15/02/2026
Blog 103 Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
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Alle Arten von Wissen sind wichtig, erklärte ich neulich einer Klientin.* Wir brauchen das Wahrnehmen, das Fühlen und die Imagination genauso wie das Denken. Ihr war sehr wohl bewusst, dass ihr etwas fehlen würde, wenn sie die Welt um sich herum nicht mehr wahrnehmen, die Vögel nicht hören und das Blau des Himmels nicht sehen, den Winterwind nicht spüren oder den Frühling nicht riechen könnte. Sie konnte auch verstehen, dass die Fähigkeit zu fühlen – sich traurig, wütend, glücklich, verliebt, wohl oder unwohl zu fühlen – wichtig ist für ein erfülltes und gesundes Leben. Aber bei der Imagination, bei den inneren Bildern, hatte sie Bedenken, ob diese wirklich ebenso wichtig sind. Sie meinte, dass dieser Kanal für sie keine Rolle spiele. Doch dann erinnerte sie sich daran, dass sie als Kind eine ausgeprägte Träumerin gewesen war, was auch ihre Lehrpersonen immer wieder bestätigt hatten. Ich sagte ihr, dass die Frage, wann dieses Träumen aufgehört hatte, genauso interessant sein könnte wie die Frage, wann und warum jemand damit aufgehört hatte, seine Umgebung, die Schönheit von glitzernden Regentropfen, den Duft von Schnee in der Luft oder auch einfach die Menschen um sich herum wahrzunehmen. Natürlich ist es wichtig, sich zu fragen, wann und warum jemand aufgehört hat, wirklich zu fühlen oder selbständig zu denken. Das war ihr klar. Aber diese inneren Bilder – waren die wirklich ebenso wichtig? Ich lud sie ein, einfach mal offen dafür zu sein, dass auch der Verlust der Imagination ein wichtiger Punkt in ihrem Leben sein könnte. Diese Offenheit nahmen wir mit in die Sitzung.
Wir arbeiteten mit der Rosenmethode, einer psychosomatischen Körperarbeit, entwickelt von der Physiotherapeutin Marion Rosen. Meine Klientin konnte wahrnehmen, dass ihr Körper von der Liege getragen wurde. Sie spürte die Berührung meiner Hände, die Wärme in ihrem Körper und ihre Unruhe. Ich lud sie ein, noch ein bisschen tiefer zu gehen, indem ich sie fragte, ob sich mit dieser körperlichen Unruhe auch ein Gefühl zeige. Zuerst war da kein Gefühl. Nur Körperwahrnehmungen, Wärme, Unruhe, Spannungen und ein paar Gedanken. Meine Berührungen halfen ihr, den Fokus vom Denken auf das Spüren zu lenken. Langsam wurde es stiller in ihr. Ein tiefer Atemzug zeigte, dass sie sich noch tiefer entspannte, und plötzlich war es da: ein Bild, klar und deutlich vor ihrem inneren Auge. Tränen flossen. Diese grossen, dankbaren Tränen, wenn etwas Liebgewonnenes, Verlorengegangenes und in Vergessenheit Geratenes endlich wiedergefunden wird. Nach all den Jahren war er wieder da, als wäre er nie weg gewesen. Lebendig und stark. Tief verwurzelt und die Arme weit in den Himmel gehoben. Der Märchenbaum ihrer Kindheit. «Wenn ich ihn sehe, weiss ich sofort wieder, wie sich dieses ganz tiefe Vertrauen in mich selbst und in das Leben anfühlt. Urvertrauen», sagte die Klientin tief berührt. Und dann erinnerte sie sich, dass ihr als Kind einmal jemand gesagt hatte, dass man Bäume nicht so malt, wie sie ihren Märchenbaum gemalt hatte. Von da an war er verschwunden – und mit ihm ihr Vertrauen in ihre ganz eigene Art, die Welt zu sehen und in ihr zu sein. Ganzer Blogbeitrag hier 👉 https://milena.earth/ein-bild-sagt-mehr-als-tausend-worte/