13/08/2018
Internationaler Linkshändertag
Seit 1976 wird er immer am 13. August begangen. Der Amerikaner Dean R. Campbell wählte bewusst einen Freitag, den 13., um auf Vorurteile gegenüber Linkshändern hinzuweisen.
Häufig zeigen und konservieren sich Vorurteile in der Sprache:
Link oder Linkischsein, andere links liegen lassen, zwei linke Hände haben: Redewendungen, die ein Defizit postulieren. Schon das lateinische Wort „sinister“ bedeutet gleichermaßen links wie unheilvoll und düster. Wohingegen gute Menschen auf dem rechten Weg sind, alles richtig machen, das Recht auf ihrer Seite haben, die Rechtschreibung beherrschen und freilich das Herz auf dem rechten Fleck haben, obwohl das da gar nicht sitzt.
Der Neurologe Stefan Gutwinski von der Charité in Berlin widmet sich seit Jahren dem Thema. Er kann zwar nicht erklären, warum die Händigkeit nicht gleichmäßig verteilt ist. Aber dafür weiß er, weshalb es überhaupt eine Präferenz gibt. Eigentlich wäre es ja praktisch, über zwei gleich starke Hände zu verfügen. Das ist in der Natur allerdings nicht vorgesehen: Im Hirn herrscht Aufgabenteilung; die beiden Hälften übernehmen verschiedene Funktionen, sie sind spezialisiert.
Bis vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass die Hirnhälften jeweils konkrete Aufgaben übernehmen. So beheimatet die linke Gehirnhälfte das Sprachzentrum, lässt Menschen analytisch denken, steuert routinierte Verhaltensweisen und gibt uns ein Gefühl für Zeit und Gesten. Die rechte Hälfte beschäftigt sich mit dem Raum, hilft bei der Orientierung, erkennt Melodien, Töne, Gefühle und Gesichter. Inzwischen zweifeln Neurologen das Konzept einer strikten Trennung allerdings an. Zwischen den beiden Hemisphären sind zwar Unterschiede auszumachen, aber die sind geringer als ursprünglich angenommen.
Auffällig ist bei Linkshändern, dass der Verbindungsbalken zwischen den beiden Hirnhälften, das Corpus callosum, voluminöser ist. „Das findet sich in allen Studien“, sagt Stefan Gutwinski. Es besteht also eine stärkere Verbindung, was auf hohe kognitive Leistungen schließen lässt. Gutwinski und manche seiner Kollegen leiten hieraus eine „besondere Sprachflüssigkeit und Merkfähigkeit“ ab. Zur Diskussion stehen auch höhere Intelligenz, Musikalität und Kreativität.
Bis in die 70er Jahre versuchte man viele Linkshänder noch umzuschulen. Dieser gewaltsame Eingriff in die persönliche Entwicklung der Kinder geschah nicht selten mit deutlichen Nachteilen. Die Münchener Psychologin Johanna Barbara Sattler betont, dass die Händigkeit nicht umerzogen werden dürfe, da dies einen der „massivsten unblutigen Eingriffe in das menschliche Gehirn“ darstelle und zu zahlreichen Folgeproblemen führen könne. Dementsprechend besagen heute die Schulrichtlinien fast aller deutscher Kultusministerien, dass eine bestehende Linkshändigkeit nicht verändert werden darf
Ein prominentes Beispiel für die auftretenden Schwierigkeiten war der englische König George VI. (1895 bis 1952), Vater der amtierenden Königin Elisabeth II. Er durfte am strengen Hof nicht mit links schreiben und begann früh zu stottern, wie der mit vier Oscars ausgezeichnete Film „The King’s Speech“ eindrücklich schildert.
Mein Fazit:
Weniger Vorurteile, weniger Anpassungsleistung an unhinterfragte Anforderungen unserer Gesellschaft, weniger Ego-First und mehr Förderung unserer Kinder, hin zu selbstbewussten, verantwortungsbereiten und experimentierfreudigen Persönlichkeiten: das sollten wir unseren Kindern mit auf den Weg geben!
(HansWolter.com)