03/03/2026
Was bleibt …
Was bleibt, wenn ein Lebenskreis sich geschlossen hat? Diese Frage stellt sich mir als Trauerrednerin immer wieder.
Was bleibt? Was zählt wirklich?
Es ist nicht das Haus. Nicht der Titel. Nicht unsere Leistungen oder die To-do-Listen, die wir perfekt abgearbeitet haben. Was bleibt, sind unsere Beziehungen. Es ist die Liebe und die Verbindungen auf tiefster Ebene:
Es sind die gemeinsamen Abende. Die Gespräche, die niemand sonst kennt. Das Lachen am Küchentisch. Die stillen Blicke, die mehr sagen als tausend Worte. Es sind die Momente, in denen unsere Liebsten uns wirklich ehrlich begegnen. Wahrhaftig. Ohne Rolle. Ohne Maske. Es ist das Gefühl, gemeint zu sein. Gehalten zu sein. Verbunden zu sein.
Dabei denke ich an meine Liebsten, an meine eigene Familie.
Unsere beiden Kinder gehen ganz unterschiedliche Wege. Sie haben komplett verschiedene Lebenskonzepte, denken unterschiedlich, sind eigenständig, mutig und manchmal auch herausfordernd. Und genau dafür liebe ich sie so, so sehr. Nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie echte, wunderbare Menschen sind. Für mich die tollsten Wegbegleiter und Lehrmeister überhaupt.
Unsere Tochter steht uns im Alltag ganz nahe. Da sind etliche Begegnungen, manchmal nur kurze, flüchtige, ganz viele Mikromomente. Ein kurzer Austausch in der Küche. Eine Umarmung in der Haustür. Ein ehrliches Nachfragen. Ein offenes Wort. Gespräche, in denen nichts beschönigt wird und doch so viel Liebe liegt. Nichts Grosses. Und doch so verbindend. Echt und für mich unheimlich wertvoll.
Ja, es war nicht immer idyllisch und zum Zurücklehnen. Wir hatten als Familie grosse Herausforderungen, an denen wir auch hätten zerbrechen können. Und mir ist bewusst, dass das Leben uns immer wieder weitere stellen wird. Diese Ruhe ist nicht selbstverständlich und nicht endlos, denn alles ist immer im Wandel, immer in Bewegung.
In diesem Bewusstsein sind wir ganz spontan ins Flugzeug gestiegen, um unseren Sohn zu besuchen und mit ihm seinen 27. Geburtstag auf Sardinien zu feiern. Aufgrund seiner Lebensform als Dauernomade sind das ganz seltene Momente des Zusammenseins, denn es zieht ihn mit seiner Gefährtin immer wieder hinaus in die weite Welt.
Diese Stunden, diese Umarmungen, diese seltene Nähe sind wie Balsam für mich. Nicht spektakulär, aber tief. Unendlich kostbar. Weil wir uns JETZT haben. Weil wir zusammen sind.
Und geht es nicht genau darum?
Am Ende zählt nicht, wie perfekt wir alles gemeistert haben. Es zählt nicht, ob wir Fehler gemacht haben.
Es zählt, ob wir geliebt haben. Ob wir ehrlich waren. Ob wir uns gezeigt haben. Ob wir Zeit miteinander verbracht haben – im Wissen, dass sie begrenzt und kostbar ist
Die Essenz des Lebens ist nicht unsere Leistung. Es sind unsere Beziehungen. Denn Liebe ist kein grosses Wort für ganz besondere Tage. Liebe ist das, was bleibt, wenn alles andere wegfällt.
Und vielleicht ist genau das meine leise Botschaft in jeder Abschiedsfeier:
Haltet einander, solange es geht. Sprecht aus, was gesagt werden will. Seid wahrhaftig und nehmt euch Zeit füreinander.
Zeit und Beziehungen sind das Kostbarste, was wir haben.