15/12/2025
Seit dem 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, erstrahlt unser Schloss samt Innenhöfe für mehrere Tage in Blau – unter dem Leitgedanken: „Menschenrechte, unser tägliches Grundbedürfnis“. Menschenrechte bedeuten, Leid anzuerkennen und zu handeln, um Gleichgültigkeit zu beenden. 🏰💙
In Deutschland leben Schätzungen zufolge mehr als 650.000 Menschen mit ME/CFS (Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom), viele davon als Folge von Long-Covid oder anderer Infektionskrankheiten. Sie sind häufig nicht oder spät diagnostiziert, haben nur eingeschränkten Zugang zu spezialisierter medizinischer Versorgung und erleben in vielen Bereichen eine deutliche Unterversorgung sowie fehlende Ressourcen in Aufklärung und Forschung. Damit ist ME/CFS keine seltene Erkrankung, sondern betrifft eine relevante Minderheit der Bevölkerung – einschließlich zehntausender Kinder und Jugendlicher.
Nach außen wirkt ME/CFS wie „nur Erschöpfung“, tatsächlich bedeutet jede Anstrengung ein Risiko: ein paar Schritte, ein kurzes Gespräch, ein Arzttermin – Stunden oder Tage später kann der Körper mit einem schweren Crash reagieren. Muskeln brennen, Gedanken zerfallen, Reize werden unerträglich, Schlaf bringt keine Erholung, und viele Betroffene lernen, sich vor den Folgen selbst kleinster Aktivitäten zu fürchten. Das Leben schrumpft auf ein Minimum, weil jeder Versuch von Normalität den nächsten Zusammenbruch auslösen kann – unsichtbar für andere, aber zerstörerisch für die, die damit leben müssen.
ME/CFS führt häufig zu Arbeitsunfähigkeit, sozialer Isolation und einem massiven Verlust an Lebensqualität. Viele Betroffene verlieren nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch berufliche und soziale Perspektiven, weil Verständnis, gesellschaftliche Sichtbarkeit und strukturelle Unterstützung oftmals unzureichend sind. Das blau erleuchtete Schloss macht diese stille Krise sichtbar und verbindet sie mit dem Anspruch der Menschenrechte: Gesundheit, Teilhabe und Würde für alle.
Museum im Schloss Bad Pyrmont