11/04/2026
Heute wurde ich getreten.
Ja, richtig gelesen.
Ein Pferd hat heute nach mir getreten – während ich dabei war, Blockaden und tiefe Muskelverspannungen zu lösen.
Dieses Pferd hat starke Schmerzen.
Schon beim Putzen zeigt es deutliche Abwehrreaktionen. Genau deshalb wurde ich zur Behandlung gerufen.
Und jetzt gibt es meist zwei schnelle Gedanken:
1. „Was für ein blödes Pferd, dass es tritt.“
2. „Wie kann die Therapeutin nur die Grenzen des Pferdes nicht achten?“
Ich sehe das ganz anders.
Ich würde niemals ein Pferd verurteilen, das Abwehr zeigt – selbst dann nicht, wenn es mir weh tut.
Denn Abwehr ist Kommunikation. Schmerz hat eine Stimme.
In meiner Arbeit komme ich manchmal bewusst an Belastungs- und Schmerzgrenzen, um überhaupt eine Veränderung möglich zu machen. Das ist ein schmaler Grat – und er braucht Erfahrung, Gefühl und Respekt.
Dass ein Pferd dabei wirklich tritt, passiert äußerst selten.
In über 10 Jahren als Therapeutin war das heute erst das dritte Mal.
Und wisst ihr, was ich in solchen Momenten fühle?
Keinen Ärger.
Sondern Mitgefühl.
Diese Stute hat eine schwere Vergangenheit.
Sie wurde als Zuchtstute eingesetzt – und regelrecht ausgebeutet. Heute ist sie nur noch Fell und Knochen.
Und trotzdem:
Sie ist ein wundervolles Therapiepferd geworden.
Sie liebt die Kinder.
Ihr Charakter ist unglaublich sanft und gutmütig.
Ich bin einfach nur dankbar, dass sie jetzt an einem Ort ist, an dem sie gesehen, verstanden und liebevoll umsorgt wird. 🤍
Manchmal steckt hinter einem „Tritt“ einfach nur ein Körper, der nicht mehr kann.
Respekt Heilung Therapiepferd