29/04/2019
Natürliche Hormontherapie – geht das?
Vielleicht haben Sie auch schon von bioidentischen Hormonen gehört. Besonders in Bezug zu Beschwerden, die mit der Menopause einhergehen, tauchen diese immer wieder auf. Doch was sind bioidentische Hormone eigentlich und was können Sie?
Bioidentische Hormone können, je nach Kombination der Hormone, auch ein Bestandteil der regulären Hormonersatztherapie sein. In diesen Fällen wird eine Kombination aus bioidentischen Hormonen und nicht-bioidentischen Hormonen verwendet. Bioidentische Hormone wirken wie die körpereigenen Hormone, welche bei Frauen in der Menopause in geringerer Menge vorhanden sind. Anders an den bioidentischen Hormonen ist dabei ihr Ausgangsstoff. Sie werden aus Pflanzen wie der Yamswurzel hergestellt und sind strukturell identisch mit den vom Körper selbst produzierten Hormonen (bioidentisch). Bei der Herstellung kann jedoch nur die Vorstufe unserer körpereigenen Hormone aus der Pflanze hergestellt werden. Die Aktivierung dieser ist lediglich chemisch im Labor möglich, da unserem Körper das passende Enzym dafür fehlt. Trotzdem können die Vorstufen im Körper an die passenden Hormonrezeptoren binden und in der Form möglicherweise bereits eine Linderung der Wechseljahresbeschwerden auslösen.
Was können diese bioidentischen Hormone nun anderes?
In Studien wurden bei einer Therapie mit bioidentischen Hormonen geringere Nebenwirkungen beobachtet, als für die Hormonersatztherapie bislang bekannt. Körperfremde Hormone können bei längerfristiger Einnahme zu Schlaganfällen, Thrombosen und einer erhöhten Brustkrebsrate führen. Vermutungen, dass bioidentische Hormone einen besseren Schutz vor diesen und anderen Nebenwirkungen der herkömmlichen Hormonersatztherapie bieten, konnten in einer Übersichtsstudie der Cochrane Collaboration bisher nicht bestätigt werden, jedoch ihre allgemeine Wirksamkeit bei Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen. Die Autoren weisen darauf hin, dass zum jetzigen Zeitpunkt Langzeitstudien zum Zusammenhang zwischen von bioidentischen Hormonen und langfristigen Nebenwirkungen noch fehlen.
Noch gibt es keine ausreichenden Studien zu der allgemeinen Wirksamkeit und Sicherheit bioidentischer Hormone. Einige Präparate haben jedoch bereits notwendige Studien durchlaufen und sind von der amerikanischen Behörde für Arzneimittelzulassungen für den Einsatz in der Hormonersatztherapie bereits anerkannt worden. Hierbei handelt es sich nicht um die individuell in der Praxis oder Apotheke hergestellten Creme. Bei diesen individuell angemischten Cremes ist nach wie vor unklar welche Hormonkonzentration enthalten ist und zudem wie viel davon über die Haut überhaupt aufgenommen werden kann. Eine Liste mit zugelassenen Präparaten findet sich beispielsweise auf der Seite der Harvard Medical School (siehe unten). Bei diesen Präparaten handelt es sich um in Studien getestete und daher von der Behörde für Arzneimittelzulassungen in den USA anerkannte Präparate zur Einnahme bei Wechseljahresbeschwerden in der Menopause mit nachgewiesener Wirksamkeit.
Bevor (nicht-bioidentische) Hormone bei Wechseljahresbeschwerden überhaupt eingenommen werden können, muss (anders als bei der Creme aus Apotheken) eine Hormonbestimmung stattfinden. Während der danach diagnostizierte Hormonmangel nach Leitlinien eine Hormontherapie rechtfertigt, wird vor der Einnahme von bioidentischen Hormonbestimmung zum Teil lediglich ein Speicheltest angeboten, der weniger präzise das Hormonlevel bestimmt. Die Hormonbestimmung über Blutentnahme ist hier (bei der Anwendung bioidentischer Hormone) keine Voraussetzung. Bei der Hormonbestimmung ist es in jedem Fall unabdingbar die Begleitumstände und alle beeinflussenden Faktoren, die auf das Hormonlevel Einfluss haben, zu betrachten. Eine einmalige Hormonbestimmung über den Speichel ist ähnlich wie ein einmaliges EKG, lediglich eine Momentaufnahme. Besonders im Speichel ist die Hormonkonzentration von vielen Faktoren stark beeinflusst und kann daher nicht mit der Bestimmung des Hormonlevels aus dem Blut verglichen werden. Empfehlenswert ist vor der Einnahme von Hormonen bei Wechseljahresbeschwerden daher auf jeden Fall eine Bestimmung der aktuellen Werte über die Blutentnahme.
Die Menopause in ihrer gesamten Länge dient für den Körper auch dazu seine Hormonproduktion umzustellen um langfristig die zu Beginn auffallend geringere Östrogenproduktion zu kompensieren. Dafür werden andere Hormone verstärkt produziert, so dass sich in unserem Körper nach der Menopause wieder ein natürliches Gleichgewicht einstellen kann. Der Hormonmangel während dieser Zeit ist daher ein temporärer Zustand, der sich bei jeder Frau nach der Menopause natürlicherweise wiedereinstellen sollte.
https://www.everydayhealth.com/menopause/bio-identical-hormone-treatment.aspx
https://www.health.harvard.edu/womens-health/fda-approved-bioidentical-hormones-for-menopausal-symptoms
Is bio-identical hormone therapy a safe and effective menopause treatment or a potentially dangerous one? Here are the facts on the ongoing debate.