21/12/2025
Als ich 10 Jahre alt war, stand ich vor der Entscheidung Gymnasium oder Hauptschule.
Meine VS-Lehrerin meinte, ich hätte das Zeug fürs Gymnasium. Für meine beste Freundin stand das Gymnasium fest.
Meine Mutter ließ mir die Entscheidung völlig frei. Sie glaubte an mich, doch sie machte mir klar, dass ich im Gymnasium völlig auf mich gestellt sein würde. Sie könnte mir im Gymnasium mit dem Stoff nicht helfen - und auch Nachhilfe war aus finanziellen Gründen schwierig. Mein Vater kümmerte sich eigentlich nicht um solche Themen. Meine Oma, kann ich mich erinnern, begegnete mir bei dieser Entscheidung mit Stolz, dass ich überhaupt vor dieser Entscheidung stehe und Respekt, was diese Entscheidung für mich bedeuten könnte. Von all meinen sechs älteren Geschwistern wäre ich die erste, die ins Gymnasium gehen würde.
Ich wusste nicht, was mich im Gym erwarten würde (ausser früher aufstehen und später nach Hause kommen, verglichen mit der HS). Ich wusste auch nicht, was mich in der HS erwarten würde, denn selbst mit den schon etwas vertrauteren Geschichten von dort, weiß man ja trotzdem nie, was man selber erleben wird, oder nicht?
Ich entschied mich für die Freundschaft mit meiner besten Freundin, für mein Potenzial als Lernende, meine Neugierde und das Abenteuer namens Leben.
Und boom - die erste Schularbeit im Gym (Englisch) war ein Genügend oder Nicht Genügend. (Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr genau - jedenfalls war es ein Schock!) Und gerade Englisch war so ein Fach, in dem ich definitiv keine Hilfe von zu Hause erwarten konnte. Nicht weil mir niemand helfen wollte, sondern, weil niemand je Englisch gelernt hatte. (Meine älteren Geschwister waren zu dem Zeitpunkt schon fast alle ausser Haus.) Und - zu unser aller Erinnerung: das war in den 80er Jahren, also lange vor dem Internet!
Schock führt zu Trauma, wenn er nicht verstoffwechselt wird.
Wenn nicht darüber gesprochen wird, wenn der Schmerz dahinter nicht gefühlt und anerkannt und bewegt und integriert wird.
All das machte ich nicht, weil es ja von Anfang klar war, dass ich auf mich gestellt sein würde, wenn Schwierigkeiten kommen. Meine Mutter war ihr Leben lang überfordert und ihr Nervensystem war wahrscheinlich permanent dysreguliert und - obwohl sie nach Lösungen und Hilfe und Auswegen suchte - war ihr Leben gezeichnet von Depression und Schwere. Also machte ich im Prinzip genau das, was auch sie machte: ich versuchte damit klar zu kommen, ohne wirklich darüber zu reden. Ich war "stark", unterdrückte meine Gefühle und lebte den Überlebenskampf, den mir mein Nervensystem vorgab.
Ich kämpfte also.
* In Englisch,
* als Klassensprecherin für meine MitschülerInnen, wenn es unfaire, hierarchische Machtausübungen von Seiten mancher Lehrer gab,
* in Geschichte, wo einer der autoritärsten Lehrer sein Machtspiel mit mir demonstrativ für alle anderen spielte, genau deshalb,
* in Physik (ich verstand ab einem gewissen Punkt kein Wort),
* in Turnen, wo meine Kampfbereitschaft und Leistung unerreicht war und alle mich gleich als erstes in ihr Team wählten, weil es einfach anscheinend verdammt weh tat, wann man meine Bälle abbekam, und finally
* in Latein.
Ich überlebte.
Obwohl ich letztlich den Kampf in Latein verlor:
Nicht Genügend in der 4. Klasse.
Ich überlebte aus einem Grund:
Mein Zeichenlehrer.
Bei ihm waren die einzigen Stunden, in denen ich Aufatmen durfte. Wo sich mein Nervensystem tatsächlich regulierte und sich in den Kreativmodus entspannte.
Warum?
Er hatte keinen Leistungsanspruch.
Er gab uns Werkzeuge und eröffnete uns Räume und Möglichkeiten.
Er hatte keine Erwartung, was dabei raus kam.
Er weckte unsere Neugierde, unsere Kreativität und bestärkte unseren individuellen Ausdruck. Egal, was dabei raus kam, er würdigte alles mit einem Sehr gut oder Gut.
Auf Grund all dieser Erfahrungen wechselte ich nach der 4. Klasse in ein Oberstufen Gym mit bildnerischem Schwerpunkt, in dem mein 5er in Latein keine Rolle spielte, weil für die Aufnahme keine 2. Fremdsprache gefordert war.
Ich verlor den Machtkampf.
Doch verlor ich keine Zeit oder eine Klasse.
Ich maturierte mit 17.
Mit einem Genügend in Englisch.
Doch nur wenige Jahre später lebte ich im Ausland und mein Alltag war geprägt von Englisch. Und zwar so sehr, dass ich begann auf Englisch zu träumen. Englisch war die Sprache, in der ich Emotionen lernte. Ich lernte mich aus meiner Tiefe auszudrücken, meine Wahrheit zu sprechen. Seither liebe ich Englisch. Auch wenn es mehr als ein Jahrzehnt dauerte, dass ich es zu lieben begann.
Wenn ich heute auf meine Lebenslauf blicke, dann ist der Großteil meiner beruflichen Tätigkeiten, geprägt von dem Umfeld der Kunst und Kultur und zwar meist in einem internationalen Kontext.
Danke, lieber Prof. Pratsch!
Gott hab Sie seelig!
Warum ich das erzähle?
Weil unser Leben nicht linear verläuft.
Zumindest nicht so, dass wir es während dessen als linear wahrnehmen würden. Wir sehen die Hürden, die Herausforderungen, die Niederlagen. Wir sehen nicht, was aus den Hürden, Herausforderungen und Niederlagen entsteht. Wer wir dadurch werden. Welche Fähigkeiten wir daraus entwickeln. Dass diese Hürden, Herausforderungen und Niederlagen stepping stones sind in neue Versionen unser Selbst, in Erfolg, Freude und Zufriedenheit.
Hätte ich diese Erfahrungen nicht gemacht, würde ich womöglich immer noch glauben, dass Lernen das ist, was in der Schule passiert. Ich hätte nicht erkannt, dass das Leben ein viel größeres Konzept von Lernen bereit hält. Dass das echte Lernen die Entwicklung unseres Selbst, unsere individuelle Evolution, und das damit verbundene Erkennen von uns Selbst, die Lebensaufgabe an sich ist.
Hätte ich all diese Erfahrungen nicht gemacht, wäre womöglich mein Sohn ganz normal durchs Schulsystem gewandert und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hätte ich dann meinen Überlebenskampf in meinem Nervensystem neu gestartet, weil ich mich wieder aufs Neue ohnmächtig und ausgeliefert gefühlt hätte. Meine Wahrheit führte mich zu einem neuen Weg.
Und natürlich ist mein Nervensystem trotzdem immer wieder herausgefordert, doch mittlerweile habe ich gelernt, was es braucht, einerseits mein Nervensystem zu regulieren, und andererseits mich in meiner Kraft so zu stärken, dass ich mich auch unabhängig des Zustandes meines Nervensystems immer besser bewusst lenken kann.
Und natürlich ist auch mein Sohn den Herausforderungen des Lebens ausgesetzt. Auch er hat natürlich seine Aufgaben im Sinne von Entwicklung und Evolution. Doch, was ich so sehe mit seinen 16 Jahren, lässt mich stolz und zuversichtlich sein, dass die Basis schon Mal ganz gut stimmt.
Ich werde in der nächsten Zeit immer wieder solche Geschichten aus meinem Leben teilen, wo eine langjährige vorerst unerwartete Entwicklung statt gefunden hat, weil ich dich dazu inspirieren möchte, auch bei dir zu erkennen, wie sehr all deine Erfahrungen dir immer dienen, dir immer mehr und mehr zeigen, wer du bist, du immer und immer echte Stärke daraus ziehen kannst und du vor allem auch immer die Möglichkeit hast, diese EINE Person für jemand anders zu sein, die einen lebensverändernden Unterschied macht, egal ob du es weisst oder nicht.
Ich wünsche dir noch besinnliche (Vor)Weihnachten!
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