08/02/2026
ERZWUNGENE VERÄNDERUNG
Menschen, die eine schwere Erkrankung oder einen traumatischen Unfall erlebt haben, sind sich oft in einem Punkt einig:
Um wirklich zu genesen, mussten sie sich so tiefgreifend verändern, dass sie nicht mehr der Mensch waren, der einst krank wurde.
In diesem Sinne sind Erkrankungen oder Unfälle häufig nicht nur Ausdruck unseres inneren Zustandes, sondern wirken wie eine Notbremse des Universums, wie ein Schuss vor den Bug. Eine klare Botschaft: Wenn du dich jetzt nicht veränderst, ist es zu spät.
„Triggerwarnung- Text enthält kontroverse Ansichten zum Thema Krebs“
Gerade bei Krebs hört man immer wieder, dass er dort entsteht, wo ein Mensch in Stagnation gefangen ist. Wo längst erkannt wurde, dass das eigene Leben so nicht mehr stimmig ist, die notwendigen Schritte aber aus Angst, Anpassung oder Erschöpfung nicht gegangen werden. Dann wächst etwas anderes für ihn. Krebs übernimmt gewissermaßen das, was in diesem Menschen keinen Raum mehr hatte: etwas Lebendiges, sich Vermehrendes, Unaufhaltsames, Authentisches – mitunter sogar Brutales und Egozentrisches. Er geht raus aus der Rücksichtnahme und lebt vor, wie es wäre, grenzenlos zu sein. Denn Leben bedeutet Prozess, Leben bedeutet Veränderung. Und wenn wir diese Veränderung verweigern, beginnt etwas anderes in uns zu wachsen. Nicht, um uns zu bestrafen, sondern um uns etwas vorzuleben. Es übernimmt eine Aufgabe in uns.
So scheint Krebs aus der Metaperspektive weniger etwas zu sein, das es zu besiegen gilt, sondern eher etwas, das wir energetisch annehmen dürfen, indem wir die ihm inne liegende Wachstums- und Veränderungsenergie für uns selbst nutzen. Das bedeutet keinesfalls, dass wir nicht alle schulmedizinischen Hilfen in Anspruch nehmen sollten, die sich für uns stimmig anfühlen, oder dass wir darauf verzichten sollten, unsere Ernährung und Gewohnheiten umzustellen. Doch für mich geht es tiefer. Es bedeutet vielmehr, das eigene Leben ganzheitlich in die Hand zu nehmen und sich bewusst in Entwicklung zu begeben – hin zu dem Leben, nach dem man sich schon so lange sehnt. Denn wenn wir ein authentisches Leben führen, das sich von innen stimmig anfühlt, umso unnötiger wird die Erkrankung und damit umso wahrscheinlicher die Heilung.
Viele sprechen davon, den Tumor besiegen zu wollen oder in den Kampf zu ziehen. Für mich ist es stimmiger, den Teil in mir sterben zu lassen, der den Krebs gebraucht hat, um überhaupt in Bewegung zu kommen.
Dazu gehört für mich – auch aus beruflicher Perspektive – Ursachenforschung zu betreiben. Wann und durch welche emotionalen Themen oder generationsübergreifenden Schicksale ist dieses veränderte Zellenwachstum entstanden? Was hat das mit unterlassener Hilfeleistung zu tun, und wo kann man therapeutisch ansetzen, um den emotionalen Auslöser zu transformieren? Doch all das hilft nichts, wenn unser Fokus ausschließlich darauf ausgerichtet ist, den Tumor zu bekämpfen, nur um anschließend genauso weiterzuleben wie zuvor.
Krebs ist wie jede Erkrankung vielschichtig. Wird er jedoch frühzeitig erkannt und als das genutzt, was er oft ist – eine erzwungene Pause, ein radikales Sich-um-sich-selbst-Kümmern und die Einladung zu neuen Entscheidungen und Handlungen –, dann ist er weder Strafe noch Feind. Früherkannt ist er häufig genau das, was es gebraucht hat, damit wir den Mut und die Notwendigkeit zur Veränderung nicht nur erkennen, sondern sie auch annehmen und konsequent leben können.
Gemeinsam für befreyte Zeiten. Janina Freynhagen.