23/01/2026
Von Müssen, Markieren und dem Streben nach der Weltherrschaft
(bei den Jungs 🐾)
Ob im Training, beim Hundeführerschein oder ganz alltäglich beim Spaziergang – rund um das Thema „Markieren“ ranken sich viele Mythen. Ein bisschen Halbwissen ist auch dabei, gelegentlich eine Prise Ignoranz. Kein Wunder also, dass es zwischen Hundehaltern und Nichthundehaltern manchmal knirscht.
Fangen wir vorne an.
„Müssen“
Nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf vom Sofa hoch, kurz strecken, rausgehen – Bein heben, Blase entleeren, fertig. Das ist Müssen.
Hier geht es schlicht ums Lösen. Keine große Auswahl, keine Dramaturgie, keine strategische Planung. Die nächstbeste Gelegenheit reicht völlig.
„Markieren“
Kurz gesagt: alles andere.
Markieren gehört zum normalen Ausdrucksverhalten eines Hundes – und damit grundsätzlich auch ins Hundeleben. Und ja, gern darf es jeder zweite Grashalm auf der Hundewiese sein, solange der eigene Geduldsfaden mitspielt 😉
An einer Stelle treffen dann allerdings zwei Welten aufeinander:
Hauswände, Gartenzäune, liebevoll gestaltete Hecken oder frisch gestrichene Tore – also alles, wo Zeit, Geld und Herzblut hineingeflossen sind – eignen sich eher nicht als Kommunikationsfläche.
Häufig kommt dann der Satz:
„Da kommt doch eh nichts mehr raus.“
Vom Volumen her stimmt das sogar. Inhaltlich hingegen passiert eine ganze Menge.
Denn ein, zwei Tropfen haben die Jungs immer parat – und die haben es in sich:
„Leute, Bruno ist im Revier.
Stattlicher Bursche (Beweis: Höhe der Markierung).
Eigenheim mit großem Grundstück (Beweis: Anzahl und Umkreis).
Gutes Immunsystem, beste Gene (Beweis: Duftstoffe).
Auf Brautschau.“
Und zack:
Bella und Ida hinterlassen Herzchenaugen ihre Visitenkarten.
Picolino, Buddy, Balu und Milo setzen alles daran, Brunos Anzeige möglichst effektiv zu überdecken.
Das Ergebnis: keine so glückliche Hecke, keine ganz so saubere Hauswand.
Damit wird recht schnell klar:
Es gibt Orte, an denen Markieren sinnvoll ist – und andere, an denen eine freundliche, klare Begrenzung für alle Beteiligten entspannter bleibt.
Das klappt in der Praxis oft erstaunlich unkompliziert:
ein flotter Schritt, zu Beginn vielleicht ein ruhiges Abbruchsignal – und das Thema löst sich meist schnell auf. Zur Zufriedenheit aller.
Und die Sache mit der Weltherrschaft?
Ja, es gibt sie tatsächlich: Rüden mit ausgeprägtem Geltungsdrang.
Deutlich häufiger begegnen mir allerdings Jungs, die unsicher oder eher ängstlich unterwegs sind und sich über Markierverhalten ein kleines Stück Selbstbewusstsein zusammensammeln.
Kein Größenwahn also – eher ein leises „Ich bin auch da“.
Wie so oft lohnt sich der Blick hinter das Verhalten.
Er macht das Zusammenleben nicht nur entspannter, sondern auch verständnisvoller – für Hunde, Menschen und Hecken 🌿