18/03/2026
Abendbrot
Heute am frühen Abend fand unsere regelmäßige "Abendbrotgruppe" statt. Wir haben sie für Jugendliche und junge Erwachsene eingerichtet, damit mehr soziales Miteinander stattfinden kann.
Es nehmen an der Gruppe auch junge Menschen ab 17 Jahren statt, die in Wohngruppen/Kinderheimen lebten und nun verselbstständigt werden.
Verselbstständigung bedeutet, dass sie lernen sollen, selbstständig und alleine zu wohnen und für sich zu sorgen.
Wir wissen: das wichtigste Ritual in einem Familienleben ist gemeinsames Essen. Ohne Fernseher, ohne Handy.
Essen, um den Körper zu stärken, reden, diskutieren, lachen, zuhören, ... um die Seele zu stärken. Etwas, was mittlerweile selbst in Familien oft zu wenig gelebt wird, wir legen darauf Wert.
Paralell zur Gruppe war heute mit mir im Nebenraum ein junger Häftling aus dem offenen Vollzug da, 28 Jahre alt. Er ist wegen Drogenbesitz in Haft. Wenn ich seine Lebensgeschichte höre, Trennung der Eltern, als er ein Baby war, Streitigkeiten um das Sorgerecht, er reißt aus, um zum Vater zu gelangen, Kinderpsychiatrie, Wohngruppe in der Nachbarstadt, dann als Pubertierender in die nächste Stadt in die Wohngruppe der Älteren, dann bis zum 17. Lebensjahr eine Wohngruppe in Baden Württemberg. Vater tot, Mutter lebend nicht vorhanden.
Er kann sich gut ausdrücken, hat schon mal Liedtexte geschrieben und Gitarre gespielt, schreibt Tagebuch.
Wenn er entlassen wird, hat er niemanden, wo er hingehen kann. Zu den "alten Leuten" aus der Cannabis-Szene möchte er nicht gehen, er will sich nicht bei Problemen wieder wegrauchen.
Während ich mit ihm im Gespräch bin, kommt von nebenan der Duft von Currygemüse. Heute haben Joshi und Moritz für alle gekocht. Gesprächsfetzen und Gelächter klingt hinüber.
Und ich denke: so etwas hätte dieser junge Mann erleben müssen! Gemeinschaft, in der man über Schweres und Leichtes reden kann. wo niemand ausgelacht wird, wenn ihm Tränen kommen. Einen Anker im Alltag - einen Ort und Menschen, die versuchen, weiterzuhelfen, wenns schwierig wird.
Als ich den Mann verabschiede, gehe ich noch mal kurz zur Gruppe rüber, bekomme ein Schälchen Curry angeboten. Während ich esse, erzähle ich ihnen von meinen Gedanken. Sie, von denen auch einige schon in jungen Jahren Vater und/oder Mutter durch den Tod oder soziale Schwierigkeiten auf andere Art verloren haben,
sie, von denen aber auch einige Glück mit ihrem Elternhaus haben, sie verstehen was ich meine.
Es ist wichtig zu wissen, dass manches nicht selbstverständlich ist und dafür dankbar zu sein. Nicht, weil ich Dankbarkeit vorschlage, sondern weil sie sie spüren.
Ja, auch Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die unsere Arbeit finanziell unterstützen. Es ist wert voll - voll Wert. Seht es selbst. DANKE!
https://lavia-ggmbh.de/spenden/