09/01/2026
Dass in Hattingen eine zusätzliche Rettungswache geschaffen wird, um die Versorgungssicherheit der Bürgerinnen und Bürger bei medizinischen Notfällen weiter zu erhöhen, ist schon seit längerem klar. Nun wird das Projekt konkreter.
Benjamin Weber (39) und sein Vater Michael (63), die Geschäftsführer des Unternehmens Med Care Professional auf dem Hüttengelände, haben schräg gegenüber ihres Firmensitzes an der Henrichsallee 4 über die Wirtschaftsförderung der Stadt Hattingen ein rund 4000 Quadratmeter großes Grundstück erworben.
Zweigeschossiges Gebäude mit Photovoltaik auf dem Dach
Auf diesem soll die neue Rettungswache Hattingen-Nord entstehen. In dem zweigeschossigen Gebäude mit Photovoltaik auf dem Dach sollen auf 900 Quadratmetern Sozial-und Aufenthaltsräume für Rettungs- und Notfallsanitäter entstehen, außerdem diverse Schulungsräume. Und in einer rund 650 Quadratmeter großen Halle werden künftig die Einsatzfahrzeuge der neuen Rettungswache Platz finden. Auf dem Außengelände entstehen zudem 27 Pkw-Parkplätze, darunter zehn mit E-Ladestation, sowie 18 Radstellplätze, erläutern die Webers.
Einen Namen gemacht hat sich ihr Unternehmen Med Care Professional, das bereits seit 2013 an der Henrichsallee beheimatet ist, dabei mit dem Einsatz von Krankenwagen, Intensivtransportmobilen sowie Ambulanz- und Linienflugzeugen, um verletzten und erkrankten Menschen mit professioneller Hilfe auf der ganzen Welt zu helfen. „Der Regelrettungsdienst allerdings hat uns in unserem Portfolio bislang noch gefehlt“, sagt Michael Weber. „Den Wunsch, einen solchen zu betreiben, hatten wir dabei schon seit einigen Jahren“, fügt sein Sohn hinzu. „Doch nun waren wir auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
Rettungswache Hattingen-Nord
Michael und Benjamin Weber (v. li.) von Med Care Professional vor dem Grundstück an der Henrichsallee in Hattingen, auf dem die neue Rettungswache Hattingen-Nord entstehen soll. Ein Schild "Vorsicht Baustelle!" ist schon montiert.
© Sabine Kruse | Sabine Kruse
Im Notfall schneller am Einsatzort
Erforderlich geworden ist die Errichtung einer neuen Rettungswache in Hattingen unter dem Dach der neu gegründeten, gemeinnützigen Gesellschaft Med Care Professional gGmbH dabei im Zuge der Neuausrichtung des Rettunsdienstes im Ennepe-Ruhr-Kreis. Im September 2024 hatte der Kreistag nämlich den Rettungsdienstbedarfsplan beschlossen, mit dem neben der für Kreise in Nordrhein-Westfalen üblichen Hilfsfrist von zwölf Minuten im EN-Kreis erstmals auch eine Hilfsfrist von acht Minuten angewendet wird.
Konkret bedeutet dies, dass in 90 Prozent der Fälle das erste Rettungsmittel innerhalb von acht Minuten an den Einsatzort gebracht werden muss. Zumindest in den Bereichen, wo sich im Kreis die meisten Menschen aufhalten. Und unter diese sogenannten Einsatzkernbereiche - Bereiche, wo mehr als 25.000 Menschen in einer Stadt wohnen, wo die Bevölkerungsdichte bei mehr als 300 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt und wo es zu mehr als 60 Notfalleinsätzen pro 1000 Einwohnern pro Jahr kommt- fallen eben auch große Teile von Hattingen.
Rettungswachen in Hattingen: Die Standorte
In Hattingen wird es künftig drei Rettungswachen geben.
So gibt es zum einen die von der Feuerwehr betriebene Hauptwache am Wildhagen, dazu die von der Firma Falck betriebene Wache an der Johannessegener Straße, die indes Anfang 2026 nach Abschluss letzter Arbeiten zukünftig Am Leveloh in Sprockhövel ihren Betrieb aufnehmen wird (als Wache Hattingen-Süd).
Und schließlich wird auf dem Hüttengelände an der Henrichsallee die neue Rettungswache Hattingen-Nord entstehen, betrieben von der Firma Med Care Professional.
Bereits seit Juli 2025 wird der Rettungsbedarfsplan dabei umgesetzt, Med Care Professional etwa betreibt seitdem im Auftrag des Ennepe-Ruhr-Kreises zwei Rettungswagen sowie einen Krankentransportwagen, die dem Standort Hattingen-Nord zugeteilt sind. Bis diese indes in der Halle der neuen Wache stehen können, werde es noch ein wenig dauern, so die Webers. Der Bauantrag für das Fünf-Millionen-Euro-Projekt sei aber gestellt, und das Baugenehmigungsverfahren liege ihrer Kenntnis nach „in den letzten Zügen“, so Benjamin Weber. Er und sein Vater rechnen aber damit, die neue Rettungswache, entworfen vom Schwelmer Architekturbüro Wehnau, frühestens in der ersten Hälfte des Jahres 2027 in Betrieb nehmen zu können.
Vorübergehend am Firmenstandort Henrichsallee 4 zusammenrücken
Bis dahin muss das durch den Zuschlag für den Regelrettungsdienst um 25 auf nun 80 Mitarbeitende aufgestockte Team von Med-Care-Professional am Firmenstandort Henrichsallee 4 zusammenrücken, der Ausbildungsbetrieb ist vorerst in das angemietete Nachbargebäude an der Henrichsallee 6b verlagert. Und damit die zwei Rettungswagen und der Krankentransportwagen für den Regelrettungsdienst noch Platz auf dem Firmengelände finden, werden die Einsatzfahrzeuge des Unternehmens für vorgeplante Ambulanz- und andere Krankentransportfahrten vorerst am Straßenrand geparkt.
Das Gelände um die künftige Rettungswache ist unterdessen bereits eingezäunt. Und auch schon versehen mit einem in die Zukunft weisenden Schild: „Vorsicht Baustelle!“