11/02/2026
EINE WUNDERBARE ZEN-GESCHICHTE: DER GARTEN DES KÖNIGS
In einem fernen Land (… oder war’s doch hier?) gab es einmal einen König, der wollte den allerschönsten Garten der Welt haben. Er sollte viel schöner und vor allem auch größer sein, als alle Nachbargärten und insgesamt viel mehr Pflanzen beinhalten als alle anderen Lustgärten zuvor. Deshalb ließ er die seltensten Pflanzen von hier und dort zusammentragen und wollte freilich auch alle ansässigen Bäume, Zierhölzer und veredelten Blumen nicht missen – jeder sollte staunen beim Eintritt in seinen Garten, die Schönheit der Welt und die Größe von ihm, dem König, preisen.
Wie der König einige Monate, nachdem alle Pflanzen gesetzt worden waren, zum ersten Mal den Garten betrat, da verschlug es ihm tatsächlich den Atem, aber nicht vor Schönheit. Alle Pflanzen waren am Welken: die schönen Blumen, die zierenden Sträucher und selbst die Bäume. Zuerst ging er zur Eiche, die war sein Wappenbaum und fragte: „Eiche, warum geht’s dir schlecht?“ – „Ach“, sagte sie, „ich bin nicht so hoch wie die Tanne. Sieh, wie schön sie sich gen Himmel streckt, so als ob sie ihn berühren könne. Wenn ich nicht so schön sein kann, will ich gar nicht mehr sein!“ –
Rasch ging er zur Tanne, denn die sah ebenso schlimm aus und fragte sie: „Tanne, warum stirbst du?“ „Guter König, so sehr ich mich bemühe, krieg ich doch nur hölzerne Früchte. Der Weinstock dort drüben, der schafft solch süße Trauben, dass Herr König – sich daran erfreuen. Vor meinen Zapfen kann man sich nur scheuen, darum sterb‘ ich.“ –
Der Weinstock jedoch gab ebenso ein trauriges Bild. „Warum geht’s dir elend, Weinstock?“, wollte der König wissen und hörte: „Ich kann keine wohlriechenden Blüten bilden, so wie die Rose dort drüben. Es hat alles keinen Sinn, will nicht mehr sein, wer ich bin!“
Die Rose allerdings starb auch, alles lag im Sterben, bis auf eine Blume: das Stiefmütterchen. „Warum bist du bei bester Gesundheit, Blümelein, willst‘ nicht anders sein?“, fragte der König. „Warum sollte ich?“, fragte das Stiefmütterchen lächelnd. „Schließlich hast du mich pflanzen lassen, also hast du mich auch gewollt. So gebe ich mein Bestes, zu sein, wer ich bin, dir und der Welt zum Gefallen!“
(aufgeschrieben von Carsten Kiehne im Buch "REIKI LEBEN - ASPEKTE & LEBENSREGELN"