04/12/2025
Am Hofe des Götterkönigs Indra wurde einst ein großer Wettbewerb ausgerufen: Wer von den Apsaras konnte den vollkommensten Tanz darbieten? Rambha und Urvasi, die beiden berühmtesten Tänzerinnen, traten gegeneinander an.
Rambha begann ihren Tanz mit höchster Präzision. Jede Bewegung war exakt, jede Geste klar wie ein geschliffener Diamant. Die Zuschauer staunten über die Genauigkeit, die fast wie eine mathematische Harmonie wirkte.
Urvasi hingegen tanzte mit einer Leichtigkeit, die wie ein Fluss dahinströmte. Ihre Bewegungen wirkten mühelos, als ob der Tanz nicht von ihr kam, sondern durch sie hindurch floss.
Als beide den Tanz vollendet hatten, fragte Indra die Weisen im Hof: „Wer hat gewonnen?“
Die Weisen antworteten: „Rambha zeigt die Kraft der Disziplin, Urvasi die Kraft der Hingabe. Genauigkeit ohne Mühelosigkeit ist hart wie Stein, Mühelosigkeit ohne Genauigkeit ist flüchtig wie Wind. Erst wenn beide vereint sind, entsteht wahre Schönheit.“
Indra nickte und erklärte: „Keiner von euch hat verloren. Ihr habt uns gelehrt, dass Vollkommenheit nicht im Sieg liegt, sondern im Einklang von Präzision und Leichtigkeit.“
Was hier beschrieben wird, finden wir im Yoga Sutra von Patañjali auch zu Asana, den Körperübungen des Yoga. Ein Asana sollte gleichermaßen die Qualitäten von Stabilität und Leichtigkeit haben: „Sthira sukham asanam.“ Aktivität soll nicht zu Verspannung führen und Entspannung nicht zu Trägheit. Im Yoga lernen wir in der Anstrengung entspannt zu bleiben und in der Entspannung wach. Dieses Stabil sein und gleichzeitig leicht und bei sich zu bleiben, gilt nicht nur für die Asanapraxis, sondern noch mehr für unseren Alltag. Auf der Matte üben wir es – im Alltag leben wir es 😊