02/03/2026
Eigentlich waren die letzten fast 10 Monate ein Traum. Kein beruflicher Stress, keine der Schwangerschaftsbeschwerden, die sie vom ersten Mal kennt.
Nur von den immer wiederkehrenden wochenlangen Infekten hat sie im wahrsten Sinne des Wortes, die Nase voll.
Ihr "Babybrain" und die damit verbundene Vergesslichkeit sorgen im Gegenzug dazu immer wieder für Erheiterung.
Die erste Geburt war gut, wenn auch anders als gewünscht. Dieses Mal soll es ohne Saugglocke, Wehenmittel und Epi gelingen.
Die Frau bereitet sich mental vor, visualisiert, äußert Wünsche. Sie blickt offen und voll positiver Spannung in Richtung Geburt.
Ihr Partner ist abwechselnd im Nestbautrieb und davon überzeugt, dass es noch dauert. Er ist im Vertrauen in seine Frau und freut sich ebenfalls auf das bevorstehende Ereignis.
Der Körper leistet seinen Teil. Er weiß, was zu tun ist. Schweißgebadet nimmt sie das Ansteigen und Ausbalancieren der Hormone wahr, den zunehmenden Druck durch die optimale Lage des Kindes. Es wird ruhiger. Im Bauch und um sie herum. Die Frau zieht sich zurück, möchte Zuhause sein. Sie braucht den emotionalen Fokus bei sich und ihrer wachsenden Familie, trifft Vorsorge fürs Wochenbett.
Samstag nimmt der Druck ins Becken deutlich zu. Ein diffuses, permanentes Ausstrahlen in die Beine und den Rücken, ein Ziehen in die Arme. Ruhiges Atmen in Seitenlage mildert die Vorboten der nahenden Geburt.
Mit dem neuen Tag beginnen die Wehen. Noch völlig aushaltbar, unregelmäßig, die Abstände lang, die Dauer kurz.
Aufgeregte Vorfreude mischt sich in die Planung eines gemütlichen Sonntags.
Ein warmes Bad drückt noch mal die Pause Taste ihrer Gebärmutter.
Am Abend, der 2jährige Wirbelwind ist inzwischen bei der Oma, kehren die Kontraktionen zurück. Ein bisschen intensiver, aber immer noch ganz entspannt.
Ihr Körper arbeitet stark, das spürt sie. Schmerzfrei, aber energiezehrend.
In aller Ruhe nehmen die Wehen langsam zu. Die Schwangere haushaltet mit ihren Kräften, fühlt sich Zuhause noch sehr wohl. Sie kann schlafen.
Die Kontraktionen werden länger, die Abstände kürzer.
Gegen Mitternacht, der Schleimpfropf löst sich, sind sie bei 4 Minuten.
Die Frau möchte dieses Mal erst am Geburtsort und dann im Labor Land ankommen. Zusätzlich fühlt sich irgendwas nicht ganz richtig an. Jeder tiefe Atemzug in den Bauch ist unerträglich, ihr Unterleib wie abgeschnürt.
Mit Sack und Pack zieht das Paar in den Kreißsaal ein. Beide strahlen, sind völlig entspannt.
Gemeinsam bereiten sie den Geburtsraum vor.
Sacht schaukelnd sitzt sie auf dem Ball, zieht dann auf das Bett um.
Er bleibt ihr nah, hält und versorgt sie. Die Zwei sind ein gut eingespieltes Team.
Das CTG läuft und die Hebamme darf nach dem Muttermund tasten. Der ist fast unerreichbar in die Kreuzbeinhöhle verzogen und sehr berührungsempfindlich. Der Schwangeren ist die Untersuchung sehr unangenehm.
Motiviert kehrt sie beckenkreisend auf den Ball zurück. Mit der Wehe hängt sie im Ausfallschritt an ihrem Mann. Das fühlt sich anders an, da passiert was. Und auch das Atmen fällt ihr leichter.
Das Paar futtert die mitgebrachten Stullen. Sie wiegt und bewegt weiter ihr Becken.
Auch im Liegen lädt sie ihr Kind ins Becken ein. Aneinander gekuschelt veratmet sie leise ihre Wehen.
Bei gedimmten Licht erholt sich die ganze Familie und die Dezeleratiomen im CTG verschwinden.
Von der Telemetrie befreit, wird sie wieder aktiver. In Bewegung und verschiedenen Positionen, liebevoll unterstützt und versorgt, erwartet sie das Befüllen der Geburtswanne.
Die Wehen werden intensiver, nicht häufiger.
Die Entleerung des Darms erleichtert die Gebärende und schafft hoffentlich mehr Platz im Becken.
Flink steigt sie in das gut gefüllte Becken und sinkt in das warme Wasser.
Ihr Mann legt ihr kühle Tücher auf und reicht ihr das Getränk der Wahl.
Er kennt seine Rolle und erfüllt sie mit Bravour.
Die Wehenfrequenz nimmt zu, das Baby ist aktiv und die Schwangere genießt das Bad.
Sie ist mit einem weiteren CTG und der Überprüfung des Geburtsfortschritts einverstanden.
Auch dieses Mal ist die Untersuchung unangenehm. Das kindliche Köpfchen drängt bereits tief ins Becken, der Muttermund ist immer noch kaum erreichbar, wenn auch weiter geöffnet.
Ein paar Tränen fließen. Getröstet kommt sie wieder zur Ruhe und bespricht sich mit der Hebamme.
In linker Seitenlage wird ihr Pusten lauter. Sie hält seine Hand, er sorgt für einen kühlen Kopf.
Schwerelos steigt sie an Land.
Er trocknet seine Frau, bereitet alles vor. Er weicht ihr nicht von der Seite, gibt Ihr in jeder Wehe Halt und sorgt in den Pausen für Ihr leibliches und seelisches Wohl.
Zusammen turnen sie und probieren verschiedene Positionen.
Sie hat ein gutes Körpergefühl, merkt genau was hilfreich ist und sich physiologisch anfühlt.
Die Wehen werden länger, schmerzhafter. Die Abstände wieder größer.
Der Druck verschiebt sich Richtung Beckenmitte, sie atmet geräuschvoller, arbeitet mit der Wehe. Der Schmerz leitet sie.
Sie hängt an ihrem Partner, über dem Ball und im Seil. Er massiert ihr den Rücken.
Die Wehen werden intensiver, die Frau tönt leise.
Während der langen Pausen variiert sie die Positionen, isst und trinkt. Die Wehe treibt sie in die Aufrechte und in seine Arme.
Die Mühen lohnen sich, das spürt sie. Bei der folgenden Kontrolle erreicht die Hebamme mit Leichtigkeit den auf 7 cm geweiteten Muttermund. Erleichterung und Freude machen sich breit.
Dem Paar steht die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben. Im Liegen können sie dösen, Energie sparen und aufladen. Ihr Körper holt sich, was er braucht, reduziert die Wehen auf ein Minimum. Alle 10 Minuten hört mensch sie leise fokussiert atmen.
Im Gespräch wägt die Frau mit ihrer Hebamme die Möglichkeiten ab. Ein Schmerzmittel will und vraucht sie nicht. Der Wehenschmerz ist nicht ihr Problem. Sie beratschlagen sich und entscheiden einen Lageschall.
Der unausgesprochene Gedanke, dass die Geburt nach vollständiger Eröffnung zum Stillstand kommt, spukt in ihrem Kopf. Zu wissen, dass das Baby richtig liegt, beruhigt sie.
Die Studentin und der ärztliche Geburtshelfer bestätigen - alles Bestens!
Nach einer kurzen weiteren Erholungsphase geht es weiter.
Er ist tief beeindruckt von ihrer Stärke und Willenskraft.
Durch Bewegung will sie die Wehentätigkeit anregen, die Abstände verkürzen, die nicht unter 5 Minuten gehen wollen.
Sie kniet, sitzt auf dem Ball, hängt im Seil. Umschlungen von seinen Armen, die auch nach all den Stunden nicht nachlassen, ihr Halt und Begleitung zu geben.
Die Wehen sind ganz schön knackig. Sie wirkt belasteter, veratmet tief tönend, knurrend tapfer alle 6 Minuten die mächtigen Kontraktionen.
Die Gebärende erkundigt sich nach der PDA. Sie will sie nicht, braucht sie nicht. Gleichzeitig weiß sie, dass sie solche Wehen alle 3 Minuten nicht lange aushalten wird. All die vielen Stunden fordern ihr Tribut.
Der Plan steht, der Stauschlauch ist bereits um ihren Unterarm straff gezogen. 3 Minuten Pause und eine kräftige Wehe jagt sie in den Stand. Lautes kehliges Tönen und eine weitere Kontraktion im lang ersehnten Abstand.
Erschrocken zuckt die Gebärende zusammen und wird von einem massiven Druck ins Becken überwältigt. Sie verliert ihren Fokus, findet keine Position.
Blutige Flüssigkeit tropft aus der V***a. Der Muttermund ist vollständig geöffnet, der Kopf bewegt sich durch die Va**na. Die Frau schiebt mit, unkontrolliert, gänzlich erfüllt von diesem neuen Gefühl. Sie hängt an ihrem Mann, geht auf die Zehenspitzen, hebt sich vom Boden ab. Ihr Körper zwingt sie zu pressen.
Die Stimme der Hebamme, die mantraartige Wiederholung, dringt zu ihr durch. Sie konzentriert sich wieder auf ihre Atmung, spürt die Wehe kommen und gehen.
Das Baby reagiert ebenfalls auf den plötzlichen, rapiden Fortschritt.
Er hilft seiner Frau auf das Bett und in Seitenlage.
In den Pausen atmet die Hebamme mit ihr, während der Wehe weist sie ihr den Weg. Mit jedem Mal findet sie mehr in ihren Rhythmus zurück.
In der Tiefe der Va**na wird der Skalp des kleinen Jungen sichtbar.
Auch für ihn sind diese letzten Zentimeter eine Herausforderung.
Auf Ansage der Hebamme wechselt die Frau und sinkt zwischen seinen Beinen in die Hocke.
Sie schiebt kraftvoll mit, berührt selbst ihr Kind. Das gibt ihr neuen Mut. Das Happy End ist nah.
Mit der Ankunft der Ärztin wird der Kopf zwischen den Labien sichtbar.
Erneut tastet sie selbst nach der runzeligen Kopfhaut.
Das Baby möchte jetzt geboren werden, verkündet die Geburtshelferin.
Die Hebamme reicht der Frau ihre Hände, spürt ihre Stärke. Sie schiebt mutig und zwischen ihren Beinen steigt der Kopf empor. Ein weiteres Mal, noch mal mit aller Kraft.
Der Kopf ist geboren, eine bläulich schimmernde Nabelschnur liegt um den Hals. Ein letzter sanfter Schub und Mattis gleitet in die Hände der Gynäkologin.
Mach die Augen auf! Schau!
Verwirrt öffnet sie ihre Augen und sieht ihr Kind. Sie nimmt ihn entgegen und auf ihre Brust.
Sofort sehr verliebt und ganz zart begrüßen die Eltern ihren zweiten Sohn. Tränen fließen. Zurecht stolz und gerührt.
Die intensiven Nachwehen und die Geburtsverletzungen plagen sie sehr. Sie findet keine Position und nicht in die Entspannung. Es tut weh, ihr Herz klopft aufgeregt.
Zur Naht gibt es Schmerzmittel, Lachgas und beruhigende Worte. Mattis darf mit Papa kuscheln und auf seiner Brust schlafen.
Die Drei genießen die nächsten Stunden und es gibt Geburtstagskuchen für alle!
Die Wöchnerin lässt sich noch von einer heißen Dusche überzeugen. Und auch Mattis bedarf einer ersten Reinigung vom Kindspech.
Sauber, sehr glücklich und müde tritt die kleine Familie dann am frühen Abend die Heimreise an.