02/01/2026
Tag 4 - Selbstwert und Selbstkonzept
Heute geht es um uns – um unser Selbst und um dessen Bewertung.
Der Selbstwert ist dabei nichts Starres, sondern passt sich fortlaufend an unterschiedliche Bewertungs- und Integrationsprozesse an (Rosenberg, 1965).
Hilfreich ist die Unterscheidung in zwei Ebenen:
den affektiven Selbstwert und das kognitive Selbstkonzept.
Letzteres organisiert unsere Selbstzuschreibungen, Rollen, Erfahrungen und Rückmeldungen.
Das Selbstkonzept bringt Ordnung in die Vielzahl an Eindrücken und Situationen, denen wir täglich begegnen. Es entwickelt sich schrittweise – beginnend mit frühen Bindungserfahrungen – und speichert Einschätzungen wie „Ich kann kein Mathe“ oder „Ich komme bei anderen gut an“ (Rosenberg, 1965; Harter, 1999).
Diese scheinbare Objektivität ist jedoch keine tatsächliche: Über psychologische Prozesse wie kognitive Dissonanz, Abwehrmechanismen und selbstwertdienliche Verzerrungen versuchen wir, unser Selbst zu schützen und stabil zu halten.
Der Selbstwert beschreibt die emotionale Bewertung des Ganzen. Entscheidend ist dabei das Erleben: Wie finde ich es, dass ich kein Mathe kann?
Diese Bewertung verändert sich kontinuierlich mit dem Kontext. Sie unterscheidet sich nicht nur zwischen Personen, sondern schwankt auch innerhalb einer Person – mit einem relativ stabilen Anteil (Trait) und einem situationsabhängigen Anteil (State) (Kernis, 2003).
Gerade in neuen Kontexten, etwa beim Berufseinstieg, ist das Selbstkonzept noch wenig differenziert. Rückmeldungen können deshalb besonders wirksam sein. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es besser, selbstwertrelevante Informationen differenzierter zu verarbeiten – sowohl bewusst als auch unbewusst (Greenwald & Banaji, 1995).
Am Ende ermöglicht uns dieser Prozess, Konsistenz zu bewahren und uns gleichzeitig flexibel an dynamische Umgebungen anzupassen.