19/12/2025
Digitalisierung der Psychotherapie in Österreich: Chancen nutzen, Qualität sichern
Die Digitalisierung verändert auch die Psychotherapie – allerdings langsamer und vorsichtiger als andere Bereiche des Gesundheitswesens. Mit dem neuen Psychotherapiegesetz 2024 und der seit Juli 2025 geltenden Richtlinie Online Psychotherapie wurden in Österreich erstmals klare rechtliche Grundlagen für videobasierte und audiobasierte Psychotherapie geschaffen.
Doch viele Fragen bleiben offen.
In einem aktuellen Positionspapier zur Digitalisierung in der Psychotherapie in Österreich analysieren wir, welche digitalen Formate bereits sinnvoll eingesetzt werden können – und wo es klare Grenzen, Risiken und Regelungsbedarfe gibt.
Digitalisierung kann die psychotherapeutische Versorgung ergänzen und verbessern, aber nicht ersetzen. Online-Psychotherapie, digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und KI-gestützte Systeme bieten Chancen für besseren Zugang, mehr Flexibilität und neue Ausbildungsformate. Gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an Datenschutz, Qualitätssicherung und die therapeutische Beziehung.
Besonders deutlich wird der Bedarf an verbindlichen Qualitäts- und Zertifizierungsprozessen für digitale Anwendungen, einer klaren Abgrenzung zwischen Psychotherapie, Beratung, Selbsthilfe und KI-basierten Tools, sowie der systematischen Verankerung digitaler Kompetenzen in Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Ein zentrales Anliegen des Positionspapiers ist die berufspolitische Perspektive:
Ohne aktive Einbindung von Psychotherapeut:innen besteht die Gefahr, dass digitale Angebote an psychotherapeutischen Standards vorbeientwickelt werden – mit Risiken für Patient:innen und den Berufsstand selbst.
Die Digitalisierung der Psychotherapie braucht daher keinen Technikoptimismus, sondern fachliche Steuerung, rechtliche Klarheit und professionelles Mitgestalten. Nur so können digitale Formate dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen und die Qualität psychotherapeutischer Arbeit langfristig zu sichern.
Der vollständige Artikel ist frei zugänglich im e-beratungsjournal:
https://doi.org/10.48341/vc6a-5c75