30/01/2026
Warum wirklich gute Therapie nicht laut sein muss …
In unserer super-digitalisierten Welt geht man fast unter, wenn man nicht laut genug ist. Wenn man nicht schreit, postet, spektakuläre Videos dreht, sein Leben nach außen stülpt. Je lauter es kracht in der Therapie, umso besser scheint es. Unter geht dabei der tierische Patient, wird zur Bühne der Selbstdarstellung degradiert und manchmal völlig an seinen Bedürfnissen vorbeitherapiert. Da werden Schmerzen bewusst ignoriert um Content zu generieren.
Das war nicht, ist nicht und wird auch nie mein Weg sein. Für mich zählen die leisen Töne, das sanfte entspannen der Muskulatur unter meinen Händen, das erleichterte Aufatmen, wenn sich eine Blockade ganz ohne Krach löst. Wenn der Angsthund plötzlich loslassen kann, seine Augen schließt und sich meiner Behandlung überlässt.
Und manchmal ist es die Begleitung der Besitzer, die feinen Zwischentöne in einer an sich sehr sachlichen Nachricht, die mich aufhorchen lassen. Gerade wenn es sich um geriatrische Patienten handelt. So hat mich gestern eine Nachricht erreicht. Sachlich, kühl, distanziert und trotzdem wusste ich sofort, dass dieser Besitzer trotz aller Sachlichkeit Unterstützung braucht. Das nachfolgende Telefonat war eine Achterbahn der Gefühle, nicht für mich direkt, aber für den Besitzer. Der kleine, sehr leise Hilferuf blieb nicht ungehört und „nur“ zuhören kann für den anderen schon so viel mehr sein.
DAS ist es, was mich und meine Arbeit ausmacht und ich so sehr liebe.