15/12/2025
Silvesterangst…. Wenn`s knallt und kracht
Der Gehörsinn von Hunden ist deutlich feiner als der des Menschen. Sie hören besonders in den hohen Frequenzbereichen deutlich mehr als wir. Wenn also selbst für uns die Knaller und das schöne Feuerwerk schon unangenehm laut sind, wie schlimm mag es dann für unsere geliebten Vierbeiner sein?
Neben dem unangenehmen bis schmerzhaften Geräuschpegel können Hunde und Katzen diese Laute zudem nicht einordnen. Sie ähneln in der Natur allenfalls Gewittern oder Gewehrsalven (im Falle unserer domestizierten Haustiere mag auch dies als natürlich im Sinne von bekannt gelten). Sie verbinden also von Natur aus negative Erfahrungen mit Knallgeräuschen.
Daher ist es nur verständlich, dass viele Fellnasen mit Angst und sogar Panik auf die Silvesteraktivitäten reagieren.
Wie erkenne ich, ob mein Hund oder miene Katze auch an Silvesterangst leidet?
Die Antwort hierauf mag einfach erscheinen. Und dennoch werden viele Tiere mit Angst einfach übersehen. Dies liegt nicht etwa daran, dass die Besitzer nicht auf die Tiere achten, sondern vielmehr daran, dass viele Tiere - vor Allem Katzen - mit Rückzug auf ihre eigene Angst reagieren. Eine Katze, die sich unter dem Bett versteckt und keinen Mucks von sich gibt, wird häufig nicht bemerkt. Und dennoch leidet sie in dieser Situation! Außerdem gehen viele Menschen in der Silvesternacht aus und feiern dieses Ereignis außerhalb. Woher soll man da wissen, dass der Hund panisch in der Wohnung umher läuft?
Anzeichen für Angst oder Unwohlsein sind vielfältig.
In leichten Fällen sieht man eine erhöhte Aufmerksamkeit des Tieres. Es horcht ständig auf kleine Geräusche, legt den Kopf nicht ab, die Ohren drehen sich ununterbrochen in alle Richtungen. Manche Tiere sind unruhig, laufen auf und ab und finden keinen Platz, an dem man sich länger als einige Minuten hinlegen kann.
Ist die Angst größer, werden die Brewegungen schneller und hektischer. Katzen laufen geduckt und blicken sicht häufig um oder frieren mitten in der Bewegung plötzlich ein. Hunde laufen meist mit eingezogenem Schwanz aber mit gespitzten Ohren (in Alarmbereitschaft). Viele Tiere neigen dazu, hinter (oder unter) großen Objekten, wie Sofa oder Tisch, Schutz zu suchen.
Es gibt bei fast allen Tieren ein sogenanntes Angstgesicht. Die Augen sind meist weit aufgerissen, die Pupillen sehr groß und die Lippen zugekniffen. Die Ohren sind flach angelegt.
Das Ausdrucksverhalten ist jedoch abhängig von der Art aber auch von der Rasse ganz unterschiedlich. So kann ein Mops ein gänzlich anderes Angstgesicht als ein Schäferhund haben. Ebenso verhält es sich bei züchterisch stark veränderten Katzenrassen wie Perser oder Scottish fold.
Doch was kann man als Tierhalter dagegen tun?
Hier unterscheiden sich Hunde und Katzen zum Teil recht stark.
Hunde sind in der Regel soziale Rudeltiere, kommunikativ und sehr personenbezogen. Spenden Sie daher Trost durch Ihre bloße Anwesenheit, Körperkontakt und Zusprache.
Katzen hingegen sind keine obligat sozialen Tiere. Sie ziehen sich bei Angst eher zurück und verstecken sich in dunklen, abgelegenen Höhlen. Hier ist es von Vorteil genügend Rückzugsorte an ruhigen (geräuschgeschützten) Orten zu schaffen.
Generell gilt: schließen Sie möglichst die Geräuschkulisse aus (Fenster und Türen schließen) und schaffen Sie eine bekannte Atmosphäre. Schalten Sie eventuell den Fernseher oder das Radio ein (Programme, die häufig auch im Alltag laufen).
Bei sehr heftigen Fällen von Geräuschangst helfen oft nur Medikamente zur Ruhigstellung der Tiere. Jedoch müssen alle Sedativa vor Allem durch Niere und Leber verstoffwechselt und ausgeschieden werden. Durch eine regelmäßige Anwendung kann es also zu nicht unerheblichen Spätfolgen an diesen wichtigen Organen kommen.
Doch es gibt auch mildere Alternativen!
L Tryptophan - Hierbei handelt es sich um eine Aminosäure, die eine Vorstufe zu dem Glückshormon Serotonin ist. Sie wirkt als natürlicher Stimmungsaufheller, lindert Angst- und Depressionszustände. Häufig wird sie aus der Milch gewonnen, weswegen sie auch als „warmes Glas Milch am Abend“ für Hund und Katze bezeichnet wird. Es gibt mehrere Präparate auf dem Markt (z.B. als Tablette, Pulver oder Futtermittel).
L Theanin – Dies ist ein Stoff, der aus dem Extrakt des Grünen Tees gewonnen wird. Er hilft, die Toleranzgrenze für externe Stimuli herauf zu setzen. Das heißt: Die Grenze, ab der ein Reiz als gefährlich oder angsteinflößend wahrgenommen wird. Auf dem Markt existieren schmackhafte Tabletten, die als Leckerli von Hand oder im Futter verabreicht werden können.
Bachblüten – Auch für Tiere gibt es die spezielle Mischung aus pflanzlichen Extrakten. Sie dienen der Beruhigung der Nerven und können in leichten Fällen von Geräuschangst effektiv zur Entspannung der Tiere beitragen.
Pheromonpräparate – Pheromone sind hormonartige Duftstoffe, die ein fester Bestandteil der intraspezies-spezifischen Kommunikation sind. Sie werden zur Markierung unterschiedlichster Situationen und Gefühle eingesetzt (Angst, Wohlbefinden, Schlafplatz geeignet, etc). Diejenigen Duftstoffe, die die Bedeutung „Entspannung“ oder „als Schlafplatz geeignet“ vermitteln sind in verschiedenen Produkten (Sprays, Zerstäuber für die Steckdose) verarbeitet. Wichtig zu wissen ist, dass jede Tierart ihre eigenen Pheromone besitzt, die für andere Tierarten keinerlei Geruch oder gar Bedeutung besitzen! Für Katzen existiert das Präparat Feliway und Zenifel, für Hunde gibt es Adaptil.
Baldrian – Achtung bei Baldrianpräparaten! Im Gegensatz zu Menschen reagieren Hunde und insbesondere Katzen eher mit Erregungszuständen als mit Entspannung auf Baldrian.
Bei all diesen Präparaten ist jedoch zu bedenken, dass eine Wirkung nicht nach einmaliger Gabe eintritt. Man sollte also frühzeitig mit einer Therapie beginnen, um am Silvestertag auch eine ausreichende Wirkung zu erzielen. Am effektivsten ist eine mindestens 14 tägige Therapie.
Lassen Sie sich hierzu rechtzeitig von Ihrem Tierarzt beraten!
Langfristig ist immer ein Training oder (je nach Stärke der Angststörung) eine Verhaltenstherapie anzuraten. Dies ermöglicht es, Ihrem Tier andere Verhaltensstrategien zur Bewältigung seiner Angst beizubringen, damit es in Zukunft garnicht erst wieder so intensive Angst empfinden muss.
Bei Fragen können Sie sich gern jederzeit an uns wenden. Wir helfen Ihnen weiter, sowohl medikamentös als auch verhaltenstherapeutisch oder mit einer ausführlichen Beratung.
Mit schnurrenden Grüßen,
Ihr Praxisteam um Tierärztin Jana Wendt