27/03/2025
EINER VON UNS:
Andreas aus Berlin
➡ Seit ich denken kann, ist für andere mein Stottern ein Thema. Durch den Druck meines Vaters und der Verwandtschaft „ordentlich“ zu sprechen, wurde mein Stottern zu einem Komplettpaket von Angst, Verkrampfungen, Augen schließen, Kopfbewegungen, totale Blockaden.
Auch unzählige Besuche bei Logopäden waren eher frustrierend, da ich als Kind nicht verstand, warum ich während der Therapiestunde flüssig sprechen und im Alltag kaum fließend sprechen konnte. In meiner Regelschulzeit in den 90er Jahren, war Nachteilsausgleich noch ein Fremdwort und ich musste dennoch regelmäßig versuchen Vorträge zu halten, ohne dass Rücksicht auf mein Stottern genommen wurde. Als ich 16 Jahre alt war, kam die Bitte meiner Mutter noch einen letzten Versuch in Punkto Stottern zu unternehmen. Sie hatte von einer Stotter-Intervalltherapie in Berlin gehört. In vier Wochen, verteilt auf vier Monate, erlebte ich meinen persönlichen Wendepunkt beim Stottern.
Ich lernte mein Stottern zu akzeptieren, damit umzugehen, zu spielen und mein Redefluss zu verflüssigen. Jedoch wurde vor allem der Grundsteine dafür gelegt, mich so zu lieben wie ich bin!
Warum jetzt mit 40 Jahren Instagram und TikTok!? Das ist ganz einfach, ich bin stolzer Vater eines Sohnes. Und „Oh Wunder“, in der Kita und Schule gibt es stotternde Kinder. Durch die Neugier meines Sohnes, habe ich beschlossen über das Stottern und meine Erfahrungen in Videos zu sprechen. Gleichzeitig nahm ich Kontakt zur BVSS auf, um mich auszutauschen, interessante Menschen kennenzulernen und zu networken. Mein Ziel für die Zukunft ist es mit Social Media, aber auch persönlich an Schulen und Kitas, mit meinem Background aufzuklären und das Mysterium Stottern ein Stück weit zu entstigmatisieren.
Lasst uns miteinander reden und austauschen, damit unser Stottern besser verstanden wird. ⬅
Foto: privat