03/12/2022
„Unter allen Menschen, die je auf der Erde geboren wurden, herrscht das weit verbreitete Mißverständnis, dass wir dann am besten leben, wenn wir versuchen, dem Schmerz aus dem Weg zu gehen und es uns bequem zu machen.
Dieses Bestreben kann man sogar bei den Insekten und Tieren und Vö**ln beobachten. In diesem Punkt sind wir alle gleich.
Zu einer viel interessanteren, mitfühlsameren, abenteuerlicheren und freudvolleren Lebensweise können wir jedoch gelangen, wenn wir beginnen, unsere Neugierde zu entwickeln, und es uns dabei einerlei ist, ob der Gegenstand unserer Wißbegier bitter oder süß ist. Um ein Leben zu führen, das über Kleinlichkeit und Vorurteil sowie über das Bestreben, das Geschehen stets in unserem Sinne zu lenken, hinausreicht, um ein leidenschaftlicheres, volleres und beglückenderes Leben zu führen, müssen wir erkennen, daß wir viel Leid und viel Freude ertragen können, um herauszufinden, wer wir sind und was diese Welt ist, wie wir funktionieren und wie unsere Welt funktioniert, wie das Ganze einfach ist. wenn wir uns der Bequemlichkeit um jeden Preis verschreiben, werden wir, sobald wir auf eine geringste Schmerzgrenze stoßen, davonlaufen; wir werden wir nie wissen, was sich hinter jener Schranke oder Mauer oder angsterregenden Schwelle verbirgt.“
Pema Chödrön (2000) „Liebende Zuwendung – Freude im Herzen“, Fischer Taschenbuch Verlag. S. 11ff.