19/02/2026
Die Sonne geht über den weiten Ebenen der Minankabauauf – und noch bin ich nicht dort. Noch sitze ich an meinem Schreibtisch, zwischen Notizen, Rechnungen und halb gepackten Taschen. Meine Reise zu den Minankabau, der größten matriarchalen Gemeinschaft der Welt mit über fünf Millionen Menschen, beginnt am Dienstag.
Und vielleicht ist genau das Teil meines Lernens:
Nicht schon anzukommen, bevor ich losgehe.
# # # Die Tage davor
Ich begegne in meiner Praxis Frauen, die von ihren Partnern psychische und physische Gewalt erfahren haben. Ihre Geschichten begleiten mich.
Ich frage mich immer wieder:
Was dürfen wir in uns verändern, damit sich auch die Gesellschaft verändert?
Noch bin ich nicht dort, aber ich lese über sie, spreche mit Menschen, die dort gelebt haben. Eine Gesellschaft, die durch Stabilität geprägt ist. In der Gewalt kulturell inakzeptabel ist. Nicht als moralischer Anspruch, sondern als gelebte Struktur.
Dort gehört niemand jemandem. Beziehungen sind Bündnisse, keine Besitzverhältnisse. Verantwortung wird verteilt. Kinder wachsen in Clans auf. Ökonomische Abhängigkeit wird bewusst minimiert.
Ich frage mich:
Was macht das mit einem Nervensystem?
# # # Mein eigener Prozess
Während ich meine Tasche packe, merke ich, dass ich auch innerlich packe. Alte Muster. Vorstellungen von Stärke. Von Durchhalten. Von „Ich schaffe das allein“.
Vielleicht ist das die eigentliche Vorbereitung:
Nicht Wissen. Sondern Verkörperung.
Denn wenn ich ehrlich bin, trage ich selbst Prägungen in mir. Auch ich komme aus einer Welt, in der Konflikte oft eskalieren, weil niemand gelernt hat, innezuhalten. In der viele Männer nie beigebracht bekommen haben, ihre Ohnmacht zu fühlen, ohne sie in Kontrolle zu verwandeln. Und viele Frauen nie erfahren haben, dass sie gehen dürfen – innerlich wie äußerlich.
Die Frage bleibt
Was dürfen wir ändern?
Vielleicht:
• Dass Verletzlichkeit als Kompetenz gilt.
• Dass Regulation vor Reaktion kommt.
• Dass Macht verteilt wird, statt konzentriert.
• Dass emotionale Bildung genauso selbstverständlich ist wie Lesen und Schreiben.