09/02/2026
Wir gehen unseren letzten gemeinsamen Weg. Nicht, weil die Liebe weniger geworden ist - Sondern weil sie so groß ist, dass sie irgendwann leise wird.
Cappu läuft neben mir. Langsamer. Bedachter. Mit Pausen, die früher nie nötig waren. Und mit diesem Blick, der sagt: „Ich weiß. Aber ich wäre trotzdem lieber schneller.“ Cappu hat noch so viel Lebensfreude. Im Kopf ist er immer noch der Hund, der über die Wiese flitzt, als gäbe es kein Morgen.
Nur sein Körper hat andere Pläne. Alt. Müde. Manchmal widerspenstig. Und das ärgert ihn gewaltig.
Man sieht es ihm an: Der Wille ist da. Die Beine eher so: „Wir setzen uns kurz.“ Er schaut die Wiese an und man weiß ganz genau, was er gerne tun würde.
Rennen. Springen. Unsinn machen. Stattdessen gibt’s ein paar vorsichtige Schritte und einen empörten Blick nach hinten, als wäre ich schuld daran.
Würde er können, würde er flitzen. Mit wehenden Ohren und null Rücksicht auf sein Alter. Abends wird Cappu oft unruhig. So wie bei alten Menschen. Ein bisschen ziellos. Ein bisschen rastlos.
Er steht auf. Legt sich hin. Steht wieder auf. Als hätte er etwas vergessen – weiß aber selbst nicht mehr was.
Dann bin ich da. Mit ruhiger Stimme. Mit Zeit. Und mit ätherischen Ölen, die ihm Entspannung schenken, sein Nervensystem runterfahren. Wir machen nicht mehr viel. Keine großen Ausflüge. Keine langen Wege. Keine Termine, die man „noch schnell“ mitnimmt.
Alles darf sich lösen. Der Körper. Der Tag. Der Moment.
Wir lassen Raum. Für Ruhe. Für Pausen. Für genau das Tempo, das jetzt richtig ist. Ich lerne gerade, dass Liebe nicht immer Action braucht. Manchmal braucht sie nur Geduld. Anwesenheit. Und das Mitgehen im langsamen Gang.
Cappu ist müde. Aber er ist da. Lebensfroh. Stur. Und immer noch voller Herz.
Und ich gehe jeden Schritt mit ihm. So lange, wie er ihn noch gehen möchte. 🐾🤍 # #