12/01/2026
Wieder mal ein Artikel aus der Rubrik oberflächlich und schlecht recherchiert. Beim Thema Vitamin D wird mal wieder mit verkürzten Aussagen gearbeitet, die zwar einfach klingen, der tatsächlichen Bedeutung dieses Vitamins aber überhaupt nicht gerecht werden.
Ein Vitamin D3 Wert von etwa 30 ng/ml wird von einigen Fachgesellschaften als ausreichend eingestuft, weil ab diesem Bereich schwere Mangelerkrankungen wie Rachitis bei Kindern oder eine ausgeprägte Osteomalazie bei Erwachsenen in der Regel vermieden werden. Diese Grenze beschreibt also vor allem den Punkt, an dem es nicht mehr zu gravierenden, klar diagnostizierbaren Krankheitsbildern, wie Osteomalazie oder Rachitis kommt. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob der Körper optimal versorgt ist.
Genau diese Differenzierung fehlt in vielen Zeitungsartikeln - so auch in diesem. Dort wird häufig suggeriert, die Versorgung über die Ernährung sei ausreichend und niedrige Vitamin D Werte stellten kein Problem dar, solange keine Symptome oder Beschwerden vorliegen. Das ist eine sehr sehr vereinfachte, oberflächliche Sichtweise. Vitamin D ist kein Stoff, der erst dann relevant wird, wenn bereits Schäden entstanden sind. Es geht nicht nur um das Vermeiden von Extremzuständen wie Rachitis oder Osteomalazie, sondern um aktive Vorsorge.
Vitamin D ist entscheidend für den Knochenstoffwechsel und den Erhalt der Knochendichte, unterstützt die Muskelkraft und Koordination, spielt eine Rolle bei der Funktion des Immunsystems und ist an der Regulation von Entzündungsprozessen beteiligt. Auch Zellteilung und Hormonregulation werden durch Vitamin D mit beeinflusst. Wer sich ausschließlich an der Untergrenze orientiert, stellt sicher, dass keine schweren Mangelerkrankungen auftreten, mehr aber auch nicht. Präventive Effekte bleiben dabei auf der Strecke.
Ein Vergleich mit dem Auto macht das gut verständlich. Ein Auto fährt problemlos, wenn der Ölstand knapp über dem Minimum liegt. Es gibt keine Warnanzeige, keine spürbaren Einschränkungen. Trotzdem würde niemand sagen, das sei ein guter oder empfehlenswerter Zustand. Über längere Zeit führt dieser niedrige Ölstand zu erhöhtem Verschleiß und langfristigen Schäden, die man mit einer besseren Versorgung hätte vermeiden können.
Genauso verhält es sich mit Vitamin D. Ein zu niedriger Spiegel bleibt oft lange unbemerkt. Das bedeutet aber nicht, dass im Körper alles optimal läuft. Knochen verlieren schleichend an Stabilität, die Belastbarkeit nimmt ab, das Immunsystem arbeitet weniger effizient. Osteoporose entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über viele Jahre einer suboptimalen Versorgung.
Zu behaupten, niedrige Vitamin D Werte seien unproblematisch, solange keine Beschwerden auftreten, blendet diesen langfristigen Zusammenhang aus. Gesundheit bedeutet nicht, gerade so keine Krankheit zu haben. Es bedeutet, dem Körper die Voraussetzungen zu geben, stabil zu bleiben. Vitamin D ist dabei keine Nebensache, sondern ein wichtiger Baustein, den man nicht erst ernst nehmen sollte, wenn die Schäden bereits da sind.