29/07/2013
Durchschnittlich nur 7 Sekunden - Gespräch Arzt-Patient
Während Ärzte medizinisch umfassend ausgebildet sind, mangelt es teilweise an ihrer Gesprächs- und psychosozialen Kompetenz. Untersuchungen in Deutschland und Österreich haben ergeben, dass beim Arztbesuch der einleitende Bericht des Patienten schon nach durchschnittlich 15 Sekunden durch Fragen des Arztes unterbrochen wird oder dieser in 50 % der Fälle gleichzeitig kleine "Nebentätigkeiten" (Karteikarte, Computer etc.) ausführt. Dadurch können wesentliche Aspekte der Anamnese (z.B. über Diäten oder Diabetes) unter den Tisch fallen oder das Vertrauen gestört werden. Bei chronischen Kranken dauert das „Gespräch“ in eine, Test in Österreich durchschnittlich nur 7 Sekunden. In einem Wiener Feldversuch wurde getestet, ob der Arzt zunächst 1 Minute zuhören kann. Ist dies der Fall, steigt die spätere Zufriedenheit der Patienten signifikant an.
Bei ähnlichen Untersuchungen zeigte sich, dass sich nur ein Drittel der Patienten ausreichend informiert fühlt. Ferner werden nur etwa 50 % der ärztlichen Informationen zu Diagnose und Therapie medizinisch richtig verstanden, wovon wiederum die Hälfte nach 30 Minuten vergessen ist. Neben dem Wunsch nach Heilung ist ein Hauptanliegen der Patienten, vom Arzt ernstgenommen zu werden; wird der anfängliche "Redefluss" zu früh unterbrochen (siehe oben), könne nur schwer Vertrauen entstehen - mit negativen Folgen für die Befindlichkeit und den Krankheitsverlauf.
Daher wird empfohlen, das Medizinstudium oder die anschließenden Jahre um Ausbildungsschwerpunkte zur Gesprächsführung und Förderung des emotionalen Verständnisses zu ergänzen. Es wird allerdings eingewendet, dass Ärzte (und analog Therapeuten und Krankenpfleger) emotional nicht zu sehr betroffen sein dürfen, um die fachliche Behandlungsqualität nicht zu gefährden, aber auch einer persönlichen Überforderung vorzubeugen. Die wichtigste Maßnahme wäre, die zur Verfügung stehende Zeit pro Patient (die durchschnittlich meist unter 10 Minuten liegt) zu verlängern. Dieser seit langem geforderten Maßnahme stehen die finanziellen und organisatorischen Engpässe des Gesundheitssystems entgegen. Diese in Arztpraxen, Ambulanzen und bei Krankenhausaufenthalten/Spitalsaufenthalten deutlich werdende Einschränkung findet sich (etwas gemildert) auch bei Kuraufenthalten und reduziert sich bei Privatpatienten.