10/06/2023
Tennisspieler Alexander Zverev hat das Finale der French Open zwar verpasst – gewonnen hat er trotzdem! Für seinen starken Auftritt als Diabetiker im Streit darüber, wie und wo er sich Insulin spritzen darf. Das Posting der Woche von SWR3-Redakteurin Caro Knape geht deshalb an Alexander – genannt Sascha Zverev.
📍 „Lieber Sascha,
eine klare Regelung, keine Diskussionen und kein Hick Hack mehr – das hast du diese Woche bei den French Open gefordert im Umgang mit deiner Diabetes-Erkrankung. Damit hast du ein Zeichen gesetzt! Für die Menschen, die mit Diabetes Typ 1 leben müssen – allein in Deutschland sind das rund 340.000 – aber auch für alle drum herum.
Bei einem professionellen Tennismatch kontrollierst du alle 30 bis 60 Minuten deinen Blutzuckerspiegel. Und je nachdem wie der ausfällt, spritzt du dementsprechend viel Insulin. Das dauert nur ein paar Sekunden. In Paris hieß es aber: Es würde komisch aussehen, wenn du das auf dem Platz machen würdest. Aber öfter als zwei Mal dürftest du den Platz auch nicht verlassen. Das würde als Toilettenpause zählen und davon haben Spieler nur zwei pro Match. Das kann ja wohl nicht sein, hast du geantwortet. Das würde ja heißen, dass – Zitat – ‚eine gewisse Sache nicht erlaubt sei‘, die für dich überlebenswichtig ist. Kurz danach hat der französische Tennisverband es dann doch erlaubt.
Du hast uns erzählt, du bist Diabetiker seitdem du 4 bist. Du kennst es also nicht anders und doch hast du deine Krankheit bis letzten Sommer geheim gehalten. Weil du befürchtet hast, dass sich deine Gegner dann stärker fühlen. Und weil du dich lange nicht wohlgefühlt hast. In der Schule haben sich die anderen Kinder über die Geräte lustig gemacht. Zahlreiche Ärzte haben gesagt, dass man mit Diabetes im Leistungssport keine Chance habe.
Für mich bist du ohnehin der Gewinner von Paris, weil du den Insulin-Zoff im Hintergrund öffentlich gemacht hast. Es ist nicht peinlich, du machst nichts Verbotenes, sondern tust das Notwendige, um gesund zu bleiben. Und du zeigst gerade Jüngeren, Kindern, die vielleicht in diesem Moment dieselbe Diagnose erhalten wie du, dass ihnen niemand und nichts ihre Träume nehmen kann. Dafür danke.
Herzlich, Caro Knape“ 📍