17/01/2026
Stell dir vor, es ist 1938, du bist neun und plötzlich stirbt deine Mutter. Genau das erlebt Hannelore Fojut. Von einem Tag auf den anderen übernimmt sie Verantwortung für fünf Geschwister, damals zwischen sechs Monaten und sieben Jahren alt. Zwei Wochen hält sie alles zusammen, dann werden die Kinder auseinandergerissen: Vier ins Waisenhaus, ein Bruder zu einer Tante, sie zu den Großeltern. Vielleicht ist es genau das, was erklärt, warum Hannelore später nie wegsah, wenn andere Hilfe brauchten.
1929 geboren, erlebt sie NS-Zeit und Krieg. Sie will Krankenschwester werden, doch Heirat und Familie bestimmen zunächst den Alltag. 1962 fährt sie als Helferin mit in ein AWO-Ferienlager. Es ist der Start einer langen Ehrenamtsgeschichte.
Obwohl es für Frauen damals nicht üblich war, in Versammlungen öffentlich das Wort zu ergreifen, tut sie es trotzdem. In Schönkirchen, wo sie lebt, gibt es keinen Kindergarten – für sie „unmöglich“. Also nimmt sie in einer Bürgerversammlung kein Blatt vor den Mund und nimmt die Verantwortlichen in die Pflicht. Ihr ist es zu verdanken, dass in Schönkirchen die erste Ganztags-Kita entsteht. Später folgen durch ihre Hilfe eine Sozialstation (eines von drei Modellprojekten in ganz SH) und Projekte wie Essen auf Rädern. Als wichtigstes, aber auch mühsamstes Projekt nennt sie die Schule für Altenpflege in Preetz, die bis heute die Betreuungsqualität in Senioreneinrichtungen stärkt.
Über 60 Jahre Ehrenamt: als Landesvorsitzende der AWO Schleswig-Holstein (1983–1995), später Ehrenvorsitzende. Dazu Projekte wie das Kinderhilfswerk für krebskranke Kinder. Bundesverdienstkreuz am Bande, Marie-Juchacz-Plakette – Auszeichnungen für ihren unermüdlichen Einsatz. Vor drei Jahren haben wir ihr zu Ehren unsere Stiftung nach ihr benannt.
Liebe Hannelore: Danke für deinen Mut, dein Dranbleiben und dafür, dass du so vielen gezeigt hast, was möglich ist, wenn man nicht nur mitfühlt, sondern mitmacht. Alles Gute zum Geburtstag! ❤