30/12/2025
🌟 Weihnachtszeit ist Geschichtenzeit - Heute die letzte Geschichte für dieses Jahr.
Wir zeigen kleine persönlichen Einblicken unserer Mitarbeitenden – berührende Momente aus der Hospizarbeit, die uns begleiten und stärken.
Es war einer dieser Tage an denen der Himmel blau strahlt und wenn man raus geht erst merkt wie kalt es trotzdem ist.
Die Frau von der ich erzähle war eigentlich immer fröstelt. Sie war durch die Krankheit sehr dünn geworden. Sie sagte bei der Aufnahme im Hospiz dass ihr immer kalt sei. Trotzdem sie viele Schichten übereinander anzog, hatte sie immer das Gefühl, nicht warm zu werden. Außerdem musste Nachts immer ein helles Licht brennen, denn sie fürchtet sich vor der Dunkelheit. Ihre größte Angst war es allein, in der Dunkelheit der Nacht, zu sterben.
Als sie zu uns kam, konnte sie sich noch selbständig versorgen und im Haus umherlaufen. Sie kam einige Male zum gemeinsamen Frühstück in die Küche. Aber mehr wegen der Gesellschaft, als wegen des Essens. Ihr schmeckte nichts mehr richtig. Nach kurzer Zeit waren ihr die Frühstücksrunden zu viel, und sie blieb ihnen fern.
Dafür entdeckte sie den Kamin im Wohnzimmer. Jeden Tag ging sie dort hin, setzt sich in den Sessel und genoss die Wärme. Endlich hatte sie einen Platz, an dem ihr gemütlich warm war. Abends ging sie nur ungern zu Bett. Sie wollte immer später in ihr Zimmer, am liebsten war sie am Kamin. Mit der Zeit wurde sie täglich schwächer. Alleine zu gehen war ihr bald nicht mehr möglich. Darum wurde sie von uns begleitet, dem Rollator folgte der Rollstuhl in dem wir sie zu ihrem Sessel am Kamin schoben. Wenn wir sie abends zum Schlafen ins Zimmer brachten, nahm jetzt die Angst vor der Dunkelheit noch mehr zu. Sie nahm Medikamente um überhaupt einschlafen zu können, und das Licht blieb weiterhin die ganze Nacht an, sie hatte einfach Angst vor der Dunkelheit. Es kam der Tag wo sie zu schwach war und gar nicht mehr aufstehen konnte, sie zu erschöpft war. Die Bewohnerin schlief jetzt fast nur noch. Der Ehemann und der Bruder besuchten sie regelmäßig und fragen sich und uns ,wie lange sie noch leben würde. Auch waren sie besorgt ob sie nicht nachts bei ihr bleiben sollten, damit sie dann nicht allein sei ,wenn sie sterben würde. Aber sie schickte die beiden Männer jeden Abend nach Hause.
Dann kam dieser Tag an dem der Himmel blau strahlte und als man dann raus ging erst merkt wie kalt es ist.
Ich hatte sie morgens im Bett gepflegt, wie schon seit Tagen. Sie hatte alles still angenommen, nur mal mit dem Kopf genickt oder geschüttelt, um zu signalisieren was sie wollte. Sie sprach nun kaum noch. Als ich fertig war und gehen wollte sagte sie leise .“Nur noch einmal in den Sessel am Kamin“, und dann öffnet sie kurz ihre Augen, das erste Mal an diesem Tag. Ich bot ihr an sie im Bett hinzuschieben. Auch jetzt schüttelt sie den Kopf. Kurzer Hand holte ich den Rollstuhl und hob sie hinein. Sie war ja sehr leicht, so war es gut möglich. Ich brachte sie ins Wohnzimmer und hob sie in den Sessel. Der Kamin brannte schon.
Trotz ihrer großen Schwäche bedankte sie sich bei mir und versuchte zu lächeln. Ich legte ihr die Klingel in die Hand und sagte sie könne sich melden, wenn etwas sei, oder sie wieder ins Bett möchte. Sie nickte, ohne die Augen zu öffnen. Kurz darauf kam der Bruder, er war überrascht ,als er hörte wo sie war. Seit Tagen hatte sie das Bett nicht mehr verlassen. Er setzte sich zu ihr und nahm ihre Hand. Er fragte sie ob sie nicht wieder zu Bett wollte ,sie sei doch so schwach. Sie schüttelte nur den Kopf. Sie wurde blasser und die Atmung wurde schwerer. So dass ich ihre Medikamente geben durfte, die ihr das Atmen erleichtern sollten. Ihr Bruder sah sie besorgt an und ich sagte ihm ich würde ihren Mann anrufen wollen, um ihm über ihren schwachen Zustand zu informieren. Er sagt, der sei unterwegs, er hätte ihn schon angerufen. Kurz darauf kam er. Setzte sich auf die andere Seite zu seiner Frau und nahm ihre Hand. Auch er fragte ob sie nicht nun zu Bett wolle, sie schüttelte den Kopf.
Beide Männer sahen mich ratlos an. Ich sagte "Wenn sie es so möchte, lassen wir sie noch ein bisschen hier sitzen." Der Ehemann sagte, wir klären dann wie wir es mit der Nacht machen. Dass sie heute nicht allein ist, sah den Bruder an und der meinte wir können uns ja abwechseln. Ich sah die drei an und erklärt, es sei ja noch nicht mal Mittag, das haben noch etwas Zeit.
Es war einer dieser Tage an dem der Himmel blau strahlt und wenn man dann raus geht erst merkt wie kalt es ist.
Der blaue Himmel schien hinter ihr durchs Fenster. Der Kamin brannte und ihr Mann und Bruder hielten ihre Hand als sie im Sessel liegen verstarb.
Es war hell, ihr war nicht kalt. Sie wirkte sehr friedlich.
Und es war einer dieser Tage an dem der Himmel blau strahlt und wenn man dann raus geht erst merkt wie kalt es eigentlich ist.