25/04/2024
Die Kollegin hat es super gut auf den Punkt gebracht, wo ich mir immer wieder den Mund fusselig rede. (Sorry ihr Lieben)
Stiftung Warentest ist schon lange kein Garant mehr für die Qualität des Futters unserer Vierbeiner. Das trifft auch auf die Tests beim Hundefutter zu.
Für meinen Kater gibts heute Abend wieder Rinderherz in Stücken, mit etwas Gemüse. Das ist sein Lieblingsessen. Auf Platz 2. steht Rinderpansen. (Man staune, eine Katze frisst Pansen :-) )
Es ist schon wirklich paradox, dass unsere Kosmetik heute reich ist an Avocadoöl und Honig und unsere Nahrung voll von künstlichen Zusätzen, von denen keiner so wirklich weiß und abschätzen kann, welches Gesundheitsrisiko sie langfristig mit sich bringen. Es ist paradox, dass sich die Tierfuttermittelindustrie immer "individuellere" Rezepturen ausdenkt (für Stadthunde und Wohnungskatzen, für langhaarige und kurzhaarige Rassen, für futtersensible und auch psychisch sensible Tiere usw.), aber die Tiere unterm Strich von Jahr zu Jahr kranker werden. Immer früher. Immer schlimmer. Und oftmals in einer Komplexität, der auch durch intensive Therapie kaum mehr beizukommen ist.
Wir sind so daran gewöhnt, hochtrabenden Werbeversprechen hinterher zu hecheln, dass wir vor lauter Begeisterung über die super-fancy Zusätze und Superfoods im Katzenfutter vergessen, auf die eigentliche Rezeptur zu gucken. Was, denkt ihr, ist gesundheitsförderlicher? Ein artgerechtes, hochwertiges Nassfutter, das den natürlichen Ernährungsbedürfnissen der Katze entspricht - oder ein mit Moringa, Chiasamen oder Granatapfelkernen gepimpter Einheitsbrei aus dem Bodensatz der Schlachthofkloake?
Funfact #1 an dieser Stelle: Die "renommierte" Stiftung Warentest scheint hier keinen Unterschied zu machen. Erneut ist ein Katzenfutter-Test erschienen, der jede:n halbwegs ernährungskundigen Katzenbesitzer:in, Ernährungsberater:in und Tiertherapeut:in fassungslos zurücklässt ob der Unsinnigkeit und Irreführung dieser Testergebnisse.
Unter den Testsiegern sind drei Discounter-Produkte, was in den Online- und Analogmedien prompt Jubelstürme hervorruft: "Gutes Katzenfutter muss nicht teuer sein", schreit es plötzlich von sämtlichen Newsfeeds, und schon wird eifrig proklamiert, man könne seine Katze problemlos mit Schälchennahrung füttern, das allenfalls 30 Cent kostet. Bedauerlich aber, dass keiner sich die Mühe macht, die Deklaration in Augenschein zu nehmen: "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. 4% Huhn), Mineralstoffe, pflanzliche Nebenerzeugnisse (0,4% Inulin)" heißt es da.
Und? Wisst ihr, was ihr eurer Katze da wirklich füttern? Ja. Vom Anteil von "Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen" sind 4% vom Huhn. Herzlichen Glückwunsch. Was genau da "vom Huhn" verarbeitet ist, erfahren wir leider nicht. Wirklich Fleisch? Innereien? Knochen? Oder doch nur Abfallstoffe wie Federn, Krallen und Schnäbel, die gnadenlos durch jegliches Qualitätsraster fallen?
Dass dieses Futter dennoch die Bestnote "sehr gut" erhält, ist einem ernährungsphysiologischen Paradoxon zu verdanken. Und das lautet - ganz lakonisch ausgedrückt: Scheiß egal, wie minderwertig und artwidrig das Futter ist. Wenn es so sehr mit künstlichen Zusätzen gespickt ist, dass es rein rechnerisch den Nährstoffbedarf der Katze decken kann, geben wir ihm ne 1 und empfehlen es lautstark weiter - auf dass alle Tierbesitzer die teuren, weil hochwertigen Futtermittel im Regal stehen lassen und wie bekloppt in den Discounter rennen.
Funfact #2 folgt auf dem Fuße: Die Bedarfswerte laut FEDIAF (Verband der europäischen Tierfutter-Industrie) wurden erhoben anhand völlig willkürlicher und künstlicher Laboranordnungen, die untersuchten, welche Zusätze man einer Grundfuttermischung in welchem Maße zusetzen muss, damit es bedarfsdeckend ist und als "Alleinfutter" gehandelt werden kann. Völlig außer Acht gelassen wurden dabei die natürlichen Ernährungsbedürfnisse und die hochspezialisierten Stoffwechselbesonderheiten der Katze. Ein "Laborfutter", das unter anderem auf Getreide und tierischen Fett-Abfallprodukten wie Grieben besteht, ist keine vernünftige Ausgangsbasis für die Untersuchung, wie viel z.B. Zink, Calcium oder Magnesium einem Futter zugesetzt werden muss, um den tatsächlichen Bedarf einer Katze zu decken.
Futtermittel, die als empfehlenswert und hochwertig bekannt sind, sich immer größerer Beliebtheit erfreuen und sich tatsächlich an den Nahrungsansprüchen der Katze orientieren, haben den Test der Stiftung Warentest nicht bestanden. Ob es an der offenen und damit aussagekräftigen Deklaration liegt, die das ureigentliche "Beutetierprinzip" der Katze zugrunde liegt? Nein, das war kein Kritikpunkt des Testkomitees. Aber dass in den Fertigfutterdosen des - wohlbemerkt - obligaten Karnivoren Katze zu viel Fleisch enthalten ist, stieß den Prüfer:innen offenbar sehr sauer auf. (Obligater Karnivore = die Katze ist auf die Verdauung und auf die Verwertung überwiegend tierischer Nahrung angewiesen und all ihren Verdauungs- und Stoffwechselfunktionen dazu ausgelegt) Der Zynismus, Getreide als wertvolle Ballaststoffquelle und damit als "verdauungsförderlich" zu deklarieren, ist unübertroffen. Naja, nicht ganz: Einem hochwertigen Nassfutter kreidet die Stiftung Warentest an, mit dem Zusatz "zuckerfrei" zu werben, wo doch bis zu 2% Zucker gänzlich unproblematisch seien für die Katze.
Funfact #3: Ich hab keine Ahnung, ob sich die Herr- und Damschaften wirklich mit dem Verdauungstrakt und den Stoffwechselfunktionen unserer domestizierten Stubentiger befasst haben, bevor sie ihre Laboranordnungen aus dem Boden stampften. Traurige Tatsache ist doch: Wer seine bislang hochwertige Katzenfütterung beiseite wirft zugunsten einer denaturierten Fertigpampe, die einmal freudig durch den Chemiebaukastensatz gewälzt wurde, riskiert auf lange Frist die Gesundheit seines Tieres.
Als Ernährungsjunkie und Barf-Fan habe ich mich noch an einem besonderen Schmankerl aus dem Test gelabt: Die Stiftung Warentest hat allen Ernstes ein veganes Fertigfutter geprüft, das für Hunde und Katzen gleichermaßen "geeignet" sein soll. Leider kann ich die Zeilen hier nicht mit so vielen Anführungszeichen füllen, wie ich eigentlich möchte. Punkt 1, liebe Tierfuttermittelhersteller: Wie zur Hölle soll ein Futter zugleich für Hund und Katze konzipiert sein? Eine Katze ist doch kein kleiner, krallenbewehrter Hund, sondern hat rein metabolisch betrachtet gänzlich andere Ansprüche an ihre Ernährung als ein Hund. Und Punkt 2: Veganes Katzenfutter - what the f**k? An der Stelle ist es mir pupsegal, ob hier zu wenig Jod oder zu wenig Zink oder (oh Wunder, Wunder!) zu wenig Proteine enthalten sind und das "Futter" (*hust) durch das "Qualitäts-"Raster gefallen ist. Der Anteil pflanzlicher Kost im Katzenfutter sollte allenfalls dem entsprechen, was die Katze beim Verzehr ihres Beutetier durch Magen- oder Darminhalt, Fell oder Gefieder abschluckt. Beim Barfen verwenden wir daher allenfalls 3 bis 5% Gemüse in unserer Ration.
Das Fazit meiner heutigen Polemik?
Scheiß auf Stiftung Warentest. Ich bin - wieder! Jahr für Jahr! - fassungslos, welch Irrsinn, welch Fehlinformation da in die Medien gestreut wird, und diese nichts blöderes zu tun haben, als eifrig zu copy-pasten und so für Verwirrung, Frustration und blinden Aktionismus sorgen. Ein hochwertiges Futter kann nicht günstig sein. Überlegt doch einmal, wie viel hochwertige Zutaten in einem Futter enthalten sein können, das 30 Cent pro 100 g kostet oder 3 Euro pro Kilogramm. Davon müssen die Ausgaben für die Grund-Futterkomponenten gedeckt sein, die Verarbeitungskosten, Lohnkosten, Miete, Marketing und vieles mehr. Und obendrein möchte der Hersteller auch noch etwas verdienen, denn anders als "Komm, wir verdienen uns eine goldene Nase daran, dass wir die Leute verarschen und durch gravierende Qualitätsmängel Leib und Leben der von uns ach-so-geliebten Haustiere gefährden" kann ich mir solche Vorstöße nicht erklären.