17/02/2026
Wenn Angehörige ‚nicht loslassen können‘ – wie begleiten wir das?
In der Begleitung erleben wir es immer wieder: Der sterbende Mensch wirkt innerlich bereit – ruhiger, zurückgezogener, vielleicht schon sehr bei sich. Und daneben stehen An- und Zugehörige, die festhalten. Die kämpfen. Die noch etwas brauchen. Ein Gespräch. Ein Zeichen. Ein Wunder.
„Er darf noch nicht gehen.“
„Sie muss doch noch durchhalten.“
„Wir sind noch nicht so weit.“
Manchmal wird dann schnell vom „Nicht-loslassen-können“ gesprochen. Doch ich frage mich immer wieder: Geht es wirklich ums Loslassen – oder geht es um Angst? Um Schuld? Um Unerledigtes? Um die schlichte Überforderung, einen geliebten Menschen gehen zu sehen?
Für mich beginnt Begleitung hier mit Verstehen statt Bewerten. An-und Zugehörige brauchen oft genauso viel Halt wie die Sterbenden selbst. Vielleicht sogar mehr, weil sie bleiben müssen. Vielleicht kämpfen sie nicht gegen den Tod – sondern gegen ihre eigene Ohnmacht.
Hilfreich erlebe ich es, Raum zu geben:
Was macht Ihnen gerade am meisten Angst?
Gibt es noch etwas, das unbedingt gesagt werden sollte?
Was würde Ihrem Herzen helfen, ein Stück Frieden zu finden?
Manchmal verändert sich etwas, wenn ausgesprochen werden darf, was bindet. Und manchmal bleibt das Festhalten – und auch das darf sein. Nicht jeder Abschied ist leise und friedlich. Nicht jeder Mensch kann sofort „Ja“ sagen.
Ich glaube, unsere Aufgabe ist nicht, das Loslassen zu beschleunigen. Sondern Sicherheit zu geben. Da zu sein. Zu erklären, was im Sterbeprozess geschieht. Zu vermitteln, dass Liebe nicht endet, wenn ein Körper geht.
Mich würde sehr interessieren:
Wie erlebt ihr solche Situationen?
Habt ihr Worte oder Haltungen, die euch helfen?
Was hat sich in eurer Begleitung bewährt?