26/12/2025
Ein paar Gedanken zum Nachahmen & Nachdenken: Dank an Sabine Prager fürs Teilen
Kennst du das Märchen vom Laden der magischen Geschenke ?
Nein ?
Dann erzähle ich sie Dir heute:
Es ist einer dieser Abende, an denen der Schnee unter den Schuhen leise knirscht und die Luft so riecht, als könnte jeden Moment ein neuer Zauber beginnen. Aus den Häusern dringt warmes Licht, irgendwo duftet es nach Vanille, Zimt und frisch gebackenen Plätzchen. Die Welt hält kurz den Atem an.
Genau an so einem Abend läuft Peter, zwölf Jahre alt, durch eine kleine Gasse. Die Hände tief in den Jackentaschen vergraben, der Schal etwas zu locker gebunden. Er ist unterwegs, um ein Geschenk zu besorgen, etwas Besonderes soll es sein.
Er denkt an seine Mama. Daran, wie sie in letzter Zeit oft müde war. Daran, wie sehr er sie zum Lächeln bringen möchte. Und daran, wie schön es wäre, wenn sie sich wieder leichter fühlen würde und wieder fröhlicher ist.
Irgendetwas aus einem großen Laden hätte er schnell gefunden. Aber irgendwie weiß er, dass es diesmal besonders sein darf.
Er liegt ein wenig zurückgesetzt, im Schaufenster brennt warmes Licht. Überall glitzert es weihnachtlich, als wären Weihnachtselfen am Werke gewesen. Über der Tür hängt eine alte Glocke, die aussieht, als hätte sie schon tausend besondere Momente angekündigt.
Als Peter die Tür öffnet, klingelt sie mit einem hellen Ton.
Drinnen ist es warm. Die Luft riecht nach Holz, nach Orangen, nach Plätzchen, die gerade erst aus dem Ofen gekommen sein könnten. Überall stehen Regale und kleine Tische, darauf liegen Päckchen in allen erdenklichen Größen. Manche sind in braunes Papier gewickelt, andere in weichen Stoff gehüllt. Nichts wirkt perfekt verpackt. Und doch hat jedes einzelne etwas an sich, das den Blick festhält und eine ganz eigene Energie ausstrahlt.
Peter tritt näher. Als er eines der Päckchen in die Hand nimmt, spürt er ein leichtes Kribbeln. Kein schweres Gewicht, eher ein Gefühl von Wärme, als würde darin etwas liegen, das gut tut und stärkt.
Neben den Päckchen hängt ein Schild. In schöner, geschwungener Schrift steht dort:
Hier gibt es die wahren Geschenke des Lebens.
Freude. Mut. Hoffnung. Freundschaft. Liebe.
Peter liest die Worte mehrmals. Dann schaut er sich um, sucht nach einer Preisliste, nach einer Kasse, nach irgendeiner Erklärung. Schließlich entdeckt er hinter dem Tresen eine ältere Frau mit einem Lächeln, das so warm ist wie der Raum selbst. Ihre Augen funkeln, als wüsste sie längst, warum er hier ist.
„Entschuldigung“, fragt Peter zögernd, „was kostet das ?“
Die Frau legt den Kopf ein wenig schief. „Hier bezahlt man nicht mit Geld“, sagt sie und es klingt fast wie ein Geheimnis.
Peter runzelt die Stirn. „Wie denn dann ?“
Sie kommt langsam hinter dem Tresen hervor, als hätte sie alle Zeit der Welt. „Sag mir, wen möchtest du beschenken ?“
„Meine Mama“, antwortet Peter leise. „Sie ist in letzter Zeit so müde. Ich möchte, dass sie wieder lacht. So richtig lacht, wie früher. Und dass es ihr einfach wieder gut geht.“
Die Frau nickt langsam und schaut ihn aufmerksam an. „Und was glaubst du, braucht sie am meisten ?“
Peter denkt nach. Erst will er sagen „Ruhe“ oder „Urlaub“, aber dann merkt er, dass es etwas anderes ist.
„Dass sie spürt, dass sie nicht allein ist“, sagt er schließlich. „Dass jemand sie sieht. Und dass sie wieder Kraft bekommt.“
Ein Lächeln huscht über das Gesicht der Frau. „Dann hast du bereits verstanden, wie man hier bezahlt“, sagt sie sanft.
„Mit dem, was du weitergibst. Mit einem ehrlichen Lächeln. Mit Zeit. Mit einem guten Wort. Mit Aufmerksamkeit. Mit etwas, das von Herzen kommt und jemand anderem guttut.“
„Aber … ich habe doch noch gar nichts getan“, sagt Peter verwirrt.
„Hast du nicht ?“, fragt sie. „Du bist losgegangen, um deine Mama glücklich zu machen. Du hast dir Gedanken gemacht, was sie wirklich braucht. Du hast zugehört, nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. Das ist bereits ein Geschenk. Und oft beginnt genau so H💜ilung.“
Sie deutet auf die Päckchen. „Was du hier mitnimmst, ist nur ein Anfang. Es wird größer, je mehr du es teilst. Freude verdoppelt sich, wenn man sie weitergibt. Hoffnung wächst, wenn man sie in andere pflanzt. Und Liebe … Liebe hat die Eigenschaft, dass sie nie weniger wird, egal wie viel man davon verschenkt.“
Peter versteht nicht alles, was sie sagt. Aber er spürt, dass es wichtig ist. Dass es wahr ist.
„Und wenn ich nicht genug habe ?“, flüstert er. „Zum Weitergeben ?“
Die Frau legt ihm sanft die Hand auf die Schulter. „Du hast bereits mehr, als du denkst. Jeder hat es. Manchmal muss man nur daran erinnert werden.“
Er greift nach einem Päckchen, das in weiches, cremefarbenes Tuch gewickelt ist. Es fühlt sich an wie eine kostbare Umarmung.
Später, als er das Geschenk überreicht, passiert etwas Besonderes.
Die Augen seiner Mama leuchten. Sie lacht, so richtig, von Herzen. Sie nimmt ihn in den Arm, und in diesem Moment merkt Peter, wie sich etwas entspannt. Als würde wieder mehr Wärme, mehr Leben durch sie fließen.
Freude fühlt sich größer an, wenn man sie teilt.
Hoffnung wird heller, wenn man sie weitergibt.
Und Liebe findet ihren Weg von einem Herzen zum nächsten, ganz von selbst.
Peter erzählt von dem Laden. Erst seinen Freunden. Dann deren Familien. Die Geschichte wandert von Tür zu Tür, von Herz zu Herz. Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg in die kleine Gasse. Sie bleiben stehen, reden miteinander, helfen sich, hören zu. Und ohne dass es jemand geplant hätte, verändert sich das Dorf. Es wird zu einer richtigen Gemeinschaft, in der sich jeder willkommen fühlt.
Vielleicht ist genau das auch heute eines der schönsten Geschenke: ein Umfeld, in dem man wachsen darf.
Menschen, die sich gegenseitig unterstützen. Eine Gemeinschaft, in der Freude, Hoffnung, Energie und Liebe geteilt werden – und in der H💜ilung ganz leise ihren Platz findet.
Denn was wirklich zählt, lässt sich nicht kaufen. Es entsteht dort, wo Menschen sich begegnen, einander sehen und sich gegenseitig stärken.
Danke, dass *DU* Teil davon bist.