23/02/2026
Unpopular Opinion – aber ich spreche es trotzdem aus: Solange wir - damit meine ich uns Reitpädagog:innen, Reittherapeut:innen, TGIler und Reitlehrer:innen - uns selbst als „Ponyhof“ inszenieren, werden wir auch so behandelt.
Niedlich.
Freizeitmäßig.
Unverbindlich.
Austauschbar.
Social Media wirkt an dieser Stelle als Treiber, der den Effekt noch verstärkt: Wir transportieren gerade in unserem Sektor viel "Ponykuscheln" und wenig wahre Expertise, sodass schnell der Eindruck entsteht, dass jeder, der ein Pony im Garten stehen hat, per se dazu befähigt ist, mit Pferden und Kindern zu arbeiten.
Wenn dieses Image dann noch durch eine Vielzahl von fragwürdigen Ausbildern auf dem Markt aktiv beworben wird und der Eindruck von Beliebigkeit entsteht (Im Sinne von: "So schwer ist es doch gar nicht: Das bisschen putzen, kuscheln und geführtes Reiten kann doch jeder!"), potenziert sich dieser Effekt, da zukünftige Fachkräfte in einer solchen Leitkultur ausgebildet werden und so nicht internalisieren, dass ihre wertvolle Arbeit sich auch monetär bezahlt machen darf.
Dabei arbeiten viele Betriebe hochprofessionell.
Sie tragen Verantwortung für Lebewesen.
Sie übernehmen pädagogische Aufgaben.
Sie investieren in artgerechte Haltung.
Sie arbeiten wirtschaftlich unter enormem Druck.
Und trotzdem verkaufen wir uns oft
mit Glitzer, Einhornsprache und Ferienlager-Romantik - ich selbst möchte mich da gar nicht ausnehmen.
Versteht mich richtig:
Pferde dürfen Freude machen.
Kinder dürfen Spaß haben.
Aber wenn wir ernst genommen werden wollen –
als Branche, als Ausbildungsweg, als pädagogisches Feld – müssen wir auch so auftreten.
Weniger „Ponyhof“.
Mehr Haltung.
Mehr Professionalität.
Mehr Klarheit.
Vielleicht beginnt der Wertewandel
nicht bei einer staatlich klar regulierten Ausbildungsstruktur mit verbindlichen Inhalten –
sondern bei unserer Außendarstellung.
Was denkst du?