15/12/2025
Die stille Superkraft: Warum Pflegemitarbeitende den wahren Kern der Pflege tragen
Wenn wir im Gesundheitswesen über Hierarchien sprechen, denken wir oft an Diplome, Titel und Verantwortungsbereiche. Doch wenn wir ehrlich auf den Alltag blicken – besonders in der Demenzpflege – verschieben sich diese Gewichte. Dieser Beitrag ist eine Hommage an diejenigen, die "am Bett" arbeiten – und eine Einladung, Pflegekompetenz neu zu definieren.
Der Unterschied zwischen "Verwalten" und "Da-Sein"
Es beschleicht einen manchmal ein komisches Gefühl, wenn man die Aufgabenverteilung im Pflegealltag betrachtet. Die Diskrepanz ist offensichtlich:
Die Fachperson: Bereitet Medikamente vor, schreibt Dokumentationen, führt Rapporte und organisiert.
Die Pflegemitarbeiterin: Unterstützt Menschen mit Demenz direkt, begleitet sie zur Toilette (oder scheitert dabei).
Während die "Fachpersonen" oft verwalten, sind es die Pflegemitarbeitenden, die dem Unberechenbaren direkt ausgesetzt sind. Ausscheiden, Waschen, Essen, Mobilisieren – sind keine mechanischen Abläufe, sondern hochkomplexe Interaktionen.
„Tatsache ist, dass du als Pflegemitarbeiterin im Pflegealltag eine genauso tragende Rolle spielst wie wir ‚Fachpersonen‘.“
Der wahre Kern der Pflege: Selbstwirksamkeit ermöglichen
Pflege ist heute weit mehr als das Abarbeiten von Defiziten ("sauber und satt"). Es geht um Ressourcen. Das Ziel ist, dass sich der Mensch – auch und gerade mit Demenz – als selbstwirksam erlebt.
Hier liegt die eigentliche Kunst:
Es geht nicht primär darum, ob eine Aktivität erledigt ist, sondern wie sie gestaltet wurde.
Wurde der Bewohner beim Waschen beteiligt?
Durfte er beim Anziehen mitbestimmen?
Stand die Beziehung vor der Erledigung der Aufgabe?
Wenn diese Fragen mit "Ja" beantwortet werden, entsteht Lebensqualität. Und genau diese Antworten liefern Pflegemitarbeitende täglich in hunderten kleinen Handlungen.
Oft wird unterschätzt, wie viel Verantwortung in der direkten Pflege liegt. Zuständig zu sein bedeutet, sich selbst ständig neu zu organisieren und ethische Dilemmata in ⏱️ Sekundenbruchteilen zu lösen:
Helfe ich Frau Müller jetzt auf die Toilette oder beruhige ich erst Herrn Meier?
Investiere ich Zeit in eine gründliche Körperpflege oder nutze ich die Zeit für eine passende Mobilisation?
Diese Entscheidungen kann dir niemand abnehmen. Du triffst sie, du verantwortest sie. Das ist anstrengend, aber auch zutiefst befriedigend, wenn dadurch ein gelungener Alltag entsteht.
Dies lässt sich nicht am Reißbrett planen, nur gestalten. Wer Qualität in der Beziehung sucht, weiß, dass man dabei auch scheitern kann. Das ist keine Schwäche, sondern Teil der Professionalität.
🎯 Unser gemeinsames Ziel: Nicht nur Medikamente und Pläne perfektionieren, sondern den Kern der Pflege stärken – die Interaktion, die dem Gegenüber Würde und Selbstwirksamkeit schenkt.
Fazit: Danke für deine Kompetenz