09/02/2026
Der Faktor, der uns lähmt, uns mit Emotionen überflutet und dabei handlungsunfähig macht, ist die Angst. Angst davor, den geliebten Menschen oder das geliebte Tier leiden zu sehen. Oder schlimmstenfalls zu verlieren.
Ja. Es gibt fürchterliche Erkrankungen, die uns in unseren Grundfesten erschüttern. Weil wir wissen, dass wir irgendwie mit ihnen umgehen müssen, irgendwie das Leben am Laufen halten müssen, irgendwie weiter stark sein müssen, auch wenn wir uns eigentlich in der Flut unserer Sorgen und Nöte aufzulösen drohen.
Abstrahieren zu können von der Diagnose ist das eine - den Kopf wieder das Kommando übernehmen zu lassen, eine empathische Ratio einzusetzen, um das Chaos zu ordnen und die nächsten Schritt zu planen. Das andere ist: So gegen die Wand geredet zu werden, dass nichts anderes mehr bleibt als pechschwarze Angst.
Und genau das liegt in der Hand der Therapeuten.
Ich sehe es aktuell zu häufig. Ein alter Kater, übergewichtig, Probleme beim Kotabsatz. Ein Röntgenbild zeigt degenerative Veränderungen in der Lendenwirbelsäure (Spondylose) als Ursache für die verlangsamte Darmtätigkeit und Schmerzen beim Kotabsatz. Gut zu managen. Eigentlich. Aber der Nebenbefund: Scharfe Zeichnungen auf der Lunge. Verdacht auf Tumoren. Aber eben nur der Verdacht.
Die Tierärztin? Fachlich korrekt, menschlich und kommunikativ aber rigoros. "Sie sollten ihn lieber früher als später einschläfern lassen. Sonst leidet er unermesslich, und das wollen Sie doch sicher nicht verantworten."
Der Kater selbst: symptomatisch unauffällig - bis eben seinen erschwerten Toilettengang.
Im Kopf der Tierhalterinnen: Panik, alte Themen, schmerzhafte Erfahrungen. Und eine unermesslich große Angst, das Tier leiden zu sehen. Schlimmer noch als die Angst, diesen fellbeplüschten Lebensmittelpunkt verlieren zu müssen.
Von diesem Zeitpunkt an dreht sich alles nur noch ums Leiden. Der Gesichtsausdruck des alten Tieres? Sicherlich Schmerzen. Die Körperhaltung? Nicht wirklich entspannt. Das Schnurren? Schmerz? - "wir können es nicht einordnen!" Das zögerliche Fressen: Ein Eingeständnis, dass "es" dem Ende entgegen geht. Der Spaziergang: Will er sich jetzt zum Sterben zurückziehen?
Der Kater weiter: Symptomatisch unauffällig.
Im Kopf der Tierhalterinnen ist aber nur noch Platz für Krankheit, Schwäche, Sterben und Verlust. Mit Argusaugen wohnen sie über jedem Blick, jeder Bewegung, jedem sonstig gearteten Kommunikationsversuch. Permanente Unsicherheit, darüber, was jetzt richtig und wichtig ist. Permanente Angst, etwas zu übersehen. Und Leid zu verursachen, wo es nicht sein darf. Angst, die letzte Entscheidung zu spät zu treffen. Und Angst natürlich auch vor all dem, was so ungefiltert aus vergangenen Erfahrungen in ihren Alltag schwappt.
Mein Job als Therapeutin ist es hier nicht nur, Lösungen für diesen alten Kater zu finden. Sondern vor allem: Die Menschen aufzufangen und zu begleiten. Ihnen das Rüstzeug zu geben, materiell sowie mental, ihr Tier ebenso achtsam wie verantwortungsbewusst, ebenso souverän wie einfühlsam durch diese sicherlich schwere, wenngleich noch längst nicht finale Phase seines Lebens zu begleiten.
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