11/02/2026
Auf Reisen ins Unbewusste: Vergessen kann auch ein Geschenk sein
Mir fällt der vierte Punkt meiner To-do-Liste einfach nicht ein. Vielleicht später – oder vielleicht war er gar nicht so wichtig.
Früher hätte mich das nervös gemacht. Ich hätte hin und her überlegt und mich geärgert.
Bestimmt kennt ihr das auch: Ein Name fällt einem nicht ein, ein Termin verrutscht, Worte fehlen – und sofort macht sich die Angst vor dem Vergessen bemerkbar.
Gerade ab der Lebensmitte taucht diese Angst schneller auf. Und doch gilt: Nicht jedes Vergessen ist ein Warnsignal, sondern meist Ausdruck von Belastung, Veränderung und Neuordnung.
Vor allem beachtet man dabei etwas Wesentliches nicht: Vergessen gehört zu einem gesunden Gehirn. Vergessen ist kein Defekt.
Unser Gehirn speichert nicht alles – und soll es auch nicht.
Erinnern kostet Energie. Das Gehirn entscheidet ständig, was bleiben darf und was gehen kann. Manches wird eben gerade nicht gebraucht.
Ich begegne vielen Menschen, die genau daran zweifeln – die sich Sorgen machen, weil ihnen Dinge entfallen.
Ich kann das gut nachvollziehen. Deshalb ist es so wichtig zu wissen, dass Vergessen auch eine Schutzfunktion sein kann.
Ich jedenfalls fühlte mich gleich leichter und nehme meine kleinen Aussetzer einfach hin.
Vielleicht ist mein Punkt vier gar nicht verloren, vielleicht darf er noch warten.
Er meldet sich wieder – oder war er gar nicht so wichtig?
Vielleicht passt es genau so.