01/03/2026
Weibliche Singvögel tragen während der Brutzeit enorme Kalziummengen ab – weit mehr, als ihr Körper allein bereitstellen kann.
Eine Blaumeise wiegt etwa 11 Gramm und legt täglich ein Ei von fast einem Gramm – rund 10 % ihres eigenen Körpergewichts. Über 6–8 Tage zieht sie Kalzium direkt aus ihren Knochen, um die Eischalen zu bauen. Eine Amselin legt 4–6 Eier in ebenso vielen Tagen. Pro Ei werden 2–3 Gramm Kalziumkarbonat benötigt – insgesamt 10–15 Gramm, die aus Skelett, Nahrung und jeder verfügbaren Kalziumquelle stammen müssen.
Die Eierschalenstation – so geht es:
Materialien:
→ Eierschalen aus der Küche (Hühnereier, eine Woche lang sammeln)
→ Backofen
→ Futtertisch, flacher Teller oder eine erhöhte, ebene Fläche in Gartennähe
Schritt für Schritt:
→ Schritt 1: Eierschalen sammeln. Nicht auswaschen – etwas anhaftendes Eiweiß ist kein Problem.
→ Schritt 2: Auf einem Backblech verteilen und bei 120 °C 20 Minuten backen. Tötet Salmonellenbakterien ab – ein notwendiger Schritt. Rohe Schalen in der Nähe eines Futterplatzes können Krankheiten übertragen.
→ Schritt 3: Zu kleinen Stücken zerdrücken – Reiskorn- bis Erbsengröße. Kein Pulver (zu fein zum Aufpicken). Keine großen Hälften (zu groß zum Schlucken).
→ Schritt 4: In einem flachen Teller separat vom Vogelfutter anbieten. Manche Vögel nehmen Kalk, aber kein Saatgut.
→ Schritt 5: Wöchentlich nachfüllen, von März bis Juli.
Zur Biologie: Eine Eischale besteht zu 95 % aus Kalziumkarbonat – demselben Mineral, das Weibchen für den Aufbau jedes neuen Eis benötigen. Weibchen laden sich in den 2–3 Wochen vor der ersten Eiablage aktiv mit Kalzium auf: Sie fressen Schneckenhäuser, Kalkgries und Mörtel von alten Mauern. Wo die Kalkstation angeboten wird, nehmen sie auch zerkleinerte Eierschalen.
Saurer Regen hat den Kalziumgehalt in deutschen Waldböden seit den 1970er Jahren erheblich verringert. Vögel finden in vielen Regionen heute deutlich weniger natürliches Kalzium als frühere Generationen. Die Eierschalenstation schließt eine Lücke, die es vor fünfzig Jahren nicht gab.
Wer die Station besucht:
→ Blaumeise und Kohlmeise: Erste Besucher. Holen einzelne Stücke und fliegen damit auf einen Ast zum Fressen.
→ Amseln: Fressen größere Stücke direkt aus dem Teller.
→ Kleiber: Sucht aktiv nach Kalziumquellen vor dem ersten Gelege.
→ Rauchschwalben: Besuchen die Station zwischen den Schlammflügen für das Nest.
→ Buchfinken, Haussperlinge, Gimpel: Regelmäßige Nutzer während der gesamten Brutzeit.
Zeitraum:
→ Jetzt beginnen. Weibchen laden sich 2–3 Wochen vor dem ersten Ei mit Kalzium auf.
→ Erste Amselgelege: Ende März bis Anfang April.
→ Erste Blaumeiseneier: Ende April.
→ Hochbetrieb: April–Mai, wenn die meisten Arten gleichzeitig legen.
→ Bis Juli weiterführen – viele Arten haben zwei oder drei Bruten.
Tipp: Austernschalenschrot aus dem Zoofachhandel (ca. 2–5 € für 1 kg) ist eine langlebige Alternative – kein Backen nötig, liegt schwerer und wird nicht vom Wind verweht.
🥚 12 Eierschalen pro Woche aus der Küche. Gebacken. Zerkleinert. Angeboten.
Der Unterschied zwischen 5 gesunden Eiern im Nest und 3 gebrochenen. 🐦🌿