zur Todesangst führte. Da liegt bei vielen die Wurzel, von der sie heute gar keine Ahnung mehr haben, weil sie als unterbewusstes Trauma wirkt, das wahre Nähe und vitale Bindung untersagt, wodurch der Ruf nach Hilfe als vergebliches Unterfangen im Unterbewusstsein gespeichert bleibt. Jedenfalls bis der erwachsene Mensch erkennt, dass mit ihm etwas nicht stimmt und er das für ihn paradoxe unternimmt – um Hilfe rufen.
Aber Hilfe ist nicht gleich Hilfe. Kommt Hilfe von der falschen Stelle oder auf unbrauchbare Weise, weil entweder Mittel, Kompetenzen oder sogar beides fehlt, kann das noch tiefer in die Sackgasse, die Isolation und damit in die individuelle Tragödie treiben.
Solltest du also ein Mensch sein, der sich schwertut, Hilfe einzufordern, anzunehmen oder zu ertragen, könnte es mit größter Wahrscheinlichkeit sein, dass du bemerkst, dass deine zwischenmenschlichen Beziehungen niemals so tief, vital und dauerhaft waren, wie du es dir gewünscht hättest, was darauf zurückzuführen ist, dass du viel zu früh in deinem Leben mit Zurückweisung, Ablehnung oder emotionaler Abwesenheit deiner Bezugspersonen konfrontiert warst. Dein emotionalen und/oder physischen Bedürfnisse haben keine adäquate Validierung und Stillung erfahren. Deine Hilferufe blieben ungehört, ungestillt und damit nicht befriedigt. Das hat dein Unterbewusstsein gespeichert. Aus diesen Gründen ist Hilfe durch andere für dich undenkbar, ein Zeichen deiner Schwäche, ein Mangel deiner Perfektion oder für dich mit Scham behaftet.
Darum hängst du heute lieber einsam und strampelnd in der Luft, statt um Hilfe zu bitten. Darum quälst du dich allein mit den meisten Dingen ab. Darum hast du das Gefühl, es fiele dir ein Stein aus der Krone, würdest du um Hilfe rufen. Darum sind deine Bindungen nicht wirklich tief und innig. Darum leidest du oftmals unnötig im Stillen. Darum erzählst du der Welt, dass du stolz darauf bist, alles allein geschafft zu haben – was sich bei gesunder Selbstreflexion als unwahre narzisstische Überhöhung herausstellen würde, denn kein Mensch, es sei denn, er ist auf einer einsamen Insel gestrandet, hat alles allein geschafft –, ohne zu erkennen, dass das kein Zeichen von Stärke oder gar Intelligenz war, sondern ein Zeichen für soziales Unvermögen.
Ja, es ist einerseits stark, der Welt nicht zur Last zu fallen, indem man seine Dinge selbst regelt. Aber es ist andererseits weiser, sich Hilfe zu holen, bevor man kaputtgeht. Denn wir können uns in Lebenskrisen oftmals nicht selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen. Darum ist es keine Schande, sich helfen zu lassen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, um Hilfe zu bitten, sondern ein Beweis für Weisheit, vor allem aber für Menschlichkeit.
Schäme dich niemals dafür, ein Mensch zu sein, weil du gelegentlich nicht weiterweißt. Bitte um helfende Hand. Nimm diese Hand an. Denn nur gemeinsam ist man wirklich stark. Wir wären als Spezies längst ausgestorben, hätten wir über die Evolution hinweg nicht gelernt, als Gemeinschaft zu agieren, in der man einander gegenseitig hilft.
Schau dir wirklich erfolgreiche, glückliche Menschen ganz genau an. Erfüllen sie das Stereotyp des Helden oder der Heldin, mit der Zigarette lässig im Mundwinkel, einsam in den Kampf ziehend und dabei sehr schnell sterbend? Oder sind es Menschen, die um Hilfe bitten und diese auch annehmen können, weil sie gelernt haben, Aufgaben zu teilen oder abzugeben, zu delegieren, zu netzwerken und mit anderen im Team zu spielen?
Wie wäre dein Leben, wenn du deine inneren Grenzen überwindest, die unsichtbaren Fesseln und Widerstände sprengen und das tun würdest, was du noch nie getan hast? Wärst du an dem Punkt, an dem du dich jetzt gerade befindest? Oder wärst du da, wohin du dich in deinen heimlichsten Momenten gesehnt hast?
In Liebe,
David Pauswek
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