03/02/2026
Das hier ist kein Befindlichkeitstext.
Eher ein - vielleicht - gewagter Text.
Bewusst.
Und ich weiß, dass er nicht jedem „schmecken wird“.
Und vielleicht war genau das schon immer meine Königsdisziplin. Dass mich diese „Gefahr“ nie tangiert hat. Dieses leise Kalkül, was man „sagen darf“ und was man besser lässt.
Ich habe nie danach geschrieben, was anschlussfähig ist. Ich habe danach geschrieben, was stimmt.
Für mich.
Was vielleicht aneckt, weil es trifft.
Was unbequem ist, weil es nicht ausweicht.
Diese Angst vieler Menschen, nicht gemocht zu werden, hat mich nie geführt.
Und sie wird mich auch nicht führen.
Nicht mehr in diesem Leben.
Der Preis dafür?
Dass mich manche Menschen nicht mögen.
Nett ausgedrückt.
Der Gewinn?
Dass andere mich so sehr lieben,
dass sie wahrscheinlich mitsterben würden,
wenn ich es täte.
Ich glaube, man nennt das polarisieren 😉
Ich nenne es:
nicht verhandelbar sein.
Und vielleicht ist Follow genau deshalb Follow geworden.
Nicht, weil hier alles gefällt.
Sondern weil hier etwas gilt.
Ich schreibe das heute hier auf auf meiner Seite,
weil Follow seit vielen Jahren auch genau dafür steht: Themen anzuschauen, die nicht immer nur angenehm sind - aber ehrlich.
In den letzten Wochen habe ich mir eine Frage gestellt, die mich schon sehr viel länger begleitet.
Es gibt hier - wie überall - auch Frauen, die in dieses Feld kommen und sofort auf Angriff gehen.
Nicht dialogisch.
Nicht fragend.
Nicht suchend.
Sondern bewertend, zuschreibend und abwertend.
Mit Kommentaren, die nicht öffnen, sondern zuschlagen. Und ja, mit einer Wortwahl, die keine Einladung ist, sondern an eine „Kampfansage“ erinnert.
Und jedes Mal frage ich mich dasselbe:
„Was passiert da?“
Denn eines ist wichtig klarzustellen:
Unterschiedliche Meinungen sind nicht das Problem. Widerspruch ist nicht das Problem.
Kritische Auseinandersetzung ist ausdrücklich nicht das Problem.
Das Problem beginnt dort, wo Dialogfähigkeit fehlt.
Wo nicht gefragt wird: „Was meint die andere?“
sondern unterstellt wird: „Ich weiß, wie du bist.“
Wo Worte nicht genutzt werden, um zu verstehen,
sondern um zu markieren, zu dominieren, zu verletzen.
Ich möchte dazu noch eine sehr persönliche Beobachtung teilen, weil ich in meinem Leben tatsächlich nur eine einzige Frau kennengelernt habe, bei der ich in all den Jahren wirklich live erleben durfte, wie es aussieht, wenn jemand 0,0 Sisterhood-Haltung in sich trägt.
Und ja, ich kann das nicht anders benennen: das war eine fürchterliche Frau.
Nicht als moralisches Urteil, sondern als klare Beschreibung dessen, wie es sich angefühlt hat, ihr zu begegnen. Und gleichzeitig: Sie tat mir immer wieder sehr leid. Wirklich leid. Weil ich bei ihr etwas erlebt habe, das ich sonst bei Frauen so gut wie nie erlebe: dass weibliches Einfühlungsvermögen nicht einfach nur verletzt oder blockiert war, sondern: nicht vorhanden.
Sie konnte sich in nichts hineindenken. In gar nichts. In keine Nuance, keine Zwischentöne, keine Lage. Nicht einmal in einer Weise, die für die meisten Frauen ganz selbstverständlich ist: dieses natürliche Mitfühlen, dieses feine Erfassen, wie etwas beim Gegenüber ankommt. Sie hatte keine innere Resonanz dafür. Und das war nicht „stark“ oder „klar“ - das war hart. Roh. Unverbunden.
Und das Merkwürdigste war: Ihre Art wirkte in manchen Momenten fast, als entspräche sie eher einem Mann - aber nicht einem sensiblen, empathiefähigen Mann, der Tiefe und Kontakt halten kann. Sondern eher einem Typ Mann, der wie die Axt im Walde durch ein Feld geht: ohne Gespür für Wirkung, ohne Blick für Beziehung, ohne das kleinste Bewusstsein dafür, dass Worte Räume öffnen oder Räume zerstören können.
Und manchmal, wenn ich hier Kommentare lese, dann habe ich ganz kurz wieder dieses Gefühl von letztem Jahr. Dieses „Hier stimmt etwas nicht.“
Nicht, weil jemand anderer Meinung ist. Nicht, weil jemand ein Text nicht trifft oder er Inhalte anders sieht.
Sondern weil da etwas fehlt, das eigentlich die Basis jeder reifen Kommunikation ist: die Fähigkeit, überhaupt erst einmal kontaktfähig zu werden. Eine freundliche Anfrage zu formulieren. Einen Satz zu schreiben, der klärt, statt zu schießen.
Erst einmal zu sagen: „Worüber stolpere ich gerade?“ statt sofort zu bewerten, zuzuordnen, zu beleidigen, abwerten und verletzen zu wollen.
Und dann frage ich mich nicht: „Was ist das für ein Mensch?“ - sondern:
„Was ist das für ein inneres Problem, dass jemand es nicht schafft, auf eine erwachsene, respektvolle Weise ins Gespräch zu gehen?“
Was ist da innerlich so unverbunden, so roh, so wenig in Beziehung, dass der erste Impuls Angriff ist - statt Kontakt?
Systemisch betrachtet ist das kein Einzelfall.
Menschen - und ja, natürlich auch Frauen - bringen ihre inneren Beziehungsmuster in jedes (!) Feld, das sie betreten.
Wer innerlich in Konkurrenz steht, erlebt Verbindung als Bedrohung. Wer sich selbst permanent rechtfertigen musste, greift an, bevor er sich erneut klein fühlt. Wer keine innere Ordnung hat, reagiert allergisch auf Klarheit.
Und dann entsteht genau das, was viele dann nicht sehen wollen: nicht „die anderen sind schwierig“, sondern: das eigene Muster kollidiert mit einem Feld, das Struktur hat.
Ich beobachte seit Jahren, privat wie beruflich, dass es Frauen gibt, die immer wieder mit anderen Frauen aneinander geraten. Nicht, weil diese anderen Frauen alle „falsch“ sind. Sondern weil das eigene Kommunikationsmuster keine Resonanz für Augenhöhe erzeugt.
Denn auch das ist eine Wahrheit:
„Wie man spricht, bestimmt, was man erntet.“
Wer in ein Feld hineinpöbelt, wird kein Mitgehen erleben. Wer abwertet, wird Abgrenzung erfahren.
Wer verletzt, wird Distanz spüren.
Das ist keine „Strafe dafür“.
Das ist Resonanz.
Und genau hier wird es spannend:
Viele dieser Reaktionen auf der anderen Seite werden dann gerne umgedeutet.
Als Ausgrenzung.
Als Arroganz.
Als „man darf ja nichts mehr sagen“.
Doch systemisch stimmt das nicht.
Was dann passiert, ist nämlich keine „Unterdrückung von Meinung“.
Es ist eine Antwort (!) auf die eigene Art (!) -
nicht (!) auf den Inhalt.
Ein Phänomen, das mir in diesem Kontext hier auf Follow immer wieder auffällt, möchte ich heute einmal fachlich betrachten:
„Warum reagieren manche Frauen immer wieder mit dem Einwand „Das gilt doch auch für Männer“, obwohl der Fokus eines Textes bewusst und erklärt auf Frauen liegt?“
Das ist eine inhaltliche, systemische Fragestellung - keine emotionale.
Fachlich betrachtet ist dieser Einwand keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Text.
Er ist eine Verschiebung des Fokus.
Denn keiner meiner Texte behauptet, dass Männer ausgeschlossen sind. Viel eher habe ich schon sehr oft erklärt, warum der Fokus hier bewusst auf Frauen liegt.
Wenn dann trotz dieser Klarheit immer wieder der Impuls entsteht, diesen Blick „auszugleichen“, zu relativieren oder zu erweitern, dann lohnt sich ein genaueres Hinschauen.
Systemisch betrachtet zeigt sich hier häufig kein (!) Gerechtigkeitssinn, sondern:
„Eine innere Irritation mit klarer Adressierung“.
Denn wer sich in seiner eigenen Position sicher ist, kann sehr gut aushalten, dass ein Feld thematisch fokussiert ist.
Wer jedoch gelernt hat, sich selbst ständig mitzudenken, mitzuerklären oder mitzurelativieren, empfindet klare Zielgruppenansprache schnell als Ausschluss.
Der Satz „Das gilt auch für Männer“ wirkt dann wie ein Hinweis - ist aber oft ein Ausdruck davon, dass Eindeutigkeit innerlich nur schwer gehalten werden kann.
Fachlich gesprochen:
„Es geht nicht um Gleichberechtigung,
sondern um Bindungssicherheit im eigenen Selbstbild.“
Klar adressierte Felder lösen bei manchen Menschen den Impuls aus, sie sofort „zu öffnen“,
weil sie innere Spannung mit klarer Abgrenzung haben.
Doch Fokus ist kein Ausschluss.
Und Präzision ist kein Angriff.
Fachlich betrachtet berührt diese Reaktion ein bekanntes Spannungsfeld: Fokus versus Universalismus.
Ein fokussierter Text benennt eine Zielgruppe, um Tiefe zu ermöglichen.
Ein universalistischer Impuls versucht, sofort auszugleichen, zu erweitern oder zu relativieren.
Systemisch ist dieser Impuls selten inhaltlich motiviert.
Er entsteht dort, wo Eindeutigkeit innerlich schwer gehalten werden kann.
Wer innere Klarheit besitzt, kann sehr gut aushalten, dass ein Feld präzise adressiert ist.
Wer jedoch Nähe über Gleichmachung reguliert,
erlebt Fokus schnell als Ausschluss.
Der Einwand „Das gilt doch auch für Männer“ ist in diesem Zusammenhang kein sachlicher Zusatz,
sondern eine Flucht aus der Zumutung von Präzision.
Denn Präzision verlangt Selbstpositionierung.
Universalismus erlaubt Ausweichen.
Es geht also bei diesen Kommentaren nicht um Gerechtigkeit, sondern um die Frage, wer Klarheit emotional tragen kann.
Die eigentliche Leitfrage lautet deshalb:
„Warum irritiert es mich so, wenn ein Feld ausschließlich mich als Frau meint - und was sagt das über mein Verhältnis zu mir selbst?“
Und ja - ich sage das jetzt bewusst so klar - auch wenn es unbequem ist:
Manchmal kann ich nachvollziehen, warum Männer bestimmte Dinge über Frauen sagen. Warum sie sagen: „Das ist doch nicht normal. Ihr macht euch gegenseitig fertig. Ihr seid euch selbst oft das größte Problem.“
Nicht als pauschale Wahrheit. Nicht als Urteil über Frauen insgesamt. Sondern als Beobachtung eines Musters, das existiert.
Fachlich betrachtet entsteht dieses Bild dort, wo weibliche Konkurrenz nicht reflektiert, sondern ausagiert wird. Wo Nähe nicht getragen, sondern kontrolliert wird. Wo andere Frauen nicht als Resonanzraum, sondern als Bedrohung erlebt werden. Und wo innere Unsicherheit nicht nach innen bearbeitet, sondern nach außen abgegeben wird.
Dann entsteht genau das, was von außen so verstörend wirkt: Frauen, die sich gegenseitig abwerten, bekämpfen, bloßstellen - oft unter dem Deckmantel von „Ehrlichkeit“, „Klartext“ oder „Meinungsfreiheit“.
Systemisch gesehen ist das keine Stärke. Es ist ein Ausdruck von fehlender innerer Ordnung und ungelöster Selbstwertthemen.
Und ja, solange Frauen diesen Teil nicht anschauen, solange sie Aggression gegen andere Frauen für Haltung halten und Grenzüberschreitung für Authentizität, liefern sie ungewollt genau das Bild, das sie eigentlich selbst kritisieren.
Nicht, „weil Frauen so sind“.
Sondern weil unintegrierte innere Konflikte immer nach außen wirken - auch im weiblichen Feld.
Follow ist über all die Jahre ein Feld mit einer besonderen Frequenz. Nicht, weil hier alle einer Meinung sind. Sondern weil der Umgangston getragen ist von Respekt, Bewusstsein und einer Form von weiblicher Solidarität, die nicht Gleichmacherei bedeutet, sondern Verantwortung für das eigene Wort.
Und genau das möchte ich schützen.
Weiterhin.
Deshalb sage ich das heute offen, und wahrscheinlich zum ersten Mal auch so deutlich:
Ich werde mir künftig das Recht nehmen, Kommentare zu löschen, die respektlos, abwertend oder nicht dialogfähig sind.
Nicht, weil Kritik unerwünscht ist.
Sondern weil dieses Feld kein Ort für Entgleisung ist.
Ich habe dieses Recht.
Es ist mein Feld.
Und ja, es kostet mich Zeit, Energie und Präsenz, auf unverschämte Kommentare diplomatisch zu reagieren. Diese Energie setze ich lieber dort ein,
wo echtes Interesse, Tiefe und Begegnung möglich sind.
Follow ist für mich nach wie vor ein Ort mit sehr viel Tiefe, Reflexionsfähigkeit und weiblicher Verbundenheit. Und genau deshalb erlaube ich mir, auch solche Dynamiken sichtbar zu machen, wenn sie auftauchen.
Nicht, um zu bewerten.
Sondern um Bewusstsein zu schaffen.
Und das beginnt - wie immer - bei der Art,
wie wir miteinander sprechen.
Sandra ❤️