18/01/2026
Oft ist es so, dass Kinder vieles von uns Erwachsenen übernehmen, ohne es zu wollen oder bewusst zu entscheiden. Sie tragen Gefühle, Haltungen oder Muster, die eigentlich gar nicht zu ihnen gehören. Ganz häufig steckt dahinter etwas Familiensystemisches – Verstrickungen, unausgesprochene Themen oder alte Dynamiken, die im System weiterwirken.
Um darin einen Einblick zu bekommen, liebe ich es, mit Kindern eine Familienaufstellung zu machen. Diese Form der Arbeit ist für Kinder besonders wertvoll, weil sie nicht auf „doofe“ oder erklärende Fragen antworten müssen. Stattdessen dürfen sie einfach erzählen, fühlen und beschreiben, was sie mit einer Figur oder einem Symbol verbinden. Sie kommen ganz natürlich in ihren eigenen Ausdruck, ohne Druck, ohne richtig oder falsch.
Kinder haben oft ein feines Gespür für das, was im Familiensystem wirkt. In der Aufstellung zeigen sich Dinge, die sie vielleicht noch nie in Worte fassen konnten – Loyalitäten, Belastungen, Rollen oder Verantwortungen, die sie unbewusst übernommen haben. Durch die Figuren wird das Unsichtbare sichtbar, und das Kind darf erleben: Ich sehe das, aber ich muss es nicht tragen.
Für mich liegt darin eine große Kraft. Die Aufstellung schafft einen geschützten Raum, in dem Kinder sich ernst genommen fühlen und ihre innere Wahrheit zeigen dürfen. Gleichzeitig entsteht Entlastung, wenn klar wird, was zum Kind gehört – und was nicht. Oft reicht dieses Gesehenwerden schon aus, um Bewegung und Veränderung ins System zu bringen.
Diese Arbeit ist sanft, respektvoll und tiefgehend. Sie vertraut darauf, dass Kinder genau wissen, was sie zeigen wollen, wenn man ihnen den Raum dafür gibt.