25/01/2026
Östrogene bei Hashimoto – warum der Blutwert nicht entscheidet
Bei Hashimoto ist Östrogen kein reines „Frauenhormon“, sondern ein aktiver Immun- und Entzündungsmodulator.
Deshalb greift die Aussage „Der Östrogenspiegel ist normal“ in der Praxis fast immer zu kurz.
Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Wirkung.
Und diese entsteht aus dem Zusammenspiel von Östrogenform, Rezeptoren, Leber-Darm-Achse und Entzündungsniveau.
Es gibt drei relevante Östrogene:
📍Estradiol (E2)
hochpotent, stoffwechsel- und immunaktiv, stark rezeptorabhängig.
Bei entzündeter Rezeptorumgebung kann E2 überreagieren oder paradox wirken.
📍Estron (E1)
entsteht überwiegend in Leber und Fettgewebe.
Wirkt schwächer als E2, aber dauerhaft stimulierend.
Bei gestörter Darmflora und erhöhter β-Glucuronidase wird Estron rückresorbiert statt ausgeschieden.
Die Folge ist eine funktionelle Östrogendominanz trotz unauffälliger Serumwerte.
📍Estriol (E3)
mild, eher regulierend, bevorzugt immunbalancierend.
Bei Hashimoto häufig funktionell zu schwach wirksam, besonders bei gestörter Darm-Leber-Kommunikation.
Bei Hashimoto kommt ein weiterer Faktor hinzu:
Chronische Entzündung verändert die Östrogenrezeptoren.
Zytokine, oxidativer Stress und Stresshormone beeinflussen Rezeptordichte, Empfindlichkeit und Signalverarbeitung.
Das bedeutet:
Gleicher Hormonwert kann völlig unterschiedliche Effekte haben.
Typische Folgen eines ungünstigen Östrogenprofils bei Hashimoto:
* Verstärkung der Autoimmunaktivität
* Hemmung der T4-zu-T3-Konversion
* zyklische Entzündungsschübe
* deutliche Verschlechterung in der Perimenopause
Die Perimenopause wirkt dabei wie ein Rezeptor-Stresstest:
schwankendes Estradiol, früh abfallendes Progesteron und entzündete Zielgewebe führen zu instabilen Zellantworten.
Fachlich entscheidend ist daher nicht der Östrogenwert, sondern:
* welches Östrogen dominiert
* wie Leber und Darm damit umgehen
* wie die Rezeptoren das Signal lesen
Merke:
📍Nicht der Hormonwert entscheidet, sondern ob die Zelle das Signal korrekt verarbeiten kann.